Steckt ein unbekanntes chinesisches Unternehmen hinter dem 150-kWh-Akku?

Der "Nio Day" war nicht nur wegen der Präsentation des ET7 mit Reichweiten bis zu 1.000 Kilometern ein Ereignis. Auch der dafür eingesetzte Festkörper-Akku mit 150 kWh hat unser Interesse geweckt. Nach ersten Berichten sollte CATL diese Akkus liefern. Chinesische Medien weisen jetzt jedoch auf ein anderes Unternehmen hin: Solid State Lion. Wenn Sie noch nie von dieser Firma gehört haben, sind Sie nicht allein.

Die Informationen stammen von einem Twitter-User namens Moneyball mit einem Tweet vom 13. Januar. Danach ist Solid State Lion eine Firma aus dem Umfeld der China Academy of Science:

 

Wir haben versucht, die Informationen zu verifizieren. Doch die Website des Unternehmens ist offenbar veraltet, die einzige dort genannte E-Mail-Adresse funktioniert nicht mehr. Immerhin gibt es eine englische Version der Website.

Die Internetseite bestätigt, dass Solid State Lion mit dem Institut für Physik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften verbunden ist. Danach wurde Solid State Lion 2016 gegründet.  Das Physik-Institut hat dem Unternehmen dann im Jahr 2017 die "Kernrechte an geistigem Eigentum von Festkörperbatterien" gewährt. Der vollständige Firmenname lautet Beijing WeLion New Energy Technology. Firmengründer Professor Chen Liquan beschäftigt sich schon seit 1977 mit Lithium-Ionen-Leitern.

Solid State Lion besitzt nach eigenen Angaben 17 Patente auf Festkörperbatterien. Die Patente beschäftigen sich unter anderem mit der Entwicklung von Festelektrolyt-Materialien, also einem Schlüsselelement der Festkörpertechnologie. So geht es um negative Elektroden aus Lithiummetall-Verbundmateriealien, "positive und negative Materialien mit hoher Energiedichte“ (wahrscheinlich Kathoden und Anoden) und eine Festkörperbatterie mit hoher Energiedichte.

Wenn man bedenkt, dass die US-Batteriehersteller QuantumScape mehr als 80 Patente besitzt und dazu noch mehr als 100 Patentanmeldungen für Festkörperbatterien, sind die 17 Patente von Solid State Lion keine sehr beeindruckende Zahl. Aber letztlich geht es ja darum, um welche Patente es sich handelt. Ein zuverlässiger und einfach herzustellender Festelektrolyt wäre ein echter Game-Changer und würde vielleicht mehrere Patente erfordern.

Bildergalerie: NIO ET7 (2022)

Unklar ist auch noch, ob die Produktionskapazität reicht: Wenn Nio die Batterien von Solid State Lion kaufen will, müsste die Firma auch genug Akkus produzieren können. Das chinesische Unternehmen gibt an, "mehr als zwei Produktionsstandorte" zu haben, aber das besagt natürlich nicht viel.

Wenn die Sache mit Solid State Lion stimmt, dann gibt es vielleicht neben QuantumScape und dem anderen US-Hersteller, Solid Power, noch einen dritten starken Player, der Festkörperbatterien bauen kann. Warum wir noch nie von der Firma gehört haben? Vielleicht weil wir hier im Westen wenig Informationen aus dem Reich der Mitte bekommen.

Wir werden versuchen, mit Nio Kontakt aufzunehmen, haben aber wenig Hoffnung, dass man uns etwas dazu sagen kann. Denn wenn andere Autohersteller spitzkriegen, woher Nio seine Festkörperbatterien beziehen möchte, versuchen sie möglicherweise, die Batterien zu einem etwas höheren Preis selbst zu kaufen. Vielleicht ist die Website von Solid State Lion ja absichtlich so diskret und veraltet ...