Porsche baut sich seine Batteriezellen ab 2024 selbst
Batteriewerk in Tübingen für Hochleistungszellen mit Slilicium-Anode
Bereits im April hatte Porsche-Chef Oliver Blume gesagt, die Marke werde in Tübingen ein eigenes Werk für Hochleistungsbatterien bauen. Nun ist Genaueres bekannt: Porsche investiert "eine hohe zweistellige Millionen-Summe" in das neue Joint Venture Cellforce Group. Davon kommt ein Großteil, nämlich 60 Millionen Euro von Land und Bund.
Porsche ist mit 83,75 Prozent an dem Tübinger Joint Venture beteiligt, der Rest gehört Customcells. Der Batteriehersteller ist auf die Entwicklung von Lithium-Ionen-Zellen spezialisiert, produziert aber auch selbst Zellen in kleineren Serien, zum Beispiel für die Luft- und Schifffahrtsbranche.
Tübingen ist auch in der engeren Auswahl für den Standort der geplanten Batteriefabrik. Sie soll jährlich mindestens Batterien mit 100 Megawattstunden fertigen, was bei einer Akkugröße von 100 kWh für 1.000 Elektroautos reicht. Laut Bloomberg soll die Fertigung im kleinen Maßstab im Jahr 2024 beginnen. Zunächst werden in dem Tübinger Werk nur 13 Personen arbeiten, bis 2025 sollen daraus aber 80 Personen werden.
"Die Batteriezelle ist der Brennraum der Zukunft." (Porsche-Chef Oliver Blume)
Schon beim VW Power Day hatte es geheißen, die geplante Einheitszelle des VW-Konzerns werde 80 Prozent des Modellportfolios abdecken. Diese Einheitszelle soll in sechs europäischen Batteriewerken mit einer Jahreskapazität von je 40 Gigawattstunden gefertigt werden.
Der Rest der Batterien müsse speziellen Anforderungen genügen, unter anderem für LKW und sportliche Fahrzeuge. Für die Sportlichen Fahrzeuge von Porsche ist nun eine Lösung gefunden: Die Batterien werden nicht etwa in Asien eingekauft, sondern in Deutschland in Eigenregie produziert.
Die neuen Hochleistungszellen verwenden Silicium als Anoden-Material, wie Blume bereits beim VW Power Day im März gesagt hatte. Damals hieß es auch, dass das bei der Taycan-Batterie bereits der Fall sei. Silicium kann zehnmal mehr Lithium-Ionen aufnehmen und besitzt zudem eine geringere Neigung zum Lithium-Plating, sagte Porsche Chef Oliver Blume bei dem Event. Das eine vergrößert die Reichweite, das andere verkürzt die Ladezeit:
In einem Interview mit der Welt am Sonntag verriet Blume Genaueres. Danach sollen die neuen Zellen eine Aufladung in weniger als 15 Minuten ermöglichen, während der Taycan derzeit 22,5 Minuten für einen Ladevorgang von 5 auf 80 Prozent brauche. Erstmals eingesetzt werden soll die neue Zelle im Motorsport oder auch in einem Hochleistungsmodell in einem existierenden Modell, so Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner laut Bloomberg. Das könnte auf eine neue Taycan-Version schließen lassen.
Zu den Vorteilen der neuen Zellen schrieb Porsche nun, dass die neue Batteriechemie auch für einen geringeren Innenwiderstand der Batterie sorge, wodurch diese (durch Rekuperation oder an der Schnelllade-Säule) schneller aufgeladen werden kann. Außerdem soll die Cellforce-Batteriezelle hohe und niedrige Temperaturen besser vertragen. Das NCM-Kathodenmaterial liefert der Chemieriese BASF.
Die Verträge zwischen Porsche und Customcells wurden bereits am 21. Mai unterzeichnet, jedoch erst heute, also genau einen Monat später bekannt gegeben.
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