Schon der serienmäßige BMW iX gehört mit bis zu 633 km zu den reichweitenstärksten Elektroautos. Doch mit der Batterie des US-Herstellers Our Next Energy (ONE) fuhr das große SUV nun fast 1.000 km am Stück. 

Bei einem Reichweitentest auf dem Prüfstand nach WLTP-Norm schaffte der BMW iX mit der "Gemini"-Batterie von ONE 608,1 Meilen, also 979 km, meldet der Batteriehersteller nun. Die Batterie verdankt ihren Spitznahmen – gemini ist das lateinische Wort für Zwillinge – der Tatsache, dass hier gleich zwei verschiedene Zellarten kombiniert werden: Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) und so genannte anodenfreie Zellen.

Die LFP-Zellen bieten zusammen eine Reichweite von 150 Meilen (rund 240 km). Für längere Fahrten mit konstanter Geschwindigkeit werden anodenfreie Zellen mit hoher Energiedichte verwendet. Diese bieten eine zusätzliche Reichweite von 450 Meilen (etwa 720 km).

Die LFP-Zellen sind wie gemacht für das im Alltag häufige Laden und Entladen (links), während die anodenfreien Zellen für hohe Reichweite bei konstantem Tempo sorgen

Die für ihre Robustheit und Zyklenfestigkeit bekannte LFP-Chemie sorgt für die Alltagstauglichkeit – diesen Zellen machen häufige Lade- und Entladevorgänge durch Beschleunigungsvorgänge und Rekuperation nicht viel aus. Die anodenfreien Zellen dagegen sorgen durch ihre hohe Energiedichte für die große Reichweite. Die 978 km hat die Batterie also den anodenfreien Zellen zu verdanken. Nur solche Zellen zu verwenden, ist allerdings kaum praktikabel, weil sie eine geringe Zyklenfestigkeit haben.

Anodenfreie Batterie: Der Name ist etwas übertrieben. Er bedeutet, dass die Zellen statt einer normalen Anode eine Lithium-Metallanode besitzen. Das spart Gewicht, weil der normalerweise verwendete Graphit mit seiner Schichtstruktur nur sozusagen als "Regal" dient, in das die Lithium-Ionen hineingestellt werden – letztlich ist der Graphit also Ballast. Indem ONE darauf verzichtet, werden hohe Energiedichten von über 1.000 Wattstunden pro Liter erreicht. In Kombination mit den LFP-Zellen ergeben sich immer noch 450 Wh/Liter auf Ebene des Batteriepakets:

Daten der Gemini-Batterie von ONE

Die Gemini-Batterie speichert nach den Angaben des Herstellers über 185 kWh – während die Serien-Batterie im reichweitenstärksten BMW iX nur 109 kWh speichert. Die Batterie wiegt 710 Kilo und hat ein Volumen von 411 Litern. Wie groß die entsprechenden Werte für die Serienbatterie sind, ist nicht bekannt, aber offenbar lässt sich der Akku von ONE in dem Auto unterbringen.

"Elektroautos werden Massenakzeptanz erreichen, wenn sie genügend Reichweite bieten, sodass sich die Menschen wohl fühlen, wenn sie ein E-Auto als einziges Fahrzeug haben", sagte ONE-Chef Mujeeb Ijaz. "Die Gemini-Batterie hat bewiesen, dass sie die Reichweite von Elektrofahrzeugen verdoppeln und das größte Hindernis für die Elektrifizierung beseitigen kann."

Die beiden Zelltypen (hier in Gelb und Blau) werden abwechselnd eingebaut

Die beiden Zelltypen zu kombinieren, ist allerdings nicht ganz so einfach, wie es klingt. Ein spezieller DC-DC-Wandler ist zur Koppelung der zwei Batterietypen nötig. Insgesamt werden so 600 Meilen oder fast 1.000 km möglich. Kein anderer Akku, der in das typischerweise zur Verfügung stehende Volumen für die Batterie (300 bis 400 Liter) hineinpasst, bietet so viel Reichweite, schreibt ONE.

Zusätzlich zur hohen Reichweite reduziert die Gemini-Technologie auch noch den Lithiumbedarf um bis zu 20 Prozent, den Graphitverbrauch um 60 Prozent. Da die Kathode aus Lithium-Manganoxid besteht, wird auch kein Nickel oder Cobalt benötigt.

Auch BMW ist offenbar sehr angetan von dem Akku: "Die über 600 Meilen, die der mit Gemini ausgestattete BMW iX zurückgelegt hat, sind eine beeindruckende Demonstration", sagte BMW-Batterieexperte Jürgen Hildinger. "Wir arbeiten gerne mit dem Team von ONE zusammen und freuen uns darauf, gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen." Das klingt, als würde BMW durchaus eine Serienverwendung in Betracht ziehen. BMW ist über seine Venture-Capital-Sparte auch an ONE beteiligt.

Schon 2022 unterzeichneten die beiden Partner eine Vereinbarung zur Integration der Gemini-Batterie in das große SUV. Bereits damals versprach ONE rund 1.000 km Reichweite.

Nach der erfolgreichen Demonstration will ONE die Gemini-Technologie nun weiter verfeinern, um eine mögliche Serieneinführung vorzubereiten. So will man den Wirkungsgrad des DC-DC-Wandlers verbessern und die Steuerungsalgorithmen zur Nutzung der "Range-Extender-Zellen" (also der anodenfreien Zellen) optimieren.