Mittwochmorgen, neun Uhr: Ich schlittere zu Fuß über die vereiste Münchner Theresienwiese auf die Bavaria zu, die bei minus zwei Grad still unter einem Schneehäubchen vor sich hin friert. Ich bin mit Sebastian verabredet, zu einer kurzen Testfahrt mit dem Hopper. Kaum bin ich da, da kommt er schon angerumpelt, mit dem blauen Vehikel.

Der Hopper ist ein E-Bike aus Augsburg, aber eines mit Karosserie. Die schützt vor Regen und Wind, und heute kann ich sie gut gebrauchen, denn als E-Bike wird das Ding doch immerhin 25 km/h schnell, und ich habe meine Handschuhe vergessen. Auch gut, dass das Ding drei Räder hat, denn es ist stellenweise spiegelglatt. An solchen Tagen lasse selbst ich als passionierter Radler mal das Fahrrad stehen. Mit dem dreirädrigen Hopper aber traue ich mich. 

Hopper (2024): Das Cockpit mit dem eigenartigen

Das Cockpit mit dem eigenartigen "Doppel-Lenkrad", dem Fahrersitz und dem Platz für den Sozius dahinter

Schnell erklärt mir Sebastian die Basics: Das eigenartige Doppel-Lenkrad zum Beispiel. Der Hopper wird per Lenkrad gesteuert. Das dahinter liegende, zweite Rad fungiert als Bremse – man zieht es einfach zu sich heran. Vorteil: Auch bei eingeschlagenem Lenkrad muss man die Bremse nicht suchen, sie ist stets zur Hand.

Außerdem gibt es noch einen eher spartanischen Hartplastik-Sitz, den man längs verstellen kann. Die Lehne lässt sich auch umklappen, damit eine zweite Person auf den Rücksitz gelangen kann. Der Platz hinten ist nicht üppig, fast stoße ich mit dem Bauch gegen die Vordersitzlehne, aber ich passe hinein. Neben der gefahrenen "Passenger-Variante" gibt es auch noch eine Cargo-Version, die statt dem Rücksitz einen größeren Kofferraum hat.

Hopper (2024): Der Kofferraum

Der abschließbare Kofferraum bietet Platz für Postpakete, die Einkäufe oder eine Getränkekiste 

Ich setze mich hinein und gucke auf ein kleinen Monitor in der Lenkradmitte. Hier kann man die PIN eingeben, um die Motorsperre zu lösen. Außerdem zeigt das Touch-Display das Tempo an, die Restreichweite und ermöglicht ein paar Einstellungen. Mit den Tasten links und rechts davon aktiviert man die Blinker, das Licht und kann zwischen den Unterstützungsmodi D und S umschalten. Auch eine Hupe gibt es hier.  

Hopper (2024): Hinter dem Lenkrad gibt es ein zweites Rad, mit dem gebremst wird

Ein Blick in den Fußraum: Hier gibt es zwei Pedale. Sie treiben nicht etwa die Vorderräder an, sondern einen Generator, der Strom für die Batterie liefert. Aber vor allem fungieren die Pedale als Signalgeber für den Antrieb: Wie beim normalen E-Bike bestimmen die Tretgeschwindigkeit und die investierte Kraft die Fahrgeschwindigkeit.

Hopper (2024): Die Pedale erzeugen über einen Generator Strom für die Batterie, aber vor allem fungieren sie als Signalgeber für den Antrieb

Anders als bei normalen E-Bikes gibt es beim Hopper aber keine mechanische Verbindung zum Antriebsrad; Sebastian nennt das Prinzip Pedal-by-wire. Apropos Antriebsrad: Angetrieben werden nicht die beiden Vorderräder, sondern das dicke Vespa-Rad am Heck. Und das wird auch gelenkt.

Hopper (2024): Das Hinterrad mit dem Lenkgetriebe

Das Hinterrad mit dem Lenkgetriebe

Soweit, so gut. Jetzt aber wird es Zeit für ein bisschen Bewegung, damit der Hopper und ich nicht festfrieren. Ich steige ein, löse die Handbremse und trete vorsichtig los. Schnell merke ich, dass sich das Ding absolut gutmütig fährt. Es holpert ein wenig, eine komfortable Federung wie beim Auto darf man nicht erwarten. Aber man kann nicht stürzen wie mit dem Fahrrad – bei der Eisesglätte ein großes Plus. Schlimmstenfalls dreht das Antriebsrad beim Start auf geschlossener Schneedecke etwas durch.

Nur in der Kurve muss man ein wenig aufpassen: Das Heck schwingt sehr schnell herum. Wenn man zwischen Pollern oder ähnlichem hindurchfährt, sollte man deshalb nicht zu früh lenken. Besser, man wartet, bis auch das Heck an den Hindernissen vorbei ist. Außerdem ist es nicht ganz leicht, von einer Wand wegzukommen, wenn man dicht daneben geparkt hat. Andererseits macht das Kurvenfahren mit dem Hopper einen Heidenspaß. Klar: Heckantrieb, Hinterradlenkung und spiegelglatte Fahrbahnen machen das Driften kinderleicht.

Weit fahre ich nicht mit dem Ding; nach ein paar genussvollen Kurven kehre ich zu Sebastian zurück und frage ihn noch etwas aus.

  • Wie bewegt man das Ding im Straßenverkehr? Natürlich auf dem Radweg, schließlich ist der Hopper ein E-Bike. Damit kein Unkundiger schimpft, trägt das Vehikel sogar einen Aufkleber "Ich bin ein Fahrrad". Auf engen Radwegen kann es schwierig sein, den Hopper zu bewegen, gibt Sebastian zu. Aber das ist bei einem zweispurigen Lastenrad ja auch nicht anders.
  • Was wiegt das Ding?
    Etwa 135 Kilo mit Batterie, sagt Sebastian, aber bei der Serienversion will man auf etwa 100 Kilo kommen.
  • Wie lädt man den Hopper auf?
    Die Batterie liegt unter dem Vordersitz. Wenn sie leer ist, kann man das 11 Kilo schwere Trumm entnehmen und in der Wohnung in sieben bis acht Stunden komplett aufladen.
  • Gibt es Seitentüren oder dergleichen?
    Es soll Folien geben, die man per Druckknopf innen an den Dachholmen befestigen kann, vermutlich transparent im oberen Teil. Aber angeblich ist man auch so vor Regen gut geschützt (wenn es nicht zu stark weht).
  • Wann kommt der Hopper?
    In Serie gehen soll der Hopper Mitte 2024. Dann wird das Ding in einem Werk von Hopper in Hamburg gebaut.
  • Was kostet der Hopper?
    Ab 2024 soll er 13.500 Euro kosten, wer noch dieses Jahr bestellt, erhält 600 Euro "Frühbucherrabatt".
Hopper (2024): Der 11 Kilo schwere Akku von AES speichert 1,44 kWh

Der Akku liegt unter dem Sitz; er lässt sich zum Aufladen entnehmen

Hopper (2024): Der von innen per Hebel bediente Hand-Scheibenwischer

Sogar einen (per Handhebel geschwenkten) Scheibenwischer hat der Hopper

Fazit: Nicht günstig, aber spaßig

Rund 13.000 Euro sind ganz schön viel Geld für ein E-Bike, oder? In der Tat, ein "Long John"-Lastenrad mit Kasten vorne ohne Karosserie bekommt man schon für 4.000 bis 8.000 Euro. Leichtmobile wie den Opel  Rocks Electric oder den Fiat Topolino gibt es für rund 8.000 bis 10.000 Euro. Damit darf man allerdings nicht durch den Wald fahren, nicht auf dem Bürgersteig parken und man zahlt für die Versicherung. Natürlich bekommt man für 13.000 Euro auch einen Dacia Sandero, aber Autos gibt es ja schon genug, oder?

Alles in allem ist der Hopper eine schöne Sache – ein willkommener Ersatz für den aufgegebenen Bio-Hybrid von Schaeffler. Das neue Vehikel aus Augsburg ist umweltfreundlich, braucht nicht viel Platz, schützt einen vor Wind und Wetter und erfüllt zumindest die wichtigsten Transportaufgaben. Aber vor allem bietet der Hopper viel Kurvenspaß.

Technische Daten des Hopper

  • Antrieb: Elektroantrieb mit Pedalen als Signalgeber
  • Pedal-per-Wire (keine mechanische Verbindung zum angetriebenen Hinterrad)
  • Drei Räder (zwei 20-Zoll-Räder vorne, ein kleineres Rad mit dicken Vespa-Reifen hinten)
  • Lenkung: Hinterradlenkung, Lenkrad
  • Bremsen: Mechanische Bowdenzug-Scheibenbremsen vorne, Handbremse und Fußbremse
  • Batterie: LFP-Akku von AES, 1,44 kWh (48 Volt, 30 Amperestunden)
  • Reichweite: ca. 65 km
  • Motor: 250 Watt, von Heinzmann
  • Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Karosserie: Glasfaser
  • Kofferraum: 126-216 Liter (je nach Variante)
  • Gewicht: ca. 135 kg mit Batterie, in der Serie 100 kg (angestrebt)
  • Basispreis: 13.500 Euro ab 2024 (12.900 Euro bis 31.12.23)
  • Produktionsstart: Mitte 2024

Bildergalerie: Hopper (2024)