Mercedes-Benz Mobility und die BMW Group wollen ihr Gemeinschaftsunternehmen Share Now an Stellantis verkaufen. Eine entsprechende Vereinbarung haben die drei Unternehmen kürzlich unterzeichnet, wie die Partner nun offiziell mitteilen. Zum Kaufpreis und anderen Details wurde Stillschweigen verabredet; zudem müssen noch die Kartellbehörden zustimmen.

BMW und Mercedes wollen sich künftig "auf zwei zentrale Geschäftsfelder mit hohem Wachstumspotenzial" konzentrieren, die von den Gemeinschaftsunternehmen Free Now und Charge Now betreut werden:

  • die Vermittlung von Taxidiensten via App, auch "Mobility as a Service" genannt (Free Now)
  • Dienstleistungen rund um das Laden von Elektrofahrzeugen (Charge Now)

Share Now war 2019 aus car2go von Mercedes und DriveNow von BMW entstanden. Das Geschäftsmodell bestand aus einem so genannten Free-Floating-System, bei dem die Fahrzeuge nach Nutzung nicht an bestimmten Ausleihstationen zurückgegeben werden, sondern einfach im Geschäftsgebiet geparkt werden. Abgerechnet wurde meist nach Minuten.  

Mercedes will sich künftig stärker auf das Kerngeschäft im Luxussegment konzentrieren – die Share-Now-Autos dagegen waren oft Smart-Fahrzeuge, und Smart gehört nun ja nicht mehr zu Mercedes, sondern ist ein Joint Venture mit Geely. BMW steht dagegen weiter hinter der Kleinwagenmarke Mini, deren Fahrzeuge einen Teil der Share-Now-Autos ausmachten. Zu den Gründen des Verkaufs könnte mangelnde Profitabilität gehören, denn es gilt als offenes Geheimnis, dass sich das Geschäft (wie bei den Vorgängerfirmen) nie rentierte.

Im Stellantis-Konzern wird Share Now in das Carsharing-Unternehmen Free2move integriert. Die bestehende Flotte erweitert sich damit um mehr als 10.000 Fahrzeuge. Künftig kann Free2move statt 2.500 Carsharing-Autos rund 12.500 Fahrzeuge anbieten – die Flotte verfünffacht sich also.

Außerdem verstärkt sich die europäische Präsenz deutlich: Bisher war Free2Move nur in Paris und Madrid verfügbar, dazu kamen fünf US-Standorte, nämlich Washington D.C., Portland, Denver, Columbus und Austin. Mit der Übernahme kommen 14 europäische Großstädte hinzu.

Durch die Übernahme kommen außerdem zu den bisher rund 2 Millionen Nutzerinnen und Nutzern von Free2move über 3,4 Millionen weitere. Zusammen sind das 5,4 Millionen, doch das Wachstum soll weitergehen: Bis 2030 will Free2Move auf 15 Millionen aktive Nutzer weltweit kommen.

Stellantis glaubt offenbar daran, das Geschäft mit Finanzdisziplin profitabel machen zu können: "Auf der Basis der finanziellen Disziplin von Free2move und des profitablen Geschäftsmodells wird diese Übernahme die Skaleneffekte und Synergien weiter erhöhen," so der Konzern. Die Übernahme soll auch helfen, ein Ziel des "Dare Forward 2030"-Plans zu erreichen: die Steigerung des Nettoumsatzes mit Mobilitäts-Dienstleistungen auf 2,8 Milliarden Euro. Ein erster Schritt soll bis zum Jahr 2025 mit 700 Millionen Umsatz erreicht werden.

Erst kürzlich kündigte Free2move die Übernahme von Opel Rent an (Pressemitteilung). Trotz des Namens gehörte diese Marke nicht Opel, sondern einer Firma namens Techno Einkauf GmbH und dem Verband deutscher Opelhändler (VDOH). Stellantis will Opel Rent vom traditionellen Vermieter zum "All-in-One-Mobilitätsdienstleister" umformen.

Free2move bietet neben dem minuten- oder stundenweisen Carsharing auch längerfristige Mieten für Tage oder Monate an. Die Carsharing-Flotte von bisher 2.500 und künftig 12.500 Autos ist nur ein kleiner Teil der Flotte, die insgesamt mehr als 450.000 Fahrzeuge umfasst. Zudem besitzt die Firma 500.000 Parkplätze und ein Netzwerk von 250.000 Ladestationen.