Ende August verriet Lotus seine Elektrifizierungspläne für die nächsten fünf Jahre. Dazu gehört ein Elektro-Sportwagen, der 2026 starten soll. Nun macht die britische Marke erste Angaben zu der Leichtbau-Plattform, die den Sportler tragen soll. Danach könnte dieser bis zu 650 kW Leistung und eine bis zu 100 kWh große Batterie bekommen.

Die dem Elektrosportwagen zugrunde liegende Plattform wird als Lightweight Electric Vehicle Architecture (LEVA) bezeichnet. Das Leichtbau-Chassis wird am 22./23. September auf der "Low Carbon Vehicle"-Veranstaltung von Cenex, dem britischen Kompetenzzentrum für emissionsarme Fahrzeuge, auf dem Millbrook Proving Ground in Bedfordshire (Großbritannien) gezeigt.

Die Besonderheit ist laut Lotus ein Druckguss-Hilfsrahmen am Heck mit austauschbaren Komponenten. Das Gussteil wurde vom Spezialisten Sarginsons Industries entwickelt, die Aluminium-Legierung von Experten der Brunel University London. Die Konstruktion soll das Heck um 37 Prozent leichter machen als beim Lotus Emira V6.

Ein Video von Lotus zeigt die verschiedenen Konfigurationsmöglichkeiten der Plattform:

Außerdem hat Lotus Bilder von drei verschiedenen Layouts auf Basis der LEVA-Plattform veröffentlicht. Sie haben zwei verschiedene Radstände und zwei verschiedene Anordnungen der Batteriemodule mit den Bezeichnungen chest ("Kasten" oder "Truhe") und slab ("Platte"):

  Radstand Akkumodule / Bauart Akku-Kapazität Antrieb / Leistung
Zweisitzer mind. 2.470mm 8 / chest max. 66 kWh single / 350 kW
Zweisitzer mind. 2.650 mm 12 / chest max. 100 kWh twin / 650 kW
2+2-Sitzer mind. 2.650 mm 8 / slab max. 66 kWh single / 350 kW oder
twin / 650 kW
Lotus-Elektro-Plattform: Beispiel 1 ist ein Zweisitzer mit kurzem Radstand
Chest-Konfiguration mit Akkus (in Schwarz) hinter den zwei Sitzen. Das Lenkrad ist links im Bild zu erkennen.

Bei der chest-Anordnung werden die Module übereinander hinter den Sitzen gestapelt. So entsteht ein Layout, das für einen Mittelmotor-Sportwagen wie den Lotus Evija ideal ist, wo eine niedrige Sitzposition und ein niedriger Schwerpunkt von Vorteil sind.

Lotus-Elektro-Plattform: Beispiel 3 ist ein 2+2-Sitzer mit größerem Radstand
Slab-Konfiguration mit Akkus unter dem Boden (hier nicht sichtbar)

Konventioneller ist das slab-Layout, bei dem die Module als Platte unter der Insassenkabine angeordnet sind. Dies sei eine gute Anordnung für Fahrzeuge, bei denen eine höhere Karosserielage angesagt ist, so Lotus. 

"This is most suitable for vehicles where a higher ride height and a taller overall profile is required." (Lotus)

Welche Art von Autos gemeint ist, verrät Lotus nicht. Da das Auto ein 2+2-Sitzer sein soll, handelt es sich wohl nicht um die geplanten Elektro-SUVs von Lotus. Der britische Hersteller erwähnt außer der Nutzung für den Elektro-Sportwagen aber noch eine mögliche Verwendung für Drittkunden-Projekte von Lotus Engineering.

Die verwendeten Batteriezellen sind (wie bei Tesla) zylindrisch, was laut Lotus für eine hohe Energiedichte sorgt. Den Antrieb übernehmen ein oder zwei elektrische Antriebseinheiten (Electric Drive Units, EDU). Die Bezeichnung "single" in der obigen Tabelle steht offenbar für einen Elektromotor, "twin" für zwei Motoren. Aus dem Video geht jedoch hervor, dass "twin" hier nicht Allradantrieb bedeutet. Beide Konfigurationen sind offenbar Hecktriebler, wobei die twin-Version zwei E-Motoren hinten hat.

Das Projekt wurde teilweise durch das "Advanced Route to Market Demonstrator"-Programm (ARMD) der britischen Regierung finanziert. Lotus-Chefingenieur Richard Moore sagte, die ARMD-Finanzierung habe "geholfen, früher im Produktzyklus Innovationen zu entwickeln und eine neue Fahrzeugarchitektur zu entwickeln, die von der Konzeption an auf Leichtbau und Leistungsdichte abzielt." Nun habe man "die  'Blaupause' für die nächste Generation von Elektrosportwagen, für zukünftige Lotus-Produkte und für die Kommerzialisierung durch das Beratungsunternehmen Lotus Engineering."

Das Projekt LEVA wurde von Richard Rackham geleitet, der vor 25 Jahren auch die Lotus-Elise-Architektur aus stranggepresstem Aluminium entwickelte. "Das Project LEVA ist heute so revolutionär wie die Elise-Architektur im Jahr 1996," sagt Rackham. Man habe von Anfang an auf ein niedriges Gewicht geachtet, und zwar "zum Beispiel durch die Nutzung der Fahrzeugstruktur als Batteriegehäuse, eine integrierte EDU, den Verzicht auf angeschraubte Hilfsrahmen und die Optimierung der Mehrlenker-Aufhängungskomponenten."

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Das LEVA-Projekt wurde bereits im Oktober 2020 von Lotus bekannt gegeben. Damals hieß es allerdings nur, dass Lotus eine Förderung von der britischen Regierung erhalte und dass man mit Sarginsons und der Brunel University zusammenarbeite. Außerdem wurde der obige Schriftzug präsentiert, der möglicherweise schon die Silhouette des Elektro-Sportlers zeigt.

Der für 2026 geplante Elektrosportwagen mit dem Projektnamen Typ 135 dürfte das gemeinsam mit Alpine entwickelte Modell sein. Außerdem will Lotus noch zwei Elektro-SUVs und ein viertüriges Elektro-Coupé bringen. Den Anfang machen soll schon 2022 ein Elektro-SUV der oberen Mittelklasse (E-Segment).

Bildergalerie: Lotus Elektrosportwagen-Chassis