Volvo EX60 P6 (2026) im Test: Aus dem Schatten ins Rampenlicht?
Der Stromer soll an den Erfolg des meistverkauften Schweden aller Zeiten anknüpfen – die technischen Daten sprechen für ihn
Das sind ganz schön große Fußstapfen, in die der Volvo EX60 da jetzt treten muss. Denn sein Verbrenner-Vorgänger, der XC60, war ein richtig großer Wurf. Der hat die Schweden quasi im Alleingang durch die 2000er getragen. Im Sommer 2025 löste das Mittelklasse-SUV mit bis dahin 2,7 Millionen verkauften Einheiten konsequenterweise auch den 240 als meistverkaufter Volvo ab.
Im Schatten stand der Volvo EX60 seit der Weltpremiere im Januar 2026 dennoch nicht. Denn die Göteborger haben ordentlich vorgesorgt. Nicht nur die technischen Daten erzeugten reichlich allgemeines Ohrenschlackern, der Nachfolger ist auch 5.000 Euro günstiger als ein vergleichbarer Plug-in-XC60. Für den EX60 ist es jetzt an der Zeit, die allgemeinen Verkaufszahlen an sich zu reißen.
Bildergalerie: Volvo EX60 (2026) im Test
Zur Erinnerung, auf dem Papier steht der Neue richtig gut da: 800-Volt-Architektur, bis zu 370 kW Ladeleistung und 820 Kilometer Reichweite. Ganze 300 Kilometer lädt das schlanke SUV in 10 Minuten nach, von 10 auf 80 Prozent sind es an einer 400-kW-Säule schnöde 16 Minuten. So mutiert die Pinkelpause je nach Sanitär-Ladesäulen-Entfernung fast schon zum Sprint.
Und unser gefahrenes Einstiegsmodell, der P6 mit Heckantrieb, ist da kaum anders. Mit seinen 275 kW (374 PS) und 480 Nm ist man nicht nur ausreichend motorisiert, noch immer stehen mit der 80-kWh-Lithium-Ionen-Batterie stolze 320 kW maximale Ladeleistung zur Verfügung. Die kombinierte Reichweite liegt bei 611 Kilometern. Ob das reicht, brauchen wir hier gar nicht mehr zu fragen. Wie man damit unterwegs ist aber schon!
| Schnelle Daten | Volvo EX60 P6 (2026) |
| Antrieb | Permanentmagnet-Synchronmotor, Heckantrieb |
| Systemleistung / Max Drehmoment | 275 kW (374 PS) / 480 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| 0 - 100 km/h | 5,9 Sekunden |
| Stromverbrauch / Reichweite (WLTP) | 14,9 kWh / 611 km |
| Akku | 800 Volt, 80 kWh-Lithium-Ionen-Akku |
| Maximale Ladeleistung / 10 - 80 Prozent | 320 kW / max. 16 Minuten |
| Preis | ab 62.990 Euro |
Karosserie und Design | Innenraum | Antrieb und Fahreindrücke | Preise | Fazit
Karosserie und Design
Während ich vor der Fahrt so um den EX60 herumschleiche, fällt mir auf: Hier steckt noch immer gewaltig viel XC60 drin. Volvo hat die prägnanten Merkmale des Verkaufsschlagers beibehalten und ihn in eine modernere, aerodynamischere Form gegossen.
Der markante Kühlergrill ist Geschichte. Der Stromer steht zwar windschlüpfrig und glattgebügelt da, die Formensprache am unteren Gitter und an den seitlichen Kästen ist jedoch noch immer dieselbe, Thors Hammer eindeutig. Das Spiel geht in der Silhouette weiter: die Radkastenzeichnung, die große Mulde über dem Schweller, die Gürtellinie, die zur C-Säule hin prominenter wird, und das Heckfenster wurden nahezu 1:1 übernommen.
Auch das Heck trägt dieselben Proportionen und eine ähnliche Zeichnung in den Heckleuchten – insgesamt nur etwas klarer abgerissen als beim Vorgänger. Das Konzept wirkt dermaßen stimmig, dass die 4,80 Meter kaum auffallen.
Vermutlich auch, weil sich der Schwede mit 1,64 Meter ordentlich duckt, mit seinen wuchtigen Rädern und der ordentlichen Bodenfreiheit aber dennoch nach SUV aussieht. Futuristisch glatt zwar, aber vertraut. Da ändern auch Design-Aero-Gimmicks nichts dran, wie die dezenten, aber eher fragwürdigen Flügeltürgriffe auf der Türoberkante. Der EX60 rollt stilsicher skandinavisch.
Innenraum
Im Innenraum folgt der EX60 überwiegend seinen Brüdern EX30, ES90 und EX90. Das Design zeigt sich minimalistisch, qualitativ hochwertig, hell und aufgeräumt. Einige Anpassungen fallen trotz folgender Designlinie dennoch auf: Das hoch oben unter der Windschutzscheibe platzierte Kombiinstrument rückt prominent in den Blickwinkel des Fahrenden. Vorbei die Zeit der aufgesetzt wirkenden Displays auf der Lenksäule (ES90, EX90) oder der völligen Abstinenz (EX30).
Jedoch war hierfür auch eine Anpassung von Lenkrad und Position fällig, um die Informationen per Lenkradkranz nicht zu verdecken. Das führt zu einem recht kleinen, abgeflachten Zweispeichenlenkrad, das der Gewöhnung bedarf und dem es etwas an Griffigkeit fehlt. Dem Minimalismus zum Opfer fallen auch Haltegriffe am Himmel oder auf den ersten Blick erkennbare Schließbügel.
Auch der vertikal eingebaute mittige Bildschirm ist Geschichte. Im Mittelklasse-SUV sitzt eine horizontale Version. Auf Basis von Google Automotive lässt es sich hier zumeist gut strukturiert durch diverse Menüpunkte klicken und wischen. Schnellzugriffe sorgen für fixe Orientierung, witzig wird's bei Unterhaltungen mit Gemini – müde wird man damit des Nachts ganz sicher nicht.
Spiegel- und Lenkradverstellung könnten dennoch physische Tasten gebrauchen. Gerade in der Gewöhnungs- und Optimierungsphase bei der Körper-Lenkrad-Ergonomie wäre ne simple Verstellung am Lenkrad Gold wert.
Insgesamt findet sich der Wohlfühlfaktor im Volvo EX60 aber recht schnell. Die Sitzeinstellungen sind reichhaltig, die Polsterung ergonomisch bequem. Der Raum für Bein-, Körper- und Kopffreiheit sollte diversen Körpermaßen genügen – sowohl vorne als auch im Fond. Ein Frunk von 58 Litern trennt benötigte Utensilien vom Innenraum. Mit 523 bis 1.647 Litern ist zudem für ausreichend Stauraum auf langen Reisen gesorgt.
| Abmessungen | Volvo EX60 P6 (2026) |
| Länge x Breite x Höhe | 4.803 x 1.899 x 1.635 mm |
| Radstand | 2.970 mm |
| Gewicht | 2.189 kg |
| Zuladung | 461 kg |
| Kofferraumvolumen | 523 - 1.647 Liter (+ 58 Liter Frunk) |
| Anhängelast | 2.000 kg |
| Stützlast | 100 kg |
Antrieb und Fahreindrücke
Angenehm ruhig und entspannt ist es während der Fahrt im Schweden. Der EX60 ist auch bei Reisegeschwindigkeiten um die 120 km/h dermaßen von Wind und Abrollgeräuschen isoliert, dass man glatt auf die Idee kommen könnte, ne entspannte Fika abzuhalten (Kaffee und Kuchenpause in Schweden).
Das Faszinierende daran? Den Kontakt zur Straße, wie bei etlichen anderen Vertretern im E-SUV-Bereich, verliert man trotzdem nicht. Dafür sorgt die präzise Lenkung mit ihrem steten Feedback, die in drei Stufen dem eigenen Geschmack angepasst werden kann. Angenehm ist auch die unglaublich stabile Spur bei gleichzeitigem agilen Fahrverhalten. Der Mittelklasse-Volvo reagiert "on point", lässt Feedback fürs Popometer durchaus zu, ohne einen gewissen Komfort vermissen zu lassen.
Das Auto funktioniert auf ebenen Autobahnen genauso gut wie auf engen Serpentinenpässen. Dabei schiebt der Heckantrieb des P6 schon ordentlich vorwärts, ohne aber diesen prominenten, zumeist unangenehmen Kick zu verpassen. Leistungstechnisch sind Sie in der Einstiegsvariante in allen Lebenslagen ausreichend motorisiert unterwegs.
P10 und P12 locken zwar mit mehr Leistung und Allrad, nötig sind die aber tatsächlich nur, wenn Sie im Gebirge wohnen, auch mal schweres Gerät ziehen (bis zu 2.400 Kilogramm Anhängelast) oder diesen fiesen Beschleunigungskick benötigen. Der Rest der Familie wird es Ihnen vermutlich danken, wenn Sie eher tiefstapeln.
Verbrauch und Preise
Denn auch bei der Reichweite ist der P6 absolut langstreckentauglich. Auf unserer etwa 170 Kilometer langen kombinierten Teststrecke waren wir mit 16,2 kWh unterwegs. Berge, Autobahn und der Wille des EX60, auch mal etwas zügiger um eine Kurve zu wuseln, sorgten für einen etwas höheren Verbrauch. Eine realistische Ladekurve werden wir sicherlich in einem Alltagstest nachliefern.
Der Volvo EX60 startet als P6 mit Heckantrieb in der Plus-Ausstattung ab 62.990 Euro, die höhere Ultra liegt bei 69.790 Euro. Für nur 3.000 Euro mehr (65.990 Euro) steigt man in die EX60-Welt mit 820 Kilometern Reichweite, 375 kW (510 PS) Leistung, 370 kW maximale Ladeleistung, Allrad und stolzen 2.400 Kilo Anhängelast ein. Auch als Ultra liegt der P10 (72.790 Euro) ebenfalls nur 3.000 Euro über dem vergleichbaren P6. Damit ist der EX60 auf Augenhöhe mit dem BMW iX3, dessen Basisversion ab Sommer bei 63.400 Euro kosten wird.
Fazit: 8/10
Der Volvo EX60 ist technologisch eine Wucht. Das Fahrwerk sorgt für eine gute Balance aus Komfort und Fahrdynamik bei wirklich angenehmen Umgebungsgeräuschen. Im Premium-Mittelklassesegment stellen die Schweden den deutschen Vertretern unter diesen Gesichtspunkten einen ernstzunehmenden Konkurrenten auf den Markt.
Jedoch kommt er mit mehr verschrobenen Eigenheiten daher als sein Verbrenner-Vorgänger (XC60). Bei all den schön funktionierenden und edlen Technik- und Designlösungen im Innenraum, würde dem Skandinavier die ein oder andere klassische Lösung manches Mal besser stehen. Aber der EX60 hat keinen Bock auf Kompromiss. Das könnte ihm auf dem Weg aus dem Schatten zum potenziellen Verkaufsschlager den ein oder anderen Käufer kosten.
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