Über 650.000 Fahrzeuge besitzt der amerikanische Staat und kauft jährlich etwa 50.000 hinzu. Um die Emissionen zu senken, will die US-Regierung ab 2035 keine Verbrenner-Fahrzeuge mehr erwerben. Leichte Nutzfahrzeuge, die von der US-Regierung erworben werden, sollen schon ab 2027 emissionsfrei sein. Eine entsprechende Verordnung unterzeichnete US-Präsident Jo Biden am gestrigen Mittwoch, wie Reuters meldete.

Die durch die Regierung verursachten Emissionen sollen bis 2030 um 65 Prozent sinken, bis 2050 will man bei netto null Emissionen ankommen, also bilanziell klimaneutral sein. Dafür will die Regierung auch versuchen, immer mehr Strom aus klimaneutralen Quellen zu nutzen.

US-Präsident Joe Biden testet den GMC Hummer EV-Pickup 2022
Joe Biden testete kürzlich den Hummer EV, dessen Auslieferung noch dieses Jahr startet

Die US-Regierung sei "der größte Landbesitzer, Energieverbraucher und Arbeitgeber des Landes", heißt es in der Verordnung. Deshalb könne sie die Art und Weise verändern, "wie wir Strom, Fahrzeuge, Gebäude und andere Betriebe sauber und nachhaltig bauen, kaufen und verwalten."

Im Januar hatte Biden angekündigt, alle Fahrzeuge der US-Regierung durch Elektromodelle zu ersetzen. Im letzten Jahr 2020 bestand die Flotte allerdings nur zu 0,5 Prozent aus E-Autos. Im Jahr 2020 gab die Regierung 4,2 Milliarden US-Dollar für Fahrzeugkosten aus, darunter 730 Millionen US-Dollar für Kraftstoff.

Die neue Richtlinie lässt einige Ausnahmen zu, unter anderem für Militärfahrzeuge. Es gibt aber auch Zweifel, ob die gepanzerte Limousine des Präsidenten ("the Beast") künftig elektrisch angetrieben wird. Der Cadillac One von Vorgänger Donald Trump war eine über sieben Tonnen schwere Stretch-Limousine auf Basis eines Truck-Chassis.. Dieses "Biest" könnte Biden weiter nutzen. Die US-Website GM Authority fertigte schon ein Rendering einer Alternative an, die zumindest die Front des elektrisch angetriebenen Cadillac Lyriq trägt:

Cadillac One mit Lyriq-Front (Rendering von GM Authority)

Dan Becker, der Chef der Umweltorganisation Safe Climate Transport Campaign, sagte, Biden sollte nicht bis 2035 mit der Elektrifizierung warten. Es gebe ja bereits einige Elektrofahrzeuge auf dem Markt. Andere Marken könnten möglicherweise durch die höhere Nachfrage zur Produktion von E-Autos veranlasst werden.

Der US-Bundesstaat Kalifornien will ähnlich wie die EU-Kommission den Verkauf von Verbrenner-Fahrzeugen (außer Trucks) ab 2035 generell verbieten. Diesem Plan schloss sich Biden nicht an. Allerdings hat der Präsident einen (rechtlich nicht bindenden) Plan veröffentlicht, wonach 2030 die Hälfte aller neuen Fahrzeuge elektrifiziert sein sollen; dazu gehören aber auch Plug-in-Hybride. Zudem will Biden den Kauf von Elektrofahrzeugen mit bis zu 12.500 Dollar an Steuergutschriften fördern. Davon sollen 4.500 Dollar nur für US-Fahrzeuge gewährt werden.