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Weltumrundung im E-Lkw: Mercedes eActros 600 auf großer Tour

Die 45.000 Kilometer will der YouTuber "Elektrotrucker" mit nur 80-mal Aufladen schaffen.

Der 'Elektrotucker' Tobi Wagner übernimmt seinen eActros 600 für die geplante Weltumrundung
Bild von: DaimlerTruck

Der "Elektrotrucker": Das ist der YouTube-Name des Berufskraftfahrers Tobias Wagner, der sich neben seinem Job auch der Elektromobilität verschrieben hat. Nun übernahm er einen Mercedes eActros 600, mit dem der Content Creator rund um die Welt fahren will. Das wäre die erste Weltumrundung mit einem rein batterieelektrisch angetriebenen Lkw.

Die Route soll über 45.000 Kilometer durch mehr als 35 Länder führen. Dabei will Tobi mit maximal 80 Ladevorgängen auskommen. Das hieße, dass er pro Batterieladung durchschnittlich über 560 km schafft – also über 10 Prozent mehr als die Mercedes-Angabe für den serienmäßigen eActros 600 von 500 km. Dieser Wert gilt aber für einen kompletten Sattelzug mit 40 Tonnen Gesamtgewicht. 

Der 'Elektrotucker' Tobi Wagner übernimmt seinen eActros 600 für die geplante Weltumrundung

Der 'Elektrotucker' Tobi legt bei der Batteriemontage letzte Hand an

Bild von: DaimlerTruck

Für die enorme Reichweite sorgen drei LFP-Batterien mit einem Gewicht von jeweils 1,5 Tonnen. Jeder Akku hat 207 kWh brutto, zusammen ergeben sich also rund 620 kWh Speicherkapazität. Aufgeladen wird der eActros 600 über zwei CCS2-Anschlüsse links und rechts. Dabei beträgt die Ladeleistung 400 kW. 

Der 'Elektrotucker' Tobi Wagner übernimmt seinen eActros 600 für die geplante Weltumrundung

Aufgeladen wird über einen normalen CCS2-Stecker

Bild von: DaimlerTruck

Tobi verwendet keinen eActros 600 von der Stange, sondern eine Spezialversion. Dabei machen Tobi und Mercedes einen Kompromiss: Das Fahrzeug sollte möglichst aerodynamisch sein, um die Reichweite zu maximieren, aber auch eine gewisse Geländetauglichkeit haben, da die Strecken sicher nicht überall so gut geteert sind wie bei uns. Der Baustellenlaster eArocs mit Allradantrieb wäre sicher offroadtauglicher gewesen, aber nicht so sparsam.

Man entschied sich für ein zweiachsiges Fahrzeug mit Hinterradantrieb. Der Kollege keinen Sattelschlepper , sondern ein Pritschenfahrzeug. Er wählte eine kleine Kabine, denn übernachten will er in einem Aufsatz, der hinten auf die freie Pritschenfläche gestellt werden soll.

Die Sonderanfertigung wurde bereits Mitte April in Wörth am Rhein gebaut; Tobi sah zu, wie die drei Batterien ins Fahrzeug geschoben wurden und die Kabine aufgesetzt wurde – das kann man sich im obigen Video ansehen. Anders als bei einem typischen Expeditionsfahrzeug hat Tobis Laster kein hoch liegendes Stahlfahrwerk, sondern eine Luftfederung, mit der man auf Asphalt den Luftwiderstand gering halten und im Gelände das Fahrzeug anheben kann, was Tobi im Video bereits vorexerziert.

Noch ist der Umbau nicht vollendet. Die Wohnkabine muss noch gebaut und aufgesetzt werden. Zudem muss die Doppelbereifung an der Antriebsachse noch durch eine Einzelbereifung ersetzt werden, auch Zusatzscheinwerfer für die Fahrzeugfront und eine Folierung fehlen noch. Ab dem Start der Tour im Herbst 2026 will Tobi rund ein Jahr unterwegs sein.

Der 32-Jährige will zeigen, welches Potenzial batterieelektrische Lkw schon heute im Fernverkehr haben und dass man damit auch in weniger entwickelten Ländern unterwegs sein kann, ohne liegenzubleiben. Er will regelmäßig über seine Erfahrungen berichten. Der aus dem bayerischen Mühldorf stammende YouTuber arbeitet seit zwei Jahren hauptberuflich als Lkw-Fahrer bei einer Spedition in Niedersachsen. Er hat bislang 200.000 Kilometer in Elektrolastern verschiedener Hersteller zurückgelegt.

Bildergalerie: Mercedes-Benz eActros 600 (2024)

Unter dem Strich

Einen Lkw-Führerschein haben wir nicht, und Elektrolaster gehören nicht zu unserer Kernkompetenz. Dennoch finden wir die Technik mit den riesigen Batterien und drehmomentstarken Motoren immer wieder faszinierend. So werden wir versuchen, die Weltumrundung mit dem eActros 600 immer wieder mal zu begleiten.