Elektroauto-Nerd: Vorkonditionieren der Batterie lohnt sich nicht
Vorwärmen rentiert sich offenbar bei den wenigsten Elektroautos – weder bei Tesla, noch bei Hyundai/Kia, noch bei VW-Konzern-Autos
Das Vorkonditionieren der Batterie wird von vielen empfohlen, weil es die Wartezeit am Schnelllader verkürzt. Doch das Vorwärmen gibt es nicht umsonst: Es erhöht den Verbrauch. Damit kommt man nach der gleichen Strecke mit weniger Restladung im Akku an als ohne Vorkonditionierung. Und das führt zu längeren Ladezeiten und höheren Ausgaben. Insgesamt lohne sich das Ganze in den wenigsten Fällen, erklärt nun ein Elektroauto-Nerd – mit triftigen Argumenten.
Georgi vom Ladeapp-Anbieter AirElectric hat mit seinem Allrad-Tesla ausprobiert, ob sich das Vorkonditionieren rentiert. Doch bevor wir uns dem Video zuwenden, zunächst die Grundlagen: Um am DC-Lader die volle Ladeleistung zu erreichen, muss die Batterie auf Temperatur sein. Denn Batteriezellen lassen sich bereitwilliger laden, wenn sie Raumtemperatur haben, als wenn sie quasi tiefgefroren sind. Um die Batterie warm zu bekommen, ermöglichen inzwischen die meisten Hersteller eine automatische Vorkonditionierung: Wenn man einen Schnellader als Navi-Ziel eingibt, wird im Winter die Batterie rechtzeitig vorgewärmt (oder im Sommer gekühlt).
Manche Hersteller ermöglichen auch eine manuelle Vorkonditionierung. Bei Tesla gibt es diese Möglichkeit nicht, aber aus eigener Anschauung wissen wir, dass die neuesten Modelle von VW (ab dem VW ID.7) und in die neueren Fahrzeugen von Hyundai (wie dem Ioniq 5 Facelift) das bieten. Aber unabhängig ob automatisch oder manuell: Das Vorkonditionieren kostet Energie.
Georgi fuhr für seinen Test bei winterlichen Außentemperaturen von rund 2 Grad etwa eine Stunde oder 100 km bis zum nächsten Supercharger. Bei seiner Fahrweise lag der Verbrauch ohne Vorkonditionierung bei 18 bis 20 kWh/100 km. Das Navi meldete, dass der Supercharger bei einem Ladestand von 20-22% erreicht würde.
Sobald der Supercharger als Ziel ausgewählt wurde, sank die Reichweitenprognose sofort auf 11 Prozent. Demnach verbraucht die Vorkonditionierung 10 Prozent der Batteriekapazität. Beim gefahrenen Allrad-Tesla (mit rund 75 kWh netto) entspricht das etwa 7 bis 8 kWh. Diese Energie muss beim Aufladen zusätzlich geladen werden; da dabei auch noch Ladeverluste anfallen, rechnet Georgi mit 9 kWh.
Auch mit Vorkonditionierung wurde nur mit 190 kW geladen (bei einem Ladestand von 10 bis 20%). Um die 9 kWh nachzuladen, wären bei dieser Ladeleistung 9 kWh / 190 kW = 0,047 h oder knapp drei Minuten nötig gewesen. Die Kosten hätten beim verwendeten, günstigen DC-Lader rund drei Euro betragen.
Um die Ladedauer ohne Vorkonditionierung abzuschätzen, geht Georgi von der Temperatur der Batteriezellen aus. Diese ermittelt er mit einem OBD-Dongle, mit dem man Daten des Batteriemanagements (BMS) auslesen kann. Danach betrug die Zelltemperatur ohne Vorkonditionierung 14 Grad (bei 2 Grad Außentemperatur, aber nach einer Autobahnstrecke). Nach etwa 50 min war die Zelltemperatur auf 38 Grad angestiegen. Doch das reichte nicht, um die maximale Ladeleistung von 250 kW zu erzielen. Dazu sind laut Georgi bis zu 50 Grad Celsius nötig.
Ohne Vorkonditionierung wären bei einem Ladestand von 20 Prozent Ladeleistungen von 120 bis 150 kW möglich gewesen, weiß Georgi aus der Erfahrung. Damit hätte das Laden etwa 2 bis 3 Minuten länger gedauert. Mit Vorkonditionierung mussten aber zunächst die 9 kWh für die Batterievorheizung nachgeladen werden, was ebenfalls etwa 3 min gedauert hätte – man hätte also keine Zeit gespart, aber drei Euro mehr ausgegeben.
Georgi hat auch zu den E-GMP-Fahrzeugen von Hyundai/Kia/Genesis und den Fahrzeugen des VW-Konzerns recherchiert und kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass sich das Vorkonditionieren dort ebenfalls in den allerwenigsten Fällen lohnt.
Unter dem Strich
Bisher hatten wir gedacht, Vorkonditionieren brächte Vorteile. Doch nach dem Video von Georgi sind wir ins Grübeln geraten. Auch wenn wir den Test nicht nicht selbst durchgeführt haben und uns für die Ergebnisse nicht verbürgen können: Zumindest der Gedankengang ist plausibel.
Wenn man vorkonditioniert, verbraucht man Energie, und diese muss erst nachgeladen werden. Damit dauert der ganze Ladevorgang ein paar Minuten länger. Was man an Zeit durch die höhere Ladegeschwindigkeit spart, wird offenbar kompensiert durch die größere Energiemenge, die man nachladen muss. Dazu kommen die höheren Stromkosten.
Quelle: AirElectric auf Youtube
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