6,7 Millionen Tonnen CO2 jährlich würden in Deutschland weniger emittiert werden, wenn es auf den Autobahnen ein Tempolimit von 120 km/h gäbe. Das ergab nun eine Studie, die vom Umweltbundesamt (UBA) in Auftrag gegeben wurde. Die Abschätzung liegt damit mehr als doppelt so hoch wie die 2,6 Millionen Tonnen, die sich bei einer UBA-Studie im Jahr 2020 ergaben.

Der Deutschlandfunk wollte wissen, woher der enorme Unterschied kommt und sprach mit Katrin Dziekan, der zuständigen UBA-Fachgebietsleiterin. Man habe 2020 mit den Zahlen gearbeitet, die damals vorlagen, sagte Dziekan. Basis seien damals vor allem Fahrzeugzählungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) gewesen.

Bei der aktuellen Studie habe man erstens bessere Daten verwendet und zweitens noch zwei weitere Effekte berücksichtigt. Der erste Effekt besteht darin, dass Leute bei einem strengeren Autobahnlimit häufiger die Landstraße nehmen und dann kürzere Wege haben – weil sich Umwege über eine Autobahn dann weniger lohnen. Zweitens würden Leute bei einem Tempolimit von 120 öfter auf den Zug umsteigen.

Diese Effekte hätte man bei der ersten Studie noch nicht abschätzen können. Nun konnte man sie einbeziehen, weil die Universität Stuttgart und ein Forschungskonsortium (die die Studie im Auftrag des UBA durchführten) ein "gesamtdeutsches Verkehrsmodell" hatten. Außerdem habe man nun bessere Daten (so genannte Floating Car Data) zum Verkehr in Deutschland gehabt und genauere Emissionsdaten aus dem "Handbuch für Emissionsfaktoren". 

Der Großteil der CO2-Verringerung sei den geringeren Emissionen zuzuschreiben, die dadurch zustande kommen, dass die Autos langsamer fahren, so die Expertin. Wenn noch ein Tempolimit von 80 km/h auf der Landstraße hinzukomme, würde sich die Einsparung von 6,7 noch auf 8,0 Millionen Tonnen CO2 erhöhen. Ein strengeres Limit für Landstraßen empfehle sich, damit die Leute nicht zu oft auf die Landstraße auswichen, sagte die UBA-Fachfrau.

Das Ganze sei allerdings eine Modellrechnung, die nur so gut ist wie die Daten, auf denen sie basiert. Dziekan gab auch zu, dass die zunehmende Elektromobilität einen Einfluss hat: Je schneller die Leute auf E-Autos umsteigen, desto geringer fällt der Einspareffekt aus. Aber um eine Einsparung von 6,7 Millionen Tonnen COzu erzielen, wie sie sich mit Tempo 120 auf der Autobahn ergäbe, müsste man gleich drei Millionen Elektroautos mehr auf die Straßen bringen, so Dziekan.

Im Jahr 2030 soll der Verkehrssektor in Deutschland nur mehr 85 Millionen Tonnen CO2 emittieren. Wenn zum 1. Januar 2024 die beiden Tempolimits (auf Landstraße und Autobahn) eingeführt werden würden, könnte man damit 47 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2030 einsparen, so die Expertin.

Wenn man berücksichtigt, dass derzeit schon die Klimaziele der Bundesregierung gerissen werden, und sich das weiter so fortsetzt, könnte sich bis 2030 eine Klimaschutz-Lücke von 271 Millionen Tonnen ergeben. Die zwei Tempolimits würden diese Lücke wohl um ein Sechstel verkleinern. Das bedeutet: Auch relativ strenge Tempolimits lösen das Problem nicht alleine, leisten aber zumindest einen spürbaren Beitrag. 

Das Interview können Sie sich am PC anhören, indem Sie auf den Link unten klicken. In der DLF-Audiothek auf dem Smartphone finden Sie es am einfachsten, wenn Sie nach "Tempolimit" suchen. Das Interview wurde am 25. Januar als Teil der Sendung "Forschung aktuell" ausgestrahlt.