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Porsche bestätigt Aus für Zellfertigung von Cellforce

Auch Vertrag mit Valmet zur Akkupaket-Montage für den elektrischen 718 wurde offenbar gelöst

Neuer Produktionsstandort von Cellforce bei Reutlingen

Der Spiegel hatte es bereits am vergangenen Mittwoch gemeldet, nun bestätigte es Porsche selbst: Die geplante Batteriezell-Produktion bei der Tochter Cellforce wird es nicht geben. Die Firma am Standort Kirchtellinsfurt bei Tübingen soll sich auf Forschung und Entwicklung beschränken; etwa 200 von 290 Beschäftigten werden ihren Job verlieren.

Cellforce wurde 2021 als Joint Venture zwischen Porsche und dem deutschen Batteriespezialisten Customcells gegründet und 2023 vollständig von Porsche übernommen. Die Firma sollte ab 2024 besonders leistungsfähige Zellen mit siliciumreichen Anoden produzieren. Jetzt soll nur noch eine Forschungseinheit übrigbleiben, sagt Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner bei einer Betriebsversammlung. Ende November soll der Großteil der Beschäftigten gehen, berichtet die Automobilwoche.

In einer Pressemitteilung vom heutigen Montagmorgen ist von einer Neuausrichtung von Cellforce die Rede, und zwar aufgrund des langsameren Hochlaufs der Elektromobilität und der veränderten Rahmenbedingungen in China. Die Cellforce Group solle sich in Zukunft auf die Forschung und Entwicklung von Batteriezellen konzentrieren. PowerCo, die Batteriesparte des Mutterkonzerns Volkswagen, soll geeigneten Mitarbeitern Angebote machen. So will sich der Konzern offenbar die Kompetenz in Sachen Hochleistungszellen sichern. Eine Skalierung der eigenen Fertigung sei jedoch "nicht wirtschaftlich darstellbar". 

Porsche 718 Cayman Electric als Rendering

Porsche 718 Cayman Electric als Rendering: Die Akkus sollten von Valmet zusammengesetzt werden

Bild von: Motor1

Und die Cellforce-Fabrik ist nicht die einzige, die von Porsches Strategieschwenk betroffen ist. Auch die Montage von Batteriepaketen beim Zulieferer Valmet wird gestrichen. In dem Werk in Kirchardt bei Heilbronn sollten Batterien für den elektrischen 718 Boxster und Cayman aus Zellen zusammengesetzt werden.

Die Batteriezellen sollten vom schwedischen Produzenten Northvolt kommen. Unter anderem, weil dieser inzwischen insolvent ist, kann die 718-Baureihe nicht 2025 starten wie geplant. Stattdessen wurde der Elektro-718 bis mindestens 2027 verschoben. Damit startet das Zwillingspärchen erst nach dem Elektro-Cayenne, der für 2026 geplant ist. Deswegen wurde der Vertrag von beiden Seiten aufgelöst, so die Automobilwoche unter Berufung auf eine "zuverlässige Quelle". 

Die Valmet-Fabrik war im Jahr 2023 eröffnet worden. Porsche hatte einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den Umbau des Standorts investiert und 160 Jobs versprochen. Nach Auflösung des Vertrags mit Porsche bleibt dem Werk nur noch die Fertigung einer Plug-in-Hybrid-Kleinserienbatterie für Lamborghini, mit der das Werk aber längst nicht ausgelastet ist.  

Unter dem Strich

Batteriezell-Produktion in Deutschland? Abgesehen vom CATL-Werk bei Erfurt ist da bisher nicht viel. Die ACC-Fabrik auf dem Gelände des ehemaligen Opel-Werks in Kaiserslautern ist noch nicht fertig, genauso wenig wie die von VW in Salzgitter, die Zukunft von Northvolt Drei in Heide ist unsicher und auch die Produktion von SVolt im Saarland wurde offenbar gecancelt. Und die Misere führt offenbar auch zu Verspätungen bei geplanten Modellen wie dem elektrischen Porsche 718.