Audi setzt voll auf Elektromobilität: Ab 2026 bringen die Vier Ringe nur noch rein elektrische Modelle neu auf den Weltmarkt. Bis zum Jahr 2033 lässt der Premiumhersteller die Produktion seiner Verbrennermodelle sukzessive auslaufen. Auf Basis dieser klaren Entscheidung im Rahmen der Unternehmensstrategie "Vorsprung 2030" bereitet Audi nun alle Standorte Schritt für Schritt für die Produktion von Elektroautos vor.

Anders als viele Wettbewerber baut Audi dabei auf das bestehende weltweite Produktionsnetzwerk. "Wir führen alle Standorte Schritt für Schritt in die Zukunft", sagt Audi-Produktionsvorstand Gerd Walker. „Wir wollen keine singulären Leuchtturmprojekte auf der grünen Wiese. Wir investieren vielmehr in unsere existierenden Werke, so dass sie am Ende ebenso effizient und flexibel sind wie neu gebaute Produktionsstandorte, so genannte Greenfield-Werke."

Audi Q6 E-Tron rendern

Audi Q6 e-tron im Rendering

Die "singulären Leuchtturmprojekte" dürften ein Seitenhieb auf das inzwischen verschobene Trinity-Projekt des früheren Volkswagen-Konzernchefs Herbert Diess sein. Schon heute produzieren laut Audi zwei Standorte vollelektrische Fahrzeuge in Serie: die Böllinger Höfe und Brüssel. In Ingolstadt fährt ab dem kommenden Jahr mit dem Audi Q6 e-tron erstmals ein reines Elektromodell vom Band.

Auch in Neckarsulm, San José Chiapa und Györ startet in den Jahren darauf sukzessive die Produktion reiner Elektroautos. Im Jahr 2029 werden alle Produktionsstandorte mindestens ein vollelektrisches Fahrzeug fertigen. Die Produktion der verbleibenden Verbrennermodelle wird, angepasst an die örtlichen Gegebenheiten, bis Anfang des kommenden Jahrzehnts nach und nach auslaufen.

Neue Werke entstehen ausschließlich dort, wo zusätzliche Kapazitäten benötigt werden: So baut Audi derzeit im Rahmen eines Kooperationsunternehmens im chinesischen Changchun eine Produktionsstätte für die lokale Fertigung von Modellen auf Basis der Technologieplattform PPE (Premium Platform Electric). Bis Ende 2024 entsteht dort das erste Automobilwerk in China, in dem ausschließlich vollelektrische Audi-Modelle vom Band fahren.

Produktion des Audi Q8 e-tron in Brüssel: Fahrwerk, Hochvoltbatterie und elektrischer Allradantrieb sind fertig montiert.

Produktion des Audi Q8 e-tron in Brüssel: Fahrwerk, Hochvoltbatterie und elektrischer Allradantrieb sind fertig montiert.

Um auch in Zukunft wirtschaftlich fertigen zu können, will Audi die jährlichen Fabrikkosten bis 2033 um die Hälfte reduzieren. Hierfür soll Komplexität in den Fahrzeugen verringert werden, wo sie der Kundschaft keinen Vorteil bringt – zu diesem Zweck wird ein möglichst schlanker Produktionsprozess künftig schon ganz früh in der Entwicklung der Fahrzeuge bedacht.

Zudem will Audi beispielsweise die Digitalisierung der Produktion weiter vorantreiben, unter anderem mit der auf lokalen Servern basierten produktionsnahen Lösung EdgeCloud4Production. Teure Industrie-PCs lassen sich so ersetzen. Das reduziert IT-Aufwände wie Software-Rollouts und Betriebssystemwechsel.

Eine ebenfalls neu entwickelte Lösung, die taktungebundene Modulare Montage, setzt Audi künftig für den einfacheren Umgang mit hoher Produktvarianz ein. Die virtuelle Montageplanung schont nicht nur materielle Ressourcen, sondern erlaubt bereits heute eine neuartige, flexible und standortübergreifende Zusammenarbeit.

Um flexibler auf Schwankungen in Kundennachfrage oder Produktionsprogramm reagieren zu können, wird Audi die Produktionsprozesse weiter flexibilisieren. "Wir wollen sowohl Produkt als auch Fertigung so aufbauen, dass wir das Optimum für unsere Kunden herausholen", sagt Walker. Zu diesem Zweck wird beispielsweise der neue Audi Q6 e-tron in Ingolstadt zunächst zusammen auf einer Linie mit dem Audi A4 und dem A5 gefertigt. Sukzessive lösen dann die Elektromodelle die Verbrenner auf den Linien ab.

Bildergalerie: Audi Q8 e-tron: Produktionsstart in Brüssel