BYD will künftig seine Autos mit eigenen Schiffen transportieren; das erste Exemplar einer Flotte von acht Schiffen startete nun auf seine Jungfernfahrt. Die BYD Explorer No.1 ist ein so genannter RoRo-Carrier, also ein Roll-on-Roll-off-Transportschiff. Für den Transport der Batterien von BYD ist der Frachter demnach weniger geeignet. 

Angesichts der knappen Kapazitäten für den Schifftransport verbessern sich mit der Explorer No.1 die Logistikkapazitäten von BYD erheblich, schreibt der chinesische Autohersteller. In den nächsten zwei Jahren will BYD seine Flotte um sieben weitere Schiffe erweitern.

Die Explorer No.1 wurde am 10. Januar offiziell im Hafen Yantai (rund 500 km südöstlich von Peking) ausgeliefert. Seine Jungfernfahrt begann nun jedoch in Südchina, vom Hafen von Shenzhen aus. Das Ziel der Fahrt ist nicht bekannt, aber vermutlich ist es ein großer europäischer Hafen wie Rotterdam. 

Mit einer Länge von 199,9 Metern bietet das Schiff Platz für 7.000 Fahrzeuge. Dabei achtet BYD auch auf einen möglichst umweltfreundlichen Antrieb. Die Explorer No.1 hat ein Dual-Fuel-System für Flüssiggas (LNG) und konventionellen Schiffsdiesel. Die geplanten sieben weiteren Schiffe sollen Batterien und Generatoren von BYD bekommen, dürften also einen dieselelektrischen Hybridantrieb erhalten.

BYD-Manager Wang Junbao betonte, mit der neuen Schiffsflotte wolle man einen entscheidenden Schritt bei der Expansion nach Übersee tun. Die Schiffe sollten nicht nur für eigene Autos genutzt werden, sondern auch für Fahrzeuge von Partnern. So wolle man "eine neue Ära für chinesische Automobilhersteller auf der internationalen Bühne einläuten".

BYD exportierte im vergangenen Jahr nicht weniger als 242.765 NEVs. Das bedeutet ein Wachstum um 334,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt verkaufte BYD im Jahr 2023 über 3,02 Millionen NEVs, darunter knapp 1,6 Millionen reine Elektroautos. Der chinesische Autohersteller hat kürzlich auch den Bau eines Werks in Europa beschlossen; es soll in ungarischen Szeged entstehen. 

In Deutschland sind derzeit die Modelle BYD Dolphin, Atto 3, Seal, Han und Tang auf dem Markt. Demnächst soll mit dem Seal U noch ein Mittelklasse-SUV folgen. Im Jahr 2023 wurden allerdings nur etwa 4.100 Fahrzeuge in Deutschland verkauft, wovon fast 3.800 Stück auf den Atto 3 entfielen.

Unterm Strich

Bisher agiert BYD in Deutschland noch etwas ungeschickt. So gibt es mehrere deutsche BYD-Präsenzen im Web und der Konfigurator ist nicht leicht zu finden. Außerdem halten wir die große Zahl von Modellen für verwirrend, genauso wie die Modellnamen Atto 3 oder Seal U. So darf man sich nicht wundern, dass die verkauften Stückzahlen in Deutschland bisher gering sind. Doch BYD ist der zweitgrößte Elektroauto-Hersteller der Welt und dürfte einen langen Atem haben. So wird der Erfolg schon früher oder später kommen.