In Sachen Festkörperbatterie (SSB) kooperiert Mercedes künftig mit der US-amerikanischen Firma Factorial Energy. Gemeinsam mit dem SSB-Spezialisten aus Woburn in Massachusetts will Mercedes die Technologie entwickeln. Bei seinem Strategie-Event im Juli hatte Mercedes zwar von SSBs gesprochen, aber keinen Partner genannt.

Die Technologie-Kooperation mit Factorial soll von der Entwicklung der Batteriezellen über Module und Batterien bis hin zur Integration in Mercedes-Fahrzeuge reichen. Bereits im kommenden Jahr sollen erste Zell-Prototypen erprobt werden.

Einsatz der SSB schon in den nächsten fünf Jahren – in einem Kleinserien-Fahrzeug

Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll "der erste Einsatz der Technologie in kleinen Serien in einer begrenzten Anzahl von Fahrzeugen erfolgen", so Mercedes. Ob damit eine Erprobung auf der Straße oder aber wirklich verkaufte Fahrzeuge gemeint sind, lässt der Hersteller offen.

Auch eine Kapitalbeteiligung an Factorial ist geplant. Dadurch erhält Mercedes auch das Recht, einen Vertreter in das Board of Directors von Factorial zu entsenden.

"Mit Factorial als neuem Partner an unserer Seite heben wir die Forschung und Entwicklung im Bereich der vielversprechenden Feststoffbatterie auf das nächste Level. Dafür beteiligen wir uns an Factorial mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag in US-Dollar." (Mercedes-Enntwicklungsvorstand Markus Schäfer)

"Bei Factorial Energy freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz, dem Erfinder des Automobils“, sagte Siyu Huang, Mitbegründerin und CEO von Factorial Energy. Unser Titelbild zeigt Siyu beim Corona-gemäßen Handshake mit Mercedes-Entwicklungsvorstand Schäfer.

Feste Elektrolyte ermöglichen eine deutlich optimierte Sicherheit der Batterie gegenüber Bränden und Explosionen. Zudem wird die Verwendung von Lithium-Metall-Anoden möglich. Diese bieten im Vergleich zu heutigen Lithium-Ionen-Batterien mit Graphit-Elektroden eine fast doppelt so hohe Energiedichte, schreibt Mercedes. Insgesamt ergeben sich durch die SSB also eine Erhöhung der Reichweite und geringere Ladezeiten.

Factorial Energy hat Feststoffbatterien entwickelt, die eine um 20 bis 50 Prozent größere Reichweite sowie eine erhöhte Sicherheit bei vergleichbaren Kosten bieten. Zu den Vorteilen der Technologie gehört, dass für die Produktion auch heute existierende Batterie-Fertigungsanlagen genutzt werden können. Außerdem arbeitet die Technik bei Raumtemperatur. In seinem Elektro-Stadtbus eCitaro erprobt Mercedes bereits eine Festkröperbatterie von Bolloré, die allerdings auf 80 Grad gehalten werden muss, um zu funktionieren.

Die Factorial Electrolyte System Technology (FEST) wurde schon in Form einer 40-Amperestunden-Zelle erprobt. Ein bei diesem Anlass befragter Batterieforscher sagte damals, die Factorial-Zelle sei im Vergleich zur Technik von VW-Partner QuantumScape und von Solid Power sicherer und vielleicht auch billiger herzustellen. Bei Energiedichte, Schnelladeeigenschaften und der Zyklus-Lebensdauer sei Factorial aber nicht unbedingt an der Spitze. Hyundai kooperiert ebenfalls mit Factorial.


Nachtrag vom 1. Dezember: Am gleichen Tag wie Mercedes gab auch Stellantis eine Kooperation mit Factorial bekannt. Auch hier gehört eine Kapitalbeteiligung zum Engagement. Ähnlich wie Mercedes will Stellantis die Festkörperbatterie bis 2026 einführen, wie der Konzern schon bei seinem EV Day im Juli 2021 bekannt gab.