McMurtry Spéirling Pure: So sieht die Serienversion aus
Der Rennwagen beschleunigt in rund 1,6 Sekunden auf Tempo 100
Der britische Kleinserienhersteller McMurtry Automotive hat die finale Serienversion seines extremen, einsitzigen Elektro-Rennwagens für die Rundstrecke vorgestellt. Der Spéirling PURE soll Fahrern aller Erfahrungsstufen vom ambitionierten Track-Day-Enthusiasten bis zum Profi Fahrleistungen auf dem Niveau eines Formel-1-Boliden zugänglich machen.
Gegenüber den bisherigen Prototypen, die unter anderem die Allzeit-Rekorde beim Goodwood Festival of Speed und auf der Top-Gear-Teststrecke brachen, wurde das Fahrzeug extrem tiefgreifend überarbeitet. Laut McMurtry bestehen rund 95 Prozent der Komponenten der Serienversion aus Neuentwicklungen. Das erklärte Ziel des Projekts ist es, extreme Längs- und Querbeschleunigungen mit einer unkomplizierten Handhabung im Stil eines "Plug-and-Play"-Prinzips zu verbinden.
Bildergalerie: McMurtry Spéirling Pure (2026) Serienversion
Antrieb und Batterie: Mehr Kapazität und verbesserte Kühlung
Im Zentrum der technischen Modellpflege steht ein neuer Lithium-Ionen-Akkumulator mit einer Kapazität von 100 kWh, der die 60-kWh-Batterie der Prototypen ersetzt und die Reichweite deutlich steigert. Die Batterie nutzt moderne Molicel P50B NCA 21700-Zellen und basiert auf einem standardisierten, modularen Design, um zukünftige Upgrades zu erleichtern. Die maximale Leistung der Rekuperationsbremse wurde auf bis zu 200 kW bei jedem Ladezustand angehoben.
Gepaart wird der Energiespeicher mit neuen Elektromotoren des Herstellers Helix, die ein höheres Drehmoment an ein verstärktes Getriebe abgeben und die reinen Hinterräder über ein elektronisches Differenzial antreiben. Die Systemleistung liegt bei runden 1.000 bhp (ca. 1.014 PS).
McMurtry Spéirling Pure (2026) Serienversion
Ein wesentlicher konstruktiver Schritt ist die Verlegung des Kühlsystems von der Rückseite an die Fahrzeugfront. Trotz der gewachsenen Außenabmessungen des Fahrzeugs, die für die Unterbringung der größeren Batterie nötig wurden, sorgt dies für eine aerodynamisch wesentlich sauberere Anströmung der Heckpartie und der dortigen Lufttunnel.
Der Spéirling PURE beschleunigt in 1,55 Sekunden von 0 auf 60 mph (ca. 96,5 km/h) und erreicht eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 190 mph (305 km/h). Die Batteriekapazität reicht aus, um auf der Rennstrecke eine Distanz von 40 bis 50 Kilometern im Renntempo eines LMP2-Sportprototyps zu absolvieren.
"Downforce-on-Demand"-System: Anpressdruck aus dem Stand
Das markanteste technische Merkmal des Fahrzeugs bleibt das patentierte Ventilatorsystem zur Erzeugung von künstlichem Anpressdruck. Zwei Hochgeschwindigkeits-Lüfter, die mit bis zu 23.000 Umdrehungen pro Minute rotieren, saugen die Luft unter dem abgedichteten Unterboden durch Filter ab und stoßen sie am Heck wieder aus. Dadurch generiert das Auto unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit, also bereits im Stillstand bei 0 km/h, einen Abtrieb von bis zu 2.000 Kilogramm.
Das System ermöglicht dem Fahrer Querbeschleunigungen von bis zu 3g in Kurven sowie Verzögerungswerte von ebenfalls 3g beim Bremsen. Beim Ausstoßen der Luft erzeugt die Apparatur ein Geräusch, das stark an ein Jet-Triebwerk erinnert.
McMurtry Spéirling Pure (2026) Serienversion
Für die Serienversion wurden die Ventilatorflügel im Sinne einer höheren Haltbarkeit überarbeitet, zudem optimierten die Ingenieure die Lüftermotoren und deren Kühlung. Die gesamte Baugruppe wurde versetzt, um den Schwerpunkt des Fahrzeugs weiter zu senken. Die flexiblen Schürzen am Unterboden, die den Saugbereich abdichten, wurden ebenfalls robuster gestaltet und halten nun mehrere tausend Kilometer im harten Rennstreckeneinsatz durch.
Ein integrierter Luftkompressor ermöglicht es nun zudem, die Schürzen für langsame Manöver im Fahrerlager oder das Verladen auf einen Anhänger per Knopfdruck anzuheben – bei den Prototypen war hierfür noch eine externe Druckluftflasche nötig. Das duale Lüfterlayout bietet zudem eine eingebaute Redundanz: Sollte eine Einheit ausfallen, bleibt das Auto für den Fahrer voll kontrollierbar.
Karosserie, Fahrwerk und Cockpit
Das Monocoque besteht aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff und wurde so konstruiert, dass es globale Motorsport-Sicherheitsstandards erfüllt. Um Platz für den größeren Akkumulator zu schaffen, wuchsen der Radstand um 10 Prozent auf 2.200 mm sowie die Gesamtbreite um 14 Prozent (1.795 mm) und die Gesamtlänge um 11 Prozent (3.815 mm). Dennoch bleibt der Spéirling PURE mit einer Höhe von nur 1.056 mm ein sehr kompaktes Auto.
McMurtry Spéirling Pure (2026) Serienversion
Der Innenraum bietet nun spürbar mehr Ellbogen- und Beinfreiheit und nimmt Fahrer bis zu einer Körpergröße von 2,01 Metern auf. Die A-Säule wurde versetzt, um das Sichtfeld zu verbessern, und die Einstiegsöffnungen wurden durch breitere Scharnierabstände der Türen vergrößert. Am Heck befindet sich unter dem Schwanenhals-Flügel ein kleines Staufach für einen Helm und das HANS-Sicherheitssystem. Für Fahrten in der Dämmerung verfügt das Serienmodell über Scheinwerfer, Blinker, Warnblinkanlage und Bremslichter.
Am Fahrwerk stieg der nutzbare Federweg, während die nominale Fahrhöhe im Betrieb um 20 Prozent angehoben wurde. Die Lenkung wurde von einem rein elektrischen System auf eine hydraulische Servolenkung mit einer Ventilsteuerung im Formel-1-Stil umgestellt, was für ein feineres Feedback und geringere Lenkkräfte sorgt. Elektronisch verstellbare Dämpfer sind optional erhältlich.
McMurtry Spéirling Pure (2026) Serienversion
Das Fahrzeug rollt auf frei verkäuflichen Renn-Slicks von Michelin (vorne 30/68-18, hinten 31/71-18), deren Reifenbreite im Vergleich zum Prototyp vorne um 11 Prozent und hinten um 3 Prozent zulegte, während die Flankenhöhe um jeweils 15 mm wuchs. Die Bremsanlage verwendet innenbelüftete Carbon-Keramik-Scheiben im Format 390 mm x 34 mm mit Sechskolben-Bremssätteln von Brembo. Zur Unterstützung des Fahrers sind eine Traktionskontrolle und ein Antiblockiersystem (ABS) an Bord.
Alltagstauglichkeit im Fahrerlager und Exklusivität
Ein zentraler Aspekt der Entwicklung war die Vereinfachung des Track-Day-Betriebs. Extrem leistungsstarke Rennfahrzeuge erfordern im Normalfall ein großes Team an Ingenieuren und Mechanikern. Der Spéirling PURE lässt sich hingegen von zwei Personen, dem Fahrer und einer kompetenten Begleitung, an der Rennstrecke betreiben.
Ein optional erhältliches, mobiles Powerbank-System mit 100 kWh Speicherkapazität und 120 kW Ausgangsleistung erlaubt das Laden des Fahrzeugs an herkömmlichen Drehstromanschlüssen in Boxengassen. An modernen Schnellladestationen lässt sich der Akku in 20 bis 60 Minuten von 20 auf 95 Prozent laden. Wartungsklappen im Monocoque und der Karosserie erleichtern zudem den Zugang zu wichtigen mechanischen Komponenten, wie etwa dem Filterkasten des Ventilatorsystems.
Jedes Fahrzeug wird individuell nach Kundenwunsch in der neuen Fabrik in den Cotswolds (England) von Hand gefertigt. Die Sitze werden in einem dem Le-Mans-Prototypenbau entlehnten Verfahren direkt auf den Körper des Besitzers maßgeschneidert. Das Rennlenkrad bietet Zugriff auf alle Fahrfunktionen sowie eine Schaltwippe zur Steuerung der Lüfterdrehzahl.
McMurtry Spéirling Pure (2026) Serienversion
Der Spéirling PURE ist unter anderem für Wettbewerbe wie die Global Time Attack in den USA, die European Time Attack Masters auf dem Nürburgring oder herstellerunabhängige Veranstaltungen wie den GT1 Sports Club zugelassen. Käufer erhalten zudem Zugang zum exklusiven "McMurtry Owners Club", der exklusive Events, technologischen Austausch und professionelle Fahrertrainings, beispielsweise für Fahrten auf Eis, organisiert.
Die ersten Auslieferungen an Kunden sollen im Laufe des Jahres 2026 beginnen. Der Basispreis für das exklusive Kleinserienfahrzeug liegt bei 995.000 Britischen Pfund, was je nach Wechselkurs rund 1,15 Millionen Euro oder 1,3 Millionen US-Dollar entspricht, jeweils zuzüglich lokaler Steuern, Transportkosten und individueller Sonderausstattungen. Das Modell wird vom 9. bis 12. Juli 2026 auf dem Goodwood Festival of Speed ausgestellt. Seine offizielle Publikumspremiere in der finalen Produktionsspezifikation feiert das Fahrzeug am 14. August 2026 im Rahmen des Events "The Quail" in Kalifornien.
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