Alle Welt redet vom Einbruch bei der Elektromobilität. In der Tat sind die Absatzzahlen in Deutschland in den letzten fünf Monaten um 16 Prozent zurückgegangen, Italien war mit minus 19 Prozent noch schlechter dran. Aber im Rest Europas ist das Bild deutlich positiver.

So verzeichnete Frankreich ein stattliches Plus von 23 Prozent, Großbritannien lag bei plus 10 Prozent – siehe unsere Grafik oben. Insgesamt stieg der Markt in der EU um immerhin zwei Prozent auf rund 556.000 Stück, in Europa (EU plus EFTA plus Großbritannien) um 2,1 Prozent auf 745.000 Stück. Der Anteil der batterieelektrischen Autos (BEVs) lag EU-weit bei 11,9 Prozent, europaweit bei 13,1 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland lag der BEV-Anteil bei 12,0 Prozent. All diese Zahlen beziehen sich auf die Monate Januar bis Mai 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und stammen vom europäischen Autoherstellerverband ACEA.

Dass Frankreich so gut abschnitt, lag wohl an der neuen Förderung – bis zu 7.000 Euro kommen vom Staat, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet. In Deutschland dagegen wurde der Umweltbonus im Dezember überraschend und sehr kurzfristig auf null gesenkt. Ähnlich offenbar in Italien: Dort hat die Regierung zwar eine Förderung angekündigt, aber die konkrete Ausgestaltung blieb monatelang unklar. Eine schlechte Förderungspolitik dürfte auch die Verunsicherung der Kundschaft in Sachen Elektromobilität erhöht haben. 

BEV-Verkäufe Europa Jan-Mai 2024 (absolute Zahlen)

BEV-Verkäufe Europa von Januar bis Mai 2024 (absolute Zahlen)

Unsere Zahlen zeigen nicht die größten europäischen Länder, sondern die mit den größten Elektroauto-Absätzen. Deshalb fehlt Spanien, das mit nur 18.000 verkauften BEVs hinter dem viel kleineren Österreich zurückblieb. Auch andere kleine Länder wie die Niederlande, Norwegen, Schweden und Belgien liegen weit vorne, das bevölkerungsreiche Italien dagegen schafft es gerade noch vor Österreich unter die Top Ten. Ebenfalls geringe Verkaufszahlen weisen die osteuropäischen Länder wie Polen, Ungarn oder die Tschechische Republik auf.

Die absoluten Zahlen für Deutschland weichen übrigens von den KBA-Zahlen ab; für Januar bis Mai verzeichnete das KBA rund 141.000 Autos, der ACEA aber 167.000 BEVs. Das dürfte daran liegen, dass die ACEA-Werte Verkaufszahlen sind, die Zahlen des Kraftfahrtbundesamts aber Zulassungszahlen.

Apropos statistische Feinheiten: Wir halten generell wenig davon, die Verkaufszahlen für einen einzelnen Monat zu bewerten – da spielen zu viele Faktoren eine Rolle, sogar die Zahl der Arbeitstage geht mit ein. Deswegen schreiben wir generell nur über einigermaßen lange Zeiträume, wie nun eben Januar bis Mai. Wenn man nur einen Monat nimmt – wie zum Beispiel jetzt den Mai – kommt man zu Überschriften wie "Europäer halten sich mit dem Verkauf von E-Autos zurück" (FAZ). Das ist nicht ganz falsch, nach unserem Gefühl aber auch nicht ganz richtig, wenn von Januar bis Mai ein Plus von 2 Prozent verzeichnet wird.   

Unter dem Strich

Gibt es einen Einbruch bei der Elektromobilität? Nun, Einbruch ist ein starkes Wort. Stärker ist wohl nur noch Absturz. In Deutschland beträgt das Minus 16 Prozent, das würden wir als starke Delle bezeichnen. Von Einbruch würden wir bei minus 40 Prozent reden, von Absturz bei minus 80 Prozent. Aber lassen wir die Wortklauberei.

So schlimm das Minus in Deutschland ist, das Bild wird aufgehellt durch den deutlichen Zuwachs in Frankreich und das Plus in Großbritannien. Das Minus in Italien fällt aus europäischer Perspektive nicht so stark ins Gewicht, weil die Verkaufszahlen hier ohnehin gering sind. Im Jahr 2025 dürfte der Elektroauto-Absatz ohnehin wieder anziehen, weil dann strengere CO2-Flottengrenzwerte gelten: Wenn nächstes Jahr die BEV-Absätze wieder gering sind, müssen die Hersteller entweder die BEV-Preise senken oder Strafe an die Behörden zahlen.