Seit Dezember gab es angeblich Gespräche zwischen dem Volkswagen-Konzern und Renault über ein gemeinsames Elektroauto: Das 20.000-Euro-Auto von VW und der Renault Twingo sollten gemeinsam entwickelt werden. Doch nun sind die (offiziell nie bestätigten) Gespräche gescheitert, meldet Reuters unter Berufung auf Insider.

Nach dem Bericht kam es nicht zu der Kooperation, weil man sich nicht auf den Produktionsstandort einigen konnte. Renault will nun die Entwicklung seines Einstiegsmodells fortsetzen. Als Studie wurde der Twingo bereits im November vorgestellt. Er soll 2025 starten, weniger als 20.000 Euro kosten und einen Verbrauch von nur 10 kWh/100 km haben, so Renault damals.

Renault Twingo Legend Concept (2023)

Ein neuer Twingo Electric soll 2025 das bisherige Modell ersetzen 

VW ID. 2all vs. VW Polo

Eine Studie des 20.000-Autos fehlt noch, dies ist das 25.000-Euro-Modell ID. 2all.

Volkswagen hat ebenfalls ein 20.000-Euro angekündigt. Es soll vor 2027 starten und könnte nach Gerüchten ID.1 heißen. Wenn kein anderer Partner gefunden wird, muss VW dieses Fahrzeug nun alleine entwickeln und produzieren. Beide Konzerne hatten gehofft, durch eine Kooperation die Kosten zu senken; hier stehen die europäischen Hersteller durch die billig produzierende Konkurrenz aus China unter Druck. Die beiden Konzerne wollten sich gegenüber Reuters nicht zu dem Vorgang äußern.

Eine der Informationsquellen sagte, der VW-Betriebsrat habe beim Scheitern der Gespräche eine Rolle gespielt. Eine andere Quelle sagte, die Gespräche seien vor allem deshalb abgebrochen worden, weil Renault das Auto in einem seiner Werke bauen wollte, während VW sein europäisches Produktionsnetzwerk voll auslasten wolle. Man sei sehr knapp vor einer Einigung gestanden, aber VW habe dann doch beschlossen, ein eigenes Auto zu entwickeln, sagte eine weitere Quelle.

Leapmotor T03

Stellantis hat mit dem Leapmotor T03 schon eine Lösung für ein günstiges Elektroauto gefunden 

VW will nach Angaben einer Insider-Quelle in den nächsten Wochen über sein weiteres Vorgehen entscheiden. Renault will die Entwicklung des neuen Twingo E-Tech Electric ohne VW fortsetzen, ist aber auch offen für andere Partner, so eine Quelle.

Renault-Chef Luca de Meo hatte erst im Februar für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den europäischen Autoherstellern geworben. Nur durch eine Kooperation wie beim europäischen Luftfahrtkonzern Airbus könne man gegen die chinesische Konkurrenz ankommen. Die gemeinsame Entwicklung eines günstigen Elektroautos hätte die Basis für eine solche Zusammenarbeit sein können.

Unter dem Strich

Es hätte alles so schön gepasst: Renault hätte den Twingo entwickeln können, vielleicht mit etwas Input von VW, und dann hätte man das Auto gemeinsam fertigen können – mit entsprechenden Skalierungsvorteilen. Aber große Autokonzerne müssen ihre Werke auslasten oder sie bringen die Jobs in Gefahr. Und wegen der derzeitigen Nachfrageschwäche schaut es da derzeit schlecht aus.

Doch wenn die günstigen Elektroautos in Zukunft in China gebaut werden, hilft das den europäischen Beschäftigten auch nichts. Stellantis hat mit dem Kooperationspartner Leapmotor schon einen Partner aus dem Reich der Mitte gefunden und bringt ab Herbst ein günstiges China-Auto auf den europäischen Markt. Vielleicht gehen Renault und VW demnächst ebenfalls diesen Weg?