Mit einer WLTP-Reichweite von 171 Kilometern ist der Elektro-Kleinwagen e.Go Life nicht gerade ein Langstreckenauto, um es diplomatisch zu formulieren. Dazu kommt, dass das Aufladen nur mit einphasigem Wechselstrom möglich ist. Abhilfe soll nun eine Batterietausch-Lösung schaffen. 

Wer aufgrund eines unerwarteten Ereignisses länger als gewöhnlich unterwegs sein muss, kann die fast leere 21-kWh-Batterie des e.Go Life gegen eine volle austauschen, so der Hersteller e.Go Mobile aus Aachen.

Die Fähigkeit zum Batterietausch bedeutet nicht, dass man den e.Go Life künftig ohne Akku kauft und die Batterie im Besitz des Autoherstellers bleibt, wie etwa beim Tauschsystem von Nio. Man bleibt Eigentümer der Originalbatterie.

Getauscht wird die Batterie in einer ausgewiesenen Tauschstation – dem so genannten e.Pit. Die abgegebene Batterie wird ebenfalls aufgeladen. Man kann diese auf dem Rückweg oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder abholen – jedoch nur innerhalb eines Monats. Falls man mehrere Tauschstationen frequentiert, kann man in einer App nachsehen, wo man wie viele Batterien abgegeben hat. Dazu bekommt jeder Akku eine Batterie-ID.

Bildergalerie: e.GO Life (2019)

Der Service steht allen e.GO-Kunden kostenlos zur Verfügung. Dabei gibt es allerdings ein jährliches "Tauschkontingent"; bei wie vielen Akkus das liegt, lässt der Hersteller offen.

Ein Tauschvorgang soll etwa 60 Minuten dauern und ist damit schneller als eine Vollladung an einer Ladesäule – das dauert laut Hersteller 5,7 Stunden. Die Dauer des Tauschvorgangs soll sich künftig auf knapp 30 Minuten verkürzen, so der Anbieter. Mit 60 Minuten Wartezeit ist der Tausch wohl nur eine Notlösung, bei 30 Minuten käme e.Go Mobile an übliche DC-Aufladezeiten heran. Allerdings lädt zum Beispiel ein Fiat 500 e nach unserem Schnelllade-Test neun Kilometer pro Minute nach, also 270 km in 30 Minuten – beim Akku-Tausch gewinnt man in der gleichen Zeit nur 171 km dazu.

Bei den e.Pits handelt es sich offenbar um Werkstätten, nicht um automatisierte Stationen wie bei Nio. Dem mitgelieferten Bild nach (unser Titelbild) muss das Auto zum Tausch angehoben werden; danach wird offenbar manuell der Akku getauscht.

e.Go-Life-Batterietauschstation bei der Werkstatt Pardemann-Servicepartner

Die ersten beiden Swap-Stationen sind bereits im Betrieb. Sie befinden sich im Aachener Produktionswerk des E.Go Life sowie in Zülpich bei einer Werkstatt namens Pardemann-Servicepartner. Die nächsten Stationen sollen in Düsseldorf und Hamburg eröffnet werden, weitere sind in Planung.

Laut e.Go Mobile unterstreicht die Batterietausch-Möglichkeit "den Fokus des Unternehmens auf eben jene Innovationen, die zur Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks von Elektrofahrzeugen, der hauptsächlich durch die Verwendung großer Batterien verursacht wird".