Der Tata Tiago EV ist das richtige Elektroauto für Indien: Mit nur 3,67 Meter Länge und 1,68 Meter Breite ist er so klein, dass er auch im verrückten Stadtverkehr Delhis verwendbar ist, wo Taxifahrer selbst im kleinen Tata Indica noch routinemäßig die Außenspiegel einklappen, um durchzukommen.

Der Einführungspreis liegt bei 849.000 Rupien. Für Indien ist das wahrscheinlich viel Geld, aber hierzulande wäre das Auto mit 11.000 Euro eines der günstigsten Elektroautos. Der Einführungspreis gilt für die ersten 10.000 Käuferinnen und Käufer; 2.000 davon sind für Leute reserviert, die bereits einen Tata Nexon EV oder Tata Tigor EV besitzen. Reservieren kann man sich den Wagen ab 10. Oktober, die Auslieferung soll dann im Januar 2023 beginnen.

Bildergalerie: Tata Tiago EV (2023)

Bei dem niedrigen Preis verwundert es kaum, dass Motorleistungen und Akkugrößen nicht in den Himmel wachsen – um es dezent zu sagen. Zwei Akku-Motor-Kombinationen sind erhältlich, wobei stets ein Permanentmagnet-Synchronmotor (PSM) für den Antrieb sorgt.

Die Basisversion hat 45 kW und einen 19-kWh-Akku; die Reichweite im indischen Fahrzyklus (MIDC) beträgt 250 km. Die gehobene Version hat 55 kW Antriebsleistung und eine 24-kWh-Batterie für 315 km. Es gibt zwei Fahrmodi (namens City und Sport) sowie vier Rekuperations-Stufen; auch One-Pedal-Driving soll möglich sein.

  Akku / MIDC-Reichw. Leistung/ Drehmom. 0-60 km/h Preis (umgerechnet)
Medium Range 19 kWh / 250 km 45 kW / 110 Nm 6,2 Sek. ca. 11.000 €
Long Range 24 kWh / 315 km 55 kW / 114 Nm 5,7 Sek. k.A.

Die Ladeleistungen sind gering, aber da die Akkus klein sind, reichen sie aus. Die Basisversion verkraftet nur 3,3 kW Wechselstrom, die gehobenen Varianten bieten 7,7 kW. Aber auch der größere der beiden Akkus lässt sich in 8,7 Stunden aufladen. Laut Tata geht das "an jeder 15-Ampere-Steckdose", wobei hierzulande eine normale Steckdose meist nur 10 Ampere verkraftet. Daneben gibt es noch eine Schnelllade-Möglichkeit mit 50 kW Gleichstrom. 

Der TiagoEV basiert auf der von Tata entwickelten Ziptron-Plattform für Elektroautos, die speziell für indische Fahr- und Wetterbedingungen ausgelegt ist. Das bedeutet unter anderem, dass der Akku eine IP67-Zertifizierung besitzt – das heißt, er ist wasser- und staubgeschützt. Auf Akku und Elektromotor gewährt Tata eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 km.

An einer 7,2-kW-Wallbox für zu Hause soll man in 30 Minuten Ladezeit Strom für 35 km nachladen lassen – nun ja. Wegen der kleinen Batterie dauert ein Ladehub von 10 auf 100 Prozent aber nur 3 Stunden und 36 Minuten. Mit Gleichstrom kann man angeblich in 30 Minuten 110 km Reichweite nachladen, und in 57 Minuten lässt sich der Akku von 10 auf 80 Prozent bringen. Beeindruckend ist das natürlich nicht, aber in Indien kommt es nun mal  vor allem auf dem Preis an.

Eine App ermöglicht diverse Fernzugriffe, darunter das An- und Ausschalten der Klimaanlage, ein Remote Geo Fencing, eine Standortabfrage (vermutlich für Tage, an denen sich der Nachwuchs das Auto ausleiht) und eine Ladestatus-Abfrage. Darüber hinaus gibt es ein Harman-Infotainment System mit acht Lautsprechern sowie Android Auto und Apple Car Play.

Außerdem werden ein Dach in Kontrastfarbe, Klimaautomatik, Tempomat, Licht- und Regensensor und ein schlüsselloses Startsystem angeboten. Der Tiago EV basiert auf dem Verbrennermodell Tiago, das im GlobalNCAP (einem Crashtest für Indien und Afrika) mit vier Sternen bewertet wurde. Tata hat nach eigenen Angaben in Indien einen Elektromobilitäts-Marktanteil von 89 Prozent. Bis heute hat die Marke allerdings nur etwa 45.000 Elektroautos verkauft.