Nio setzt die Idee um, und bei E-Bikes in China funktioniert es auch

Zu den Hauptproblemen bei der Umstellung auf Elektroautos ist, dass das Aufladen deutlich länger dauert als ein Tankstopp mit dem Benziner oder Diesel. Ein Porsche Taycan soll sich in 22 Minuten von 5 auf 80 Prozent aufladen lassen, braucht dafür aber teure 800-Volt-Technik.

Eine Alternative ist das Austauschen der Batterie, eine Idee, die durch Shai Agassis Firma Better Place bekannt wurde. Nun wird das Konzept offenbar durch chinesische Firmen wieder aufgegriffen. So hat das bisher unbekannte Unternehmen Shenzhen Zhili Energy Technology ein solches System für Zweiräder vorgestellt, wie Moneyball bereits im Herbst 2020 berichtete. Moneyball nennt die Firma einfach China Tower:

 

China Tower verdient sein Geld offenbar mit einem Swap-Service für E-Bikes. Kunden wie der hier genannte Kurierdienst kaufen die Bikes ohne Batterien und nutzen die Akkupakete, die von CN Tower bereitgestellt werden. Dafür hat die Firma über 10.000 Schränke mit Fächern aufgestellt, die ein wenig an unsere DL-Packstationen erinnern.

Wie auf dem Bild zu sehen sind die Akkus nicht allzu schwer, so dass sie leicht gewechselt werden können. Wenn man mehrere verwendet, könnten sie auch für Roller oder Motorräder reichen. Für Autos mit ihren mehreren Hundert Kilo schweren Akkus ist die Sache nicht ganz so einfach, aber Nio hat die Sache offenbar im Griff: Der chinesische Hersteller betreibt sein Battery-Swap-System in China schon. Im letzten Oktober (im amerikanischen Datumsformat am 10.05.2020) meldete Nio den millionsten Batterietausch: 

NIO Power schließt 1.000.000 Power Swaps ab

Voraussetzung für ein funktionierendes Swap-System ist natürlich die Standardisierung der Akkus. Da tut sich Nio erstmal leicht, denn als Autohersteller kann die Firma den Standard selber festlegen. Das System basiert auf Batterie-Wechselboxen, die an Garagen erinnern (unser Titelbild).

NIO Batterietausch

Die im Januar vorgestellte Power Swap Station 2.0 hält 13 Akkus vor, der Austausch soll weniger als fünf Minuten dauern. Die Autos fahren autonom in die Box und werden automatisch per Hebebühne angehoben. Dann wechselt ein Roboter den Akku. Bis Januar verfügte Nio über 155 Wechselstationen, Ende des Jahres sollen es 500 in ganz China sein. Die neuen Stationen kommen offenbar mit alle Batterien von Nio zurecht: 70 kWh, 84 kWh und 100 kWh, sowie das geplante neue 150-kWh-Pack.

Und wie sieht es mit Autos anderer Hersteller aus? InsideEVs USA erfuhr auf Anfrage, dass Nio bereit ist, die Technik anderen Marken zur Verfügung zu stellen. Dann bleibt noch die Frage, ob andere Hersteller darauf eingehen würden – zumal, wenn Nio den Standard für die Akkus festlegt. Und all das betrifft ohnehin erstmal nur China, denn ob und wann hierzulande ein Nio-Modell auf den Markt kommt, steht noch in den Sternen.

Insgesamt erscheint es sehr zweifelhaft, ob das Battery Swapping in Europa eine Zukunft hat. Die Idee ist als Alternative zum Schnellladen nicht schlecht, denn das Schnellladen beschleunigt die Batteriealterung. Aber hierzulande setzt sich niemand für den Batterie-Tausch ein, und auch von der nötigen Kooperation der Autohersteller ist derzeit nichts zu sehen.