Die US-Regierung unter Joe Biden will offenbar die vorgeschlagenen Abgasvorschriften lockern und so den Verbrenner-Fahrzeugen länger eine Chance geben. Grund ist offenbar, dass sowohl die US-Autohersteller als auch die mächtige Auto-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) darum gebeten haben, den Übergang zur Elektromobilität nicht zu stark zu forcieren.

Die Strom-Technologie sei für die Mainstream-Kundschaft noch zu teuer, so die Lobbyisten gegenüber der Biden-Administration. Zudem sei mehr Zeit nötig, um die nötige Ladeinfrastruktur aufzubauen. Das sagten zwei Insider-Quellen am Sonntag gegenüber Reuters

Die US-Umweltbehörde EPA hatte im April 2023 vorgeschlagen, die Emissionen von Neufahrzeugen bis 2032 um 56 Prozent zu reduzieren. So sollte die US-Autoproduktion bis 2030 eine Elektro-Quote von 60 Prozent erreichen, bis 2032 sollten 67 Prozent erreicht werden. In der überarbeiteten Verordnung, die im März veröffentlicht werden soll, sollen diese Quoten verringert werden, so die Insider-Quellen.

Donald Trump hatte Biden im beginnenden Wahlkampf vorgeworfen, mit seinem Elektroauto-freundlichen Kurs amerikanische Arbeitsplätze zu gefährden. Die Gewerkschaft UAW hatte Biden gegen diese Vorwürfe in Schutz genommen. Doch nun spricht sie sich für einen langsameren Übergang zur Elektromobilität aus. 

Auch die Herstellervereinigung Alliance for Automotive Innovation (AAI), die General Motors, Ford, Stellantis, Toyota und Volkswagen vertritt, nannte den ursprünglichen EPA-Vorschlag "weder vernünftig noch erreichbar". Sie drängt auf eine Senkung der Elektroquote für 2030 auf 40 bis 50 Prozent (für Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen). Im Jahr 2023 lag der Anteil der reinen Elektroautos (BEVs) am US-Gesamtabsatz bei gerade mal acht Prozent, während Europa schon bei 15 Prozent und China bei 24 Prozent liegt. 

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Offensichtlich als Forderung gegenüber der Regierung sagte AAI-Chef Bozzella: "Geben Sie dem Markt und den Lieferketten eine Chance, aufzuholen, erhalten Sie die Wahlmöglichkeiten für die Kundschaft, lassen Sie mehr öffentliche Ladeeinrichtungen entstehen, lassen Sie die Industriekredite und den Inflation Reduction Act ihre Wirkung entfalten und den industriellen Wandel beeinflussen."

Die Autohersteller wollen auch keine gesetzliche Verschärfung der Partikel-Grenzwerte von Verbrennern haben, die nach ihren Angaben den Einsatz von Partikelfiltern für jeden fossil angetriebenen Wagen nötig machen würde. Das gleiche gilt für den EPA-Vorschlag, die Anreicherung des Verbrenner-Gemischs zur Leistungssteigerung weitgehend zu verbieten.

Zudem verlangen die Hersteller eine Änderung bei einem Vorschlag des Energieministeriums. Danach sollte bei Elektroautos die Umrechnung des Stromverbrauchs in einen Spritverbrauch (die so genannten MPGe-Werte) verschärft werden. Später im Frühjahr wird auch noch der Vorschlag des Verkehrsministeriums zur Verschärfung der Flottenemissions-Grenzwerte (Corporate Average Fuel Economy, CAFE) erwartet, bei dem es möglicherweise ähnliche Diskussionen geben wird.

Unter dem Strich

Die Regierung Biden ist offenbar bereits, dem Druck der Lobbygruppen (und vielleicht auch seines Kontrahenten Donald Trump) nachzugeben und die Umweltvorschriften nicht so schnell zu verschärfen wie geplant. Das dürfte dazu führen, dass die USA bei der Elektromobilität gegenüber China und Europa noch weiter hinterherhinken.