Elektro-G-Klasse startet 2024, ein Maybach-EQS-SUV kommt und Axialfluss-Motor-Spezialist Yasa wird übernommen

Mercedes stellt die Weichen für ein vollelektrisches Zeitalter. Bei einer Online-Veranstaltung am heutigen Donnerstag stellte der Konzern seine Strategie für die Zeit bis 2030 vor. Es ging um die neuen Elektroauto-Architekturen, die ab 2025 auf MMA und EVA folgen, die Batterieversorgung und die Übernahme des Axialfluss-Motoren-Spezialisten Yasa.

Ein neues Verbrenner-Ausstiegsdatum nannte Mercedes nicht; das hänge von der Nachfrage ab. Damit gilt weiter nur die Aussage, dass Mercedes ab 2039 die Klimaneutralität erreichen will (was auch immer das genau heißen mag). Doch wo immer es die Marktbedingungen zulassen, wird Mercedes dem Verbrenner schon Ende des Jahrzehnts Lebewohl sagen.

Bis 2022 will Mercedes in allen Segmenten rein elektrische Fahrzeuge (BEVs) anbieten. Ab 2025 sollen alle neuen Fahrzeug-Architekturen ausschließlich elektrisch sein. 

"Die Elektromobilität gewinnt an Fahrt – vor allem im Luxus-Segment, wo Mercedes-Benz zuhause ist. Der Wendepunkt rückt näher, und wir werden bereit sein, wenn die Märkte bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig auf Elektroautos umstellen." (Ola Källenius)

3 neue Plattformen

Im Oktober 2020 erklärte Mercedes seine Elektroauto-Plattformen MMA und EVA. Das erste EVA-Modell, der EQS, startet erst im August, und MMA für die kleineren Fahrzeuge sollte sogar erst 2025 kommen, so Mercedes im Herbst. Nun heißt es, MMA startet 2024. Und schon ab 2025 soll es drei neue Elektroauto-Architekturen geben:
• MB.EA (für mittelgroße und große Pkw)
• AMG.EA (sportliche AMG-Fahrzeuge)
• Van.EA (für Elektro-Transporter)

MB.EA soll im Lauf der Zeit die heutige Hinterradantriebs-Plattform ablösen, wie auch "die erste dedizierte Elektroplattform" – also wohl EVA. Demnach dürfte es ab 2025 vier Elektro-Plattformen geben: MMA und die drei neuen EA-Architekturen. Wenn wir Entwicklungsvorstand Markus Schäfer richtig verstanden haben, soll es ab 2025 keine neuen Verbrenner-Plattformen mehr geben. Allerdings ermöglicht MMA auch elektrifizierte Verbrenner. 

Elektromotoren

Interessante Neuheiten gab es auch in Sachen Elektromotoren. So sagte Entwicklungsvorstand Markus Schäfer, dass das bereits im Oktober angekündigte neue Antriebssystem eATS 2.0 eine wichtige Rolle bei der MMA-Plattform spielen werde. Verwendet werden dabei PSM-Motoren und 800-Volt-Technik.

Für die AMG-Modelle will Mercedes etwas Kraftvolleres. Dazu erwirbt Daimler den britischen Elektromotorenspezialisten Yasa und bekommt so Zugang zu dessen Axialflussmotoren. Offenbar sollen diese die Elektromodelle von AMG antrieben. 

Batterien und Laden

In Sachen Batterien hieß es, Mercedes benötige am Ende der Dekade eine Batteriekapazität von mehr als 200 Gigawattstunden jährlich. Dazu will man gemeinsam mit Partnern weltweit acht Gigafactories zur Zellproduktion errichten, davon eine in den USA und vier in Europa. Auf unserem Kontinent kommt zu den bisherigen Partnern ein neuer hinzu, den man demnächst bekannt geben will.

Ähnlich wie der VW-Konzern mit seiner "Einheitszelle" treibt Mercedes die Vereinheitlichung beim Akku voran. Die nächste Batteriegeneration werde daher für den Einsatz in mehr als 90 Prozent aller künftigen Modelle geeignet sein. Es soll nur zwei Varianten in Sachen Chemie und Bauhöhe geben.

Heute erreiche man im EQS mit NCM811-Chemie eine Energiedichte von 550 Wattstunden (Wh) pro Liter auf Zellebene. Bei der nächsten Batteriegeneration – bestimmt für die künftigen Elektro-Plattformen – soll die Batteriechemie je nach Einsatzzweck variieren, so Mercedes-Technik-Chef (CTO) Sajjad Khan.

Zusammen mit Partnern wie SilaNano arbeitet Mercedes außerdem an Batterien mit Silicium-Kohlenstoff-Anoden, wobei die Energiedichte auf 900 Wh/Liter wachsen und die Ladezeit verkürzen soll. Auch an der Festkörper-Batterie arbeitet Mercedes; sie soll die Energiedichten auf 1.200 Wattstunden pro Liter und 400 Wattstunden pro Kilo treiben – das heißt, man könnte entweder das Volumen der Batterie halbieren oder die Reichweite verdoppeln. Weitere Vorteile erhofft sich Mercedes vom Einsatz von Künstlicher Intelligenz beim Batteriemanagement (BMS): Künftig sollen KI-Algorithmen das Verhalten des Kunden oder der Kundin mit einberechnen.

Zum Thema Laden gab Mercedes bekannt, dass Plug and Charge mit der Markteinführung des EQS noch in diesem Jahr eingeführt wird. Das ist wohl so zu verstehen, dass der EQS, der im August eingeführt wird, diese nutzerfreundliche Technik unterstützt.

Bildergalerie: Mercedes Vision EQXX (Teaser)

Vision EQXX

Ein weiteres Highlight der Veranstaltung waren Bilder und erste Informationen zum Vision EQXX. Das in verhüllter Form gezeigte Auto wirkt wie ein sportlich-eleganter Gran Turismo; einen Eindruck gibt auch unser Titelbild, das von Mercedes veröffentlicht wurde.

Der Vision EQXX wurde bereits beim Strategietag im Oktober erwähnt
Eine Silhouette des Vision EQXX wurde bereits beim Strategietag im Oktober gezeigt

Doch das Highlight des EQXX ist die Reichweite: Sie soll über 1.000 Kilometer liegen. Und das nicht etwa durch den Einbau einer riesigen Batterie (das könne jeder, so Källenius), sondern mit hoher Effizienz.

So soll der Wagen einen Stromverbrauch von unter 10 kWh/100 Kilometer bei "normaler Geschwindigkeit auf der Autobahn" erreichen. Zum Vergleich: Der WLTP-Normverbrauch des sparsamsten EQS liegt bei 16 kWh/100 km. Die Weltpremiere ist für das Jahr 2022 geplant. 

Neu war auch, dass Mercedes den Bau einer Batterie-Recyclingfabrik im badischen Kuppenheim plant. Die Fabrik soll schon ab 2023 arbeiten. In Sachen Personal will Mercedes die Kosten verringern. Dabei setzt die Marke auf die natürliche Fluktuation und Abfindungsangebote. Zudem will man Verbrenner-Beschäftigte auf die Elektromobilität umschulen – und weltweit 3.000 neue Software-Entwickler einstellen.

Mercedes hat bisher einen Anteil von Hybrid- und reinen Elektrofahrzeugen (xEV) von 25 Prozent am Gesamtabsatz im Jahr 2025 angestrebt. Nun geht man von 50 Prozent aus. Außerdem glaubt Källenius, dass zum Ende des Jahrzehnts Elektrofahrzeuge den Verbrennungsmotor im Wesentlichen abgelöst haben werden.

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Um auch mit Elektroautos eine zweistellige Marge zu erreichen, will Mercedes mehr profitbringende High-End-Elektrofahrzeugen einführen, unter anderem eine Mercedes-Maybach-Version des EQS SUV (wie Marketing-Vorstandsfrau Britta Seeger sagte). Auch soll im Jahr 2024 eine elektrische G-Klasse starten – kürzlich gab es ja Gerüchte, eine Studie würde auf der IAA stehen.

Mit der Verschiebung des Schwerpunkts auf die Elektromobilität (von "Electric first" zu "Electric only") sollen die Investitionen in Verbrenner-Technologien inklusive Plug-in-Hybriden sollen zwischen 2019 und 2026 um 80 Prozent sinken.

Die gesamte Veranstaltung sehen Sie hier:

Mercedes Strategy Update: electric Drive (22. Juli 2021)