Ford macht riesige Verluste mit seinen Elektroautos und priorisiert die Einführung neuer Modelle deshalb herunter. Allerdings arbeitet der Konzern an einer neuen Plattform für günstigere Strom-Modelle.

Nicht weniger als 4,7 Milliarden Dollar Verluste fuhr die Elektroautosparte Ford Model e im letzten Jahr ein, wie aus der neuen Quartalsmitteilung hervorgeht. Laut Reuters betrug der Verlust pro verkauftem Elektro-Fahrzeug damit zuletzt nicht weniger als 47.000 Dollar.

Trotz der Verluste mit der Elektroauto-Sparte ist der Ford-Konzern aber natürlich profitabel: Im Jahr 2023 fiel ein Gewinn von 10,4 Milliarden Dollar an. Dabei wurde der Verlust mit Elektroautos durch die Gewinne der Nutzfahrzeugsparte Ford Pro ausgeglichen.

Fotos von Ford Mustang Mach-e GT, der Test

Ford Mustang Mach-E

Ford F-150 Lightning: Ansicht von vorne

Ford F-150 Lightning

Auch 2024 werde das Geschäft mit Elektroautos die Gewinne belasten, erwartet die Konzernführung um Jim Farley (Titelbild). Doch nun verringert Ford die Investitionen in neue Elektrofahrzeuge, um der schwächelnden Nachfrage gerecht zu werden. Die nächste Generation von Ford-Stromern werde "nur dann auf den Markt kommen, wenn sie profitabel sein kann", sagte Model-e-Chef Marin Gjaja.

Allerdings spielen die Elektroautos für Ford eine wichtige Rolle, um die US-Emissionsvorschriften einzuhalten. Jeder verkaufte F-150 Lightning ermögliche den Verkauf von 12 Pick-ups mit Verbrenner, erklärte der Hersteller. Und die Verbrenner-Pick-ups sind nach wie vor ein äußerst wichtiger Erfolgsfaktor, schließlich war die F-Series auch 2023 wieder das meistverkaufte Auto in den Vereinigten Staaten.

Anfang 2023 hatte Ford noch das Ziel ausgegeben, ab 2026 mit Elektroautos acht Prozent Gewinn vor Steuern zu erzielen. Dieses Ziel werde wohl nicht erreicht, hieß es nun. Konkurrent General Motors dagegen hatte letzte Woche erklärt, dass man mit Elektrofahrzeugen schon in der zweiten Jahreshälfte 2024 Gewinn erwirtschaften werde. GM geht auch davon aus, dass der Elektroauto-Anteil (BEV-Anteil) am Gesamtabsatz im Jahr 2024 auf 10 Prozent steigen wird – von 7 Prozent im Jahr 2023. Zum Vergleich: In Deutschland lag der BEV-Anteil letztes Jahr bei 18 Prozent.

Auf den von Tesla begonnenen Preiskrieg will Ford mit neuen, kleinen Elektroautos antworten. Ein "Skunk-Works-Team" (also ein autark operierendes Entwicklungsteam) arbeite an einer kostengünstigen Architektur dafür, sagte Farley. Derzeit gibt es bei Ford nur zwei Elektromodelle (wenn man von Nutzfahrzeugen wie dem Elektro-Transit absieht): den Mustang Mach-E zu Preisen ab rund 43.000 Dollar und den F-150 Lightning ab etwa 55.000 Dollar. Tesla plant dagegen ein Einstiegsmodell für etwa 25.000 Dollar für 2025.


Unterm Strich

Ford macht mit Elektroautos hohe Verluste, die man durch profitable Verbrenner kompensiert. Diese Quersubventionierung erlaubt es auch, die Vorschriften für die Flottenemissionen einzuhalten. Dennoch verringert Ford seine Elektroauto-Investitionen. Allerdings ist auch eine günstige Plattform für kleine Elektroautos in Arbeit – zumindest ein kleines Licht am Ende des dunklen Tunnels der Zukunftsprognosen von Ford.