R2, R3 und R3X: Gleich drei neue Elektroautos stellte Rivian am gestrigen Donnerstagabend vor. Anders als die ziemlich großen Modelle R1T und R1S sind die Neulinge kleiner und auch für den Markt außerhalb der USA gedacht. Sie basieren auf einer neuen Mittelklasse-Plattform.

Der Rivian R2 ist mit 4,72 Meter etwa so lang wie ein Tesla Model Y, aber deutlich kantiger. Das fünfsitzige SUV dürfte mit einer stattlichen Höhe von 1,70 Meter auch aerodynamisch ungünstiger sein als der Tesla. Die Front mit der typischen Rivian-Lichtsignatur ist die gleiche wie bei den beiden R1-Modellen.

Bildergalerie: Rivian R2 (2026)

Der Innenraum bietet ein kleineres Instrumentendisplay sowie einen größeren Touchscreen, die aber beide nicht in der gleichen Ebene angeordnet sind. Abgesehen von riesigen Rändelrädern am Lenkrad präsentiert sich das Cockpit puristisch und mit nur wenigen Testen.

Rivian R2 (2026)

Die Sitze lassen sich komplett umklappen. Neben einem großen Kofferraum hinten gibt es auch einen Frunk. Eine Besonderheit ist, dass sich die Heckscheibe (wie beim Fisker Ocean) elektrisch absenken lässt – praktisch für besonders lange Gegenstände, um schnell noch ein paar Kleinigkeiten zu verstauen ohne die Heckklappe öffnen zu müssen oder einfach, um frische Luft hereinzulassen. 

Auch der R3 ist ein mittelgroßes SUV; hier fällt das Heck aber nicht senkrecht, sondern schräg ab. Der R3X schließlich wird als Performance- und Offroad-Variante des R3 vorgestellt, der sowohl auf der Straße als auch im Gelände mehr Dynamik bietet.

Bildergalerie: Rivian R3

Die neue Midsize-Plattform wurde so konzipiert, dass möglichst wenig Teile nötig sind. Zu den Charakteristika gehören die Verwendung von Druckgussteilen, eine "strukturelle" Batterie, bei der der obere Teil des Akkus gleichzeitig als Boden des Innenraums dient, und Schließsysteme, welche die Komplexität drastisch reduzieren sollen.

Die Antriebe basieren auf Rivians selbst entwickelter Technik. Es wird reine Hecktriebler und Allradler mit zwei und drei Motoren geben, wobei im letzten Fall ein Aggregat vorne und zwei hinten arbeiten. Die Topversion soll in weniger als 3 Sekunden auf 60 mph (knapp km/h) sprinten. 

R2 und R3 werden mit zwei Batteriegrößen angeboten; die Speicherkapazität nennt Rivian nicht. Sie basieren jedoch auf neuen zylindrischen Zellen im Format 4695. Sie haben also 46 Millimeter Durchmesser und 95 mm Länge – diese Größe will auch BMW für die Neue Klasse verwenden. Gegenüber den von Tesla genutzten 4680-Zellen sollen sie mehr Energiedichte bieten.

Die Batterie soll aus 272 Zellen in drei Modulen bestehen

Nach einem Artikel von Motor1 USA produzieren schon mehrere Hersteller Zellen mit dem Formfaktor 4695, darunter Samsung SDI, Panasonic und LG. Das Paket soll nach dem Bericht aus nur drei Modulen bestehen. Jedes Modul enthält 34 mal 8 Zellen, womit sich insgesamt 272 Zellen ergeben. 

Wenn man von Lithium-Ionen-Technik ausgeht und annimmt, dass alle Zellen in Reihe geschaltet sind, ergibt sich eine Modulspannung von 979 Volt (nominal). Es handelt sich demnach um eine 1.000-Volt-Architektur. Wenn die drei Module parallel geschaltet sind, bleibt die Spannung gleich, aber der verfügbare Strom erhöht sich erheblich – und damit auch die Leistungsabgabe der Batterie. Sogar 900 kW wären möglich, so der Autor, doch Rivian werde sich wohl eher auf mehr Reichweite konzentrieren.

Aufgeladen wird jedenfalls über den von Tesla definierten nordamerikanischen Standardanschluss NACS; mit Adapter können auch CCS-Stecker verwendet werden. Damit soll man den Akku in weniger als 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringen – solche Werte erreichen eigentlich auch 400-Volt-Systeme. Der größere der beiden Akkus sorgt laut Rivian für eine Reichweite von über 300 Meilen (482 km), vermutlich nach amerikanischer EPA-Norm. Auf der deutschen Rivian-Website werden sogar 550 km genannt.

Schon reservierbar in den USA für 100 Dollar ist der R2. Er wird voraussichtlich ab 45.000 Dollar angeboten und soll in Amerika ab der ersten Hälfte des Jahres 2026 ausgeliefert werden. Der R3 wird preislich darunter liegen; er soll nach dem R2 starten. Alle drei Modelle sollen nach dem Marktstart in Nordamerika auch international erhältlich sein.

"Ich war noch nie so aufgeregt, neue Produkte auf den Markt zu bringen – R2 und R3 sind typisch Rivian in Bezug auf Leistung, Fähigkeiten und Benutzerfreundlichkeit, aber mit einem Preis, der sie für viele Menschen erschwinglich macht." (Rivian-Chef RJ Scaringe)

Die Produktion des R2 soll zunächst im bestehenden Werk in Normal (Illinois) erfolgen. Dafür soll die Gesamtkapazität des Standorts von 150.000 auf 215.000 Einheiten jährlich erhöht werden. Das bezieht sich auf alle Modelle, die dort gefertigt werden: R1T, R1S, EDV und R2. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 baute Rivian rund 57.000 Fahrzeuge.

Rivians zweite Fabrik in Georgia soll erst später eingreifen, wenn die Produktion von R2 und R3 hochskaliert wird. Gegenüber dem ursprünglichen Plan, den R2 in Georgia zu fertigen, sollen mit diesem Ansatz etwa 2,25 Milliarden Dollar gespart werden. Außerdem beschleunigt sich die Einführung des R2.

Nach zwei Anleiheemissionen verfügt Rivian über 9 Milliarden Dollar an Barmitteln. Dafür wird Rivian wohl zunächst das Werk in Normal vergrößern. Das neue Werk in Georgia soll etwa 5 Milliarden soll kosten, berichtet Reuters und zitiert einen Analysten mit den Worten: "Auch wenn sie Milliarden in Reserve haben, ist das schnell weg, wenn man 40.000 US-Dollar pro Fahrzeug verliert.“ 

Unter dem Strich

Mit dem R2 kommt Rivian zu uns nach Europa. Nach der deutschen Website soll es 2027 so weit sein. Mit 550 km WLTP-Reichweite könnte er gut gegen den VW ID.4 und das Model Y Long Range antreten. Aber bis 2027 ist noch eine Zeit lang hin – zunächst müssen wir abwarten, ob Rivian überhaupt so lange durchhält.