Da soll noch mal jemand sagen, Elektrofahrzeuge und Kälte vertragen sich nicht ...

Elektrofahrzeug und Kälte vertragen sich nicht? Nun, der Venturi Antarctica beweist das Gegenteil. Das Kettenfahrzeug mit Elektroantrieb ist für den Einsatz in der Antarktis gedacht. Wenn es da funktioniert, dann wohl auch im deutschen Winter.

Hersteller ist die auf Elektrofahrzeuge spezialisierte Firma Venturi aus Monaco. Sie baute zum Beispiel den VBB-3, der 2016 einen neuen Temporekord (etwa 600 km/h) aufstellen sollte. Etwas bürgerlicher war der Elektro-Roadster Venturi Fétish von 2004. Nun hat der Hersteller das weltweit erste emissionsfreie Polarforschungsfahrzeug auf die Beine (oder besser: die Ketten) gestellt.

Bildergalerie: Venturi Antarctica (2021): Elektro-Polarfahrzeug

Zur Entstehung des Fahrzeugs gibt es eine kleine Anekdote: Bei einer Reise in die Antarktis im Jahr 2009 fiel Fürst Albert II. von Monaco auf, dass die Polarstationen keine umweltfreundlichen Fahrzeuge hätten. Daher beauftragte die Stiftung des Staatsoberhaupts die Firma Venturi mit der Entwicklung eines emissionsfreien Fahrzeugs für den Transport von Passagieren und Ausrüstung. Drei aufeinanderfolgende Versionen des Fahrzeugs wurden entworfen. Die neueste wird ab dem 7. Dezember 2021 in der belgischen Forschungsstation Princess Elisabeth zum Einsatz kommen.

Das 2,5 Tonnen schwere Fahrzeug wird von zwei 60-kW-Motoren angetrieben – Geschwindigkeitsrekorde wird man damit also nicht aufstellen können. Auch bei der Reichweite (gerade mal 50 Kilometer) ist kein Bestwert zu verkünden, selbst wenn im Innenraum ein zweiter Akku mitgenommen werden kann. Eher rekordverdächtig ist, dass das Vehikel bis zu Temperaturen von minus 60 Grad Celsius betriebsbereit ist.

Zu den weiteren Besonderheiten zählen Solarpaneele auf dem Dach, die bei einer Panne die wichtigsten Teile des Fahrzeugs mit Strom versorgen sollen. Gegen die Kälte gibt es eine Doppelverglasung und eine Wärmedämmung mit Polyurethan-Schaum und Aerogel (ein luftiges und federleichtes Material, das meist aus Silicaten besteht). Zudem gibt es zwei Federbeine pro Seite für den Fahrkomfort. Während das Chassis aus Stahl besteht, ist die Karosserie aus Carbon.

Venturi Antarctica: Hinten gibt es Klappsitze für bis zu vier Personen

Auf den umklappbaren Sitzbänken im Inneren ist Platz bis zu sechs Personen und ihre Ausrüstung. Dabei blicken zwei Personen nach vorne, die übrigen vier sitzen sich hinten paarweise gegenüber. Gesteuert wird der Antarctica nicht per Lenkrad wie ein Auto und auch nicht mit zwei Hebeln für die beiden Ketten wie ein Panzer oder Bulldozer, sondern mit einem Joystick.

Das Fahrzeug wurde am vergangenen Dienstag (1. Juni) dem Fürsten bei einem Besuch bei Venturi vorgestellt. Einen ersten Prototypen fuhr Fürst Albert II. bereits im März 2019 in Kanada.

Technische Daten des Venturi Antarctica

  • Antrieb: 2 E-Motoren mit je 60 kW
  • Akku: 53 kWh (370 Volt)
  • Reichweite: 50 km (mit 1 Akku)
  • Maße: 3,46 m Länge / 2,02 m Breite / 2,18 m Höhe
  • Gewicht: 2.500 kg