Oh doch, man kann auch Äpfel mit Birnen vergleichen, und Kleinstwagen mit der Oberklasse. Das tut jede und jeder, der Obst oder ein Auto kauft, denn wie sonst sollte man sich für ein "Modell" entscheiden? Die Schnelllade-Fähigkeit von nicht weniger als 33 Elektroautos verglichen haben nun die Kollegen von der britischen Zeitschrift Autocar. Wir zeigen die Ergebnisse.  

Gerade zum Schnellladen gibt es meist nur wenig Daten. Viele Hersteller nennen die Maximalleistung in Kilowatt, die aber wenig aussagt über die Ladedauer, denn hier entscheidet die durchschnittliche Ladeleistung. Interessanter sind die Hersteller-Angaben zur Ladedauer, zum Beispiel für einen Ladehub von 10 bis 80 Prozent – doch die gelten halt nur für optimale Verhältnisse.

Die Autocar-Kollegen dagegen haben offenbar jedes Auto, das sie vom Hersteller für Testzwecke gestellt bekamen, am DC-Lader getestet. Ermittelt wurde die Ladeleistung bei 10, 30, 50, 70 und 90 Prozent Ladestand (SoC). Aus diesen Werten wurde ein gewichteter Mittelwert errechnet: Die Werte für 10 und 90% zählen nur einfach, die für 30 und 70% zweifach und der Wert bei 50% dreifach.

Hier sind die Resultate, geordnet nach dieser gewichteten Ladeleistung. Die Einheit kW haben wir aus Platzgründen weggelassen. Nach dem Modellnamen angefügt haben wir dafür die Außentemperatur, bei der geladen wurde:

Modell  Ladeleistung
gewichtet
10% 30% 50% 70% 90%
1. Porsche Taycan GTS Sport Turismo (2023) 22° 198 247 263 227 150 26
2. Audi e-tron GT (2023) 7° 189 248 225 220 156 35
3. Hyundai Ioniq 6 RWD Ultimate (2023) 13° 180 220 229 202 150 38
4. Kia EV9 100 kWh 12° 170 193 202 210 131 41
5. Kia EV5 GT 30° 169 216 224 189 120 46
6. Tesla Model S Plaid 18° 151 163 254 148 97 53
7. BMW i7 xDrive60 (2023) 148 185 196 156 107 71
8. Rolls-Royce Spectre (2023) 11° 135 189 194 127 95 70
9. Mercedes EQE 350+ (2022) 13° 131  185 156 147 107 45
10. Polestar 2 LR Single Motor (2024) 29° 124 192 157 129 97 30
11. BMW i5 eDrive40 12° 122 198 166 116 32 56
12. Hyundai Ioniq 5 77kWh RWD 121 72 128 152 132 42
13. Tesla Model 3 Long Range (2024) 14° 117 219 165 107 72 35
14. VW ID. Buzz (2023) 114 185 146 105 87 61
15. Audi Q8 e-tron 55 (2024) 110 73 110 136 125 43
16. MG4 Electric Long Range 109 130 135 139 67 28
17. Volvo C40 Single Motor 67 kWh (2023) 14° 104 131 134 114 80 35
18. BYD Seal Design 102 86 135 119 80 42
19. Smart #1 Premium 12° 97 154 140 97 65 22
20. Polestar 2 BST Edition 270 (2023) 12° 97 107 150 101 68 31
21. BMW iX1 xDrive30 (2023) 96 125 123 105 70 39
22. Toyota bZ4X AWD (2022)  89 120 147 92 53 9
23. Tesla Model Y RWD (2023) 16° 89 127 126 89 59 37
24. Lexus RZ 450e (2023) 12° 84 89  138 93 54 8
25. Subaru Solterra AWD (2023) 6° 78 100 147 92 13 7
26. Renault Megane Electric EV60 20° 75 126 98 72 54 33
27. Jeep Avenger 67 103 84 72 49 17
28. BYD Atto 3 (2023) 12° 62 85 89 59 42 33
29. Abarth 500e 17° 61 85 86 67 40 13
30. Honda e:Ny1 16° 61 70 72 74 50 11
31. Citroen e-C4 X (2023) 11° 61 89 68 65 55 17
32. GWM Ora 03 (2023) 47 49 61 51 42 17
33. Kia Soul 39 kWh 38 45 41 42 35 20

Dass die 800-Volt-Autos Porsche Taycan, Audi e-tron GT, Hyundai Ioniq 6 sowie Kia EV5 und 9 ganz vorne bei der Ladeleistung sind, dürfte niemanden wundern. Der Hyundai Ioniq 5 folgt erst weiter hinten, was wohl an der niedrigen Außentemperatur von nur 1 Grad liegt.

Auf niedrige Temperaturen zurückzuführen ist wohl auch das eher schlechte Ladeergebnis des Audi Q8 e-tron, der bei 4 Grad geladen wurde. Das erklärt möglicherweise auch den zögerlichen Beginn des Ladevorgangs – vermutlich musste der Akku erst auf Temperatur kommen. Leider hat Autocar nicht dokumentiert, ob die Batterie vortemperiert wurde.

Interessanter ist das gute Ergebnis des Tesla Model S Plaid, denn Tesla gibt nur die maximale Ladeleistung (250 kW) an, nennt aber keine Ladedauer. Auch das neue Model 3 auf Platz 13 schneidet noch recht gut ab. Warum das Model Y mit Heckantrieb trotz moderater Temperatur (16 Grad) so viel schlechter lud, ist uns dagegen unklar.

Dass Kleinwagen wie der Jeep Avenger, der Abarth 500e oder der Kia Soul relativ weit unten landen, ist wieder erklärbar: Diese Modelle sind nicht für lange Fahrten gemacht, und deshalb achten die Hersteller nicht so auf hohe Gleichstrom-Ladeleistungen (DC). Zu Hause dürften wohl die meisten mit Wechselstrom (AC) laden.

Ziemlich mau finden wir jedoch die Ladeergebnisse der eng verwandten Modelle von Toyota, Lexus und Subaru sowie das Ergebnis des Elektro-Megane. Von den beliebten MEB-Modellen des VW-Konzerns wie etwa dem Skoda Enyaq (unser Titelbild) ist leider kein einziges Auto in der Tabelle vertreten. Aber Autocar testet ja fleißig weiter ...

Unterm Strich

Wer viel unterwegs ist, braucht ein Auto, das sich schnell laden lässt. Aufschluss darüber gibt die obige Liste. Noch wichtiger für die Langstrecke ist allerdings, wie schnell man Strom für zum Beispiel 300 km nachladen kann. Denn das entscheidet darüber, wie lang man an der Ladesäule warten muss. Eine Übersicht dazu werden wir uns demnächst genauer ansehen.