BYD kündigt seine erstes Automobil-Fabrik in Europa an. Das Werk soll im ungarischen Szeged entstehen. Die Anlage ist zugleich die erste Autofabrik eines chinesischen Herstellers in Europa.

Die Pressemeldung von BYD bestätigt Gerüchte von Anfang November, wonach man sich intern schon für Ungarn als Standort entschieden habe. BYD sagte damals, man werde Ende des Jahres eine Ankündigung dazu machen. Anfang 2023 hatte es Gerüchte gegeben, BYD könnte vielleicht das Ford-Focus-Werk in Saarlouis kaufen, das der US-Hersteller verkaufen will. Nun hat man sich offenbar wirklich für Ungarn entschieden. 

Die Fabrik werde in Etappen gebaut und soll "Tausende Arbeitsplätze vor Ort schaffen", so BYD. Die neue Produktionsanlage werde "fortschrittlichste globale Technologie und hochautomatisierte Produktionsprozesse" bieten. Man wolle auch die eigene Expertise in integrierten vertikalen Lieferketten nutzen. Angaben zur geplanten Produktionskapazität, zum Investitionsvolumen, zum Baubeginn und zum geplanten Datum des Produktionsstarts machte BYD noch nicht. Detaillierte Informationen sollten später erfolgen, so der Konzern. 

Die Wahl fiel auf Ungarn, weil das Land im Herzen Europas liege und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt mit langer Erfahrung in der Automobilindustrie sei. Mit einer ausgereiften Infrastruktur und einer gut etablierten Industriebasis wurde Ungarn auch von mehreren europäischen Premiumherstellern als Produktionsstandort ausgewählt, schreibt BYD weiter. In der Tat besitzt Mercedes ein Werk in Kecskemét, und BMW will ab 2025 die Neue Klasse in Debrecen produzieren.  

Beim Start in Europa habe BYD erhebliche Fortschritte gemacht, so der Konzern. Innerhalb des ersten Jahres seien 230 Händler in 19 Ländern gewonnen worden. Außerdem hat BYD gleich fünf neue Modelle eingeführt, die das C- bis E-Segment abdecken, einschließlich Schrägheckmodellen und Limousinen und SUVs. In den nächsten 12 Monaten sollen drei weitere Modelle starten.

Bisher auf dem deutschen Markt sind der Kompaktwagen Dolphin, die Limousinen Seal und Han sowie die SUVs Atto 3 und Tang. Angekündigt ist der Seal U, ein weiteres SUV, das sich zwischen dem kompakten Atto 3 und dem großen Siebensitzer-SUV Tang einordnen wird. Von den fünf bestellbaren Modellen bringt bisher nur der Atto 3 nennenswerte Stückzahlen in Deutschland. Von ihm wurden in den ersten elf Monaten des Jahres 3.228 Stück neu zugelassen. Die übrigen vier Modelle brachten nur 210 Neuzulassungen.  

BYD wurde 1995 als Akku-Hersteller gegründet. Der im Westen verwendete Firmenname ist eine latinisierte Form des chinesischen Firmennamens Byàdí; "Build Your Dreams" ist nur ein Werbeslogan. Die Autosparte wurde im Jahr 2003 gegründet und ist derzeit der zweitgrößte Elektroautohersteller der Welt (hinter Tesla). Außerdem ist BYD der größte Akkuhersteller der Welt. Besonders bekannt wurde die Blade-Batterie, eine LFP-Batterie mit besonders langen, prismatischen Zellen.


Unter dem Strich 

BYD baut eine eigene Elektroauto-Fabrik in Europa. Das dürfte auch eine Reaktion auf die drohenden Importzölle gegen chinesische Autos sein, welche die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen plant, und auf die Kappung der französischen Förderung für E-Autos aus China. 

Unser Titelbild zeigt den BYD Seal vor dem ungarischen Parlament in Budapest.