Lucid will Produktion verdoppeln, Chef Rawlinson tritt zurück
Nach wie vor schreibt die Firma Verluste, aber zumindest der Umsatz steigt
Lucid Motors, der Hersteller des Air und des Gravity, hat im letzten Jahr 9.029 Fahrzeuge produziert und 10.241 Autos verkauft. Damit wurde das Jahr 2023 deutlich übertroffen, als noch 8.428 Stück gebaut und 6.001 Stück ausgeliefert wurden. Doch das war bereits seit Anfang Januar bekannt. Nun hat Lucid aber sein Produktionsziel für 2025 festgelegt: Es sollen rund 20.000 Fahrzeuge sein, also doppelt so viele wie 2024.
Zudem trat der langjährige Firmenchef Peter Rawlinson überraschend von seinen bisherigen Funktionen zurück. Der etwa 68-jährige Ingenieur (es ist nur das Geburtsjahr 1957 bekannt, nicht aber das Geburtsdatum) bleibt technischer Berater. Bisher war Rawlinson nicht nur CEO, sondern auch CTO, also Entwicklungschef.
"Nachdem wir den Lucid Gravity erfolgreich auf den Markt gebracht haben, habe ich entschieden, dass es endlich der richtige Zeitpunkt für mich ist, von meinen Aufgaben bei Lucid zurückzutreten", sagte Rawlinson. "Ich bin unglaublich stolz auf die Leistungen, die das Lucid-Team während meiner Amtszeit in den letzten zwölf Jahren gemeinsam erreicht hat. Wir sind von einem kleinen Unternehmen mit großen Ambitionen zu einem weithin anerkannten technologischen Weltmarktführer im Bereich nachhaltige Mobilität herangewachsen. Es war mir eine Ehre, dieses bemerkenswerte, wirklich erstklassige Team zu leiten und auszubauen."
Lucid Air Grand Touring für 129.900 Euro: Soll bis zu 960 km nach WLTP-Norm schaffen
Interimschef wird Marc Winterhoff,, der bisher als COO das operative Geschäft leitete. Für ihn geht es nun darum, die Produktion des neuen Elektro-SUVs Gravity hochzufahren, von dem im Dezember erste Exemplare an Freunde und Bekannte der Firma ausgeliefert wurden. Winterhoff wird die Rolle als CEO aber nur vorübergehend innehaben. Mit der Unterstützung einer Personalberatung sei man auf der Suche nach einem neuen Firmenchef, heißt es in einer Pressemitteilung.
Der Umsatz lag letztes Jahr bei 808 Millionen Dollar – im Jahr 2023 waren es noch etwa 600 Millionen. Doch nach wie vor schreibt Lucid Verluste. Pro Aktie lag der so genannte GAAP-Nettoverlust letztes Jahr bei 1,25 Dollar. Bei etwa drei Milliarden Aktien entspricht das einem Verlust von rund 3,8 Milliarden Dollar. Allerdings hat Lucid nach eigenen Angaben über sechs Milliarden liquide Mittel in der Hinterhand.
Der Gravity (mit seinem sehr großen Frunk) ist bisher nur in den USA und in Kanada bestellbar
Um die Verschuldung zurückzuführen, gilt nun der Erfolg des zweiten Modells der Marke als entscheidend. Dem Gravity werden als SUV höhere Verkaufszahlen zugetraut als der Limousine Air. Allerdings sind beides Oberklassemodelle mit hohen Preisen: Den Air gibt es ab 85.000 Euro, den Gravity kann man in den USA für 94.900 Dollar bestellen.
Ein Mittelklassemodell (ein SUV für rund 50.000 Dollar) ist erst für 2026 geplant. Enthüllt werden soll das Auto Ende 2025 oder Anfang 2026, wie Interimschef Winterhoff bei der Präsentation der Geschäftszahlen sagte. Die Produktion solle aber erst Ende 2026 starten. Die Plattform, die das Project Midsize trägt, soll insgesamt für drei Fahrzeuge genutzt werden, berichtet InsideEVs.com.
Unter dem Strich
Lucid ist in Deutschland noch immer noch nicht so bekannt, wie es die Firma verdient hätte. Dabei baut sie das Elektroauto mit der größten Reichweite – der Air schafft fast 1.000 km am Stück –, hat wohl einen der effizientesten Elektromotoren der Welt konstruiert und bietet auch sonst viel interessante Technik. Viel davon ist dem bisherigen Chef Rawlinson zu verdanken, der als Ingenieur zuvor die Entwicklung des Tesla Model S leitete.
Indes lässt der geschäftliche Erfolg von Lucid Motors weiter auf sich warten. Zwar steigen Produktionszahlen und Umsatz, aber nach wie vor ist der Verlust hoch. Vielleicht liegt das auch daran, dass Rawlinson eben Ingenieur ist, und kein Betriebswirt. Insofern ist der Wechsel vielleicht keine schlechte Idee, zumal Peter Rawlinson mit fast 70 den Ruhestand verdient hat.
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