Der Ineos Grenadier ist eigentlich das genaue Gegenteil eines modernen Elektroautos, wie wir es kennen: Das Gelände-Urvieh mit einer Optik ähnlich dem klassischen Land Rover Defender oder der Mercedes G-Klasse hat einen traditionellen Leiterrahmen und bisher nur Verbrenner unter der Haube.

Schon vor drei Jahren vorgestellt, wird der Wagen seit 2022 im ehemaligen Smart-Werk im französischen Hambach (Lothringen) produziert. Doch nun präsentiert die britische Marke eine Version mit Elektroantrieb und Brennstoffzellen-System. Das System kommt von der BMW Group, schreibt die Marke. Damit dürfte das System aus dem BMW iX5 Hydrogen gemeint sein. 

BMW i Hydrogen Next: Das Brennstoffzellensystem mit Stack (links), Wasserstoffbehältern (Mitte) und Elektroantrieb (rechts)

Das Brennstoffzellensystem des BMW iX5 Hydrogen: Stack vorne, Elektromotor hinten

Für den Antrieb sorgt beim iX5 ein eDrive-Antrieb der fünften Generation, wie er auch im BMW iX zum Einsatz kommt, so BMW. Anders als der iX scheint der iX5 Hydrogen aber nur einen Elektromotor zu haben. Der Brennstoffzellen-Stack liefert 125 kW; dazu kommen fürs Beschleunigen noch 150 kW aus einer Pufferbatterie. So ergibt sich eine Systemleistung von 275 kW.

Die Kooperation mit BMW erstaunt etwas, denn Ende 2021 hieß es noch, der Grenadier bekomme die Brennstoffzellen-Technik von Hyundai. Offenbar hat man sich anders entschlossen und arbeitet seit Juni 2022 zusammen mit dem österreichischen Ingenieurbüro AVL an einem Auto mit dem BMW-System. 

Bildergalerie: Ineos Grenadier FCEV-Demonstrator (2023)

Um den Elektroantrieb unterzubringen, mussten der Leiterrahmen und die Hinterachse modifiziert werden, so Ineos. Außerdem erhielt die Fronthaube eine Ausbuchtung, um den großen Stack unterzubringen. Ansonsten sieht das Auto aus wie die Verbrennerversion. Diese ominösen Andeutungen sind so ziemlich alles, was Ineos bisher zur Technik verrät.

Ineos steht für Inspec Ethylene Oxide and Specialities; der Holding gehören neben Ineos Automotive auch etliche Chemiefirmen. So produziert der Konzern denn auch 400.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr, was ein Grund für das Engagement für diese Antriebsform sein dürfte. Das Demonstrationsfahrzeug beweise, dass die Technologie leistungsfähig genug ist, sagte die neue Ineos-Automotive-Chefin Lynn Calder. "Was wir nun brauchen, ist die Unterstützung der politischen Entscheidungsträger, um die Infrastruktur für die nächste Generation von Wasserstofffahrzeugen zu schaffen."

Der Demonstrator wurde bereits erfolgreich auf Offroad-Strecken rund um Graz getestet, so Ineos. Premiere feiert der Wasserstoff-Offroader beim Goodwood Festival of Speed (13. bis 16. Juli). 

Neben der Brennstoffzellenversion plant Ineos auch noch eine batterieelektrische Variante, wie bereits seit April bekannt. Diese solle 2026 starten, sagte Calder. Batterieelektrische Fahrzeuge seien für kürzere Fahrten gut, die meisten privaten Fahrten und den Lieferverkehr in Innenstädten. Brennstoffzellenfahrzeuge eigneten sich besser für längere Fahrten und hohe Belastungen.