Honda legt Pläne zur Elektrifizierung seiner Zweiradsparte vor. Eilig scheint es die Marke damit aber nicht zu haben, denn die Japaner rechnen für 2030 nur mit einer BEV-Quote von 15 Prozent – etliche Automarken wollen dann schon bei 100 Prozent sein.Allerdings gibt es bei Motorrädern und Rollern aber auch besondere Herausforderungen. Aber die Marke kündigt weltweit "zehn oder mehr" Elektro-Modelle bis 2025 an.

Der Absatz von elektrischen Zweirad-Modellen soll zunächst bis 2026 auf eine Million Einheiten und 2030 dann auf 3,5 Millionen Stück steigen. Erst in den 40er-Jahren will Honda Motorrad die CO2-Neutralität erreichen.

Honda - Elektromotorrad-Strategie

Vor allem in Schwellenländern ist die Nachfrage nach Motorrädern groß, vor allem für Pendler, so Honda. Doch durch das höhere Fahrzeuggewicht und höheren Preise hätten Elektromodelle ein Handicap. Außerdem hinge die Nachfrage weitgehend von staatlichen Anreizen, den unterschiedlichen Vorschriften und der Ladeinfrastruktur im jeweiligen Markt ab.

Zur Reduzierung der CO2-Emissionen setzt Honda daher auch auf die Weiterentwicklung der Verbrennermodelle und klimaneutrale Treibstoffe. So kann man in Brasilien bereits Honda-Zweiräder für Benzin-Ethanol-Mischungen (E100) kaufen. Nun will man solche "Flex Fuel"-Motorräder auch in Indien einzuführen. Ab 2023 soll es zunächst Flex-Fuel-Modelle für maximal 20 Prozent Ethanol (E20) geben. Ab 2025 sollen dann Modelle folgen, die mit jeder beliebigen Mischung aus Ethanol und Benzin fahren, also auch mit reinem Bioalkohol (E100).

Was die Elektro-Bikes angeht, so plant Honda eine breite Palette, von Modellen für Pendler bis zu Fun-Modellen. Ein Chart von Honda (unser Titelbild) zeigt elf Modelle, darunter offenbar acht Roller und drei "richtige" Motorräder.

Die japanische und die vietnamesische Post hat man bereits mit Modellen der "e: Business Bike"-Serie versorgt; derzeit laufen Tests bei der Thailand Post Company, der man den Benly e: verkaufen will. Diese Modelle sind mit austauschbaren Batterien (Honda Mobile Power Pack, MPP) ausgestattet. 2024 und 2025 will Honda zwei Elektromodelle für Pendler in Asien, Europa und Japan einführen. Ob auch diese Austauschbatterien erhalten, steht offenbar noch nicht fest:

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Elektro-Mopeds (EMs) mit Höchstgeschwindigkeiten von 25 bis 50 km/h machen über 90 Prozent des weltweiten Elektro-Zweiradabsatzes aus (ca. 50 Millionen Einheiten). Daneben spielen "electric bicycles (EBs)" eine wichtige Rolle, so Honda. Als EBs bezeichnet die Marke Zweiräder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h oder weniger, aber ohne Tretantrieb – also keine E-Bikes.

In China bietet Honda bereits solche Modelle an, sie werden allerdings von lokalen Partnerfirmen entwickelt und gefertigt. Doch da Honda glaubt, dass die Nachfrage nach EMs und EBs weltweit zunehmen wird, will die Marke bis 2024 insgesamt fünf kompakte und erschwingliche EM- und EB-Modelle in Asien, Europa und Japan einführen:

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Was die "Fun-Kategorie" angeht, so plant Honda drei große Elektromodelle für Japan, USA und Europa. Sie sollen auf einer derzeit entwickelten, neuen "FUN EV"-Plattform aufsetzen und zwischen 2024 und 2025 eingeführt werden.

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Generell sollen Hondas Zweirad-Plattformen drei Hauptkomponenten standardisieren: die Batterie, die Leistungselektronik (Power Control Unit, PCU) und den Elektromotor. Dabei soll es sich bei dem Energiespeicher um die Festkörperbatterie (All-Solid-State Battery, ASSB) handeln, die Honda entwickelt. Der Rahmen soll nach den jeweiligen Markterfordernissen geählt werden:

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Außerdem setzt sich Honda für den Batterie-Tausch ein. So wird in Indonesien mit einem Joint-Venture-Partner ein Batterie-Sharing betrieben, in Japan soll bald ein ähnlicher Service starten und dann einer für die Elektro-Rikschas in Indien. Dazu bemüht sich Honda um eine herstellerübergreifende Standardisierung der Batterien. In Japan haben sich vier große Hersteller schon auf gemeinsame Spezifikationen geeinigt, in Europa arbeitet das Swapable Batteries Motorcycle Consortium (SBMC) an einem Standard.