Zugegeben, wenn nicht Weihnachten wär, hätten wir nicht über dieses Auto berichtet. Aber die Nachrichtenlage ist dünn, und so konnten wir nicht umhin, es doch zu tun. Zumal auch die hochseriöse Automobilwoche sowie der Spiegel berichteten und die sozialen Medien voll sind davon. 

Die Originalquelle haben wir nicht gefunden. Das älteste Posting zum Thema, das wir gefunden haben stammt vom 18. Dezember:

 

Der russische Text wird bedeutet:

"Die Moskauer Polytechnische Universität zeigte einen Prototyp des russischen Elektroautos Amber. Die Universität verspricht, dass im nächsten Jahr fünf Vorserienautos zur Zertifizierung präsentiert und der Elektromotor sowie die Batterie getestet werden. Und im Jahr 2025 wird die Massenproduktion beginnen. Es wird darauf hingewiesen, dass das Design des Serien-Elektrofahrzeugs vom Prototyp abweichen wird. Der sogenannte „Aggregate Carrier“ wurde nun zum Test vorgestellt." 

Also, worum geht es? Um einen knallroten Elektroauto-Prototyp mit reichlich seltsamer Optik namens Amber. Es handelt sich um ein so genanntes Test-"Mule" (Wikipedia Englisch) der Polytechnischen Universität Moskau für ein selbst entwickeltes Elektroauto. Mit solchen "Mules" werden einzelne Komponenten getestet. Die Karosserie stammt oft von älteren, schon bekannten Modellen. 

Gebaut werden soll das Auto in der Fabrik des Autoherstellers Avtotor aus Kaliningrad. Bis zum Ukraine-Krieg wurden dort in einem Joint Venture mit BMW diverse BMW-Modelle gefertigt, wie der 3er oder der X5. Avtotor war auch an der Entwicklung des Amber beteiligt. Das Auto soll ganz ohne Komponenten aus westlichen Ländern auskommen. Stattdessen baut man auf Komponenten aus China.

Avtotor Amber (2025)

Die Optik des Testprototyps erregte Spott in den sozialen Medien. Nexta, ein in Warschau beheimatetes Exil-Medium aus Belarus, fragte, wo die Löcher für die Paddel wären – offenbar fühlte man sich an ein Amphibienfahrzeug erinnert, was zugegebenermaßen nicht ganz abwegig ist.    

 

Andere schrieben sarkastisch, es handele sich um einen "Tesla-Killer" oder verglichen das bizarre Design mit dem Fiat Multipla:

 

Wenn Sie sich für die zahllosen Retweets interessieren, suchen Sie am Besten auf Twitter nach "Tesla Killer". Auf die heftige Kritik am Aussehen des Fahrzeugs äußerten sich die Entwickler. Sie sagten, das gezeigte Modell solle in dieser Form nicht in Serie gehe, es handele sich lediglich um einen Testträger. Das Modell biete viel Bauraum und sei leicht anzupassen.

Technische Daten wie Motorisierung, Leistung, Akku oder Reichweite sind noch nicht bekannt. Doch nach einem Posting des Telegram-Kanals "Autopotoknews" besteht der Wagen aus einer Rohrkonstruktion mit Außenpaneelen aus Verbundwerkstoffen. Bisher wurde ein Vorserienprototyp fertiggestellt; fünf weitere Muster sollen im Jahr 2024 zusammengebaut werden. Der Start der Serienproduktion ist für 2025 geplant. Später soll es den Wagen auch mit Verbrennungsmotor geben.

Vor genau drei Jahren stellte der russische Lkw-Hersteller Kamaz schon einmal ein in Russland hergestelltes Elektroauto vor, wie Motor1 USA damals berichtete. Der Kama-1 (siehe Video oben) hatte ein deutlich serientauglicheres Design. Der 80-kW-Motor sollte den 3,40 Meter langen Kleinstwagen bis auf 150 km/h beschleunigen. Die 33-kWh-Batterie sorgt für eine Reichweite von 250 km. In Serie gehen soll der Wagen angeblich Mitte des Jahrzehnts. 


Unter dem Strich

Der Amber von der Polytechnischen Universität Moskau sieht wirklich zum Fürchten aus. Aber es handelt sich nur um ein Mule, mit dem lediglich elektrische Komponenten getestet werden sollen. Das Serienauto dürfte ganz anders aussehen. Vermutlich haben sich die Technik-Fachleute einfach nicht um die Optik geschert – Nerds eben ...