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Wallbox-Auswahl: Welche Ladeleistung, AC oder DC, bidirektional?

Kriterien für die Wahl der richtigen Ladebox – auch für Leute mit Photovoltaik auf dem Hausdach

Wallbox Delta AC Max Basic
Bild von: ADAC e. V.

Auch wenn die maximale Ladeleistung mit Gleichstrom oft im Fokus des Interesses steht: Die allermeisten Ladevorgänge bei Elektroauto finden nicht am Schnelllader, sondern an der heimischen Wallbox statt. Aber welche Arten gibt es und worauf sollte man bei der Anschaffung achten?

Aber zunächst: Braucht man überhaupt eine Wallbox? Im Prinzip kann man ein Elektroauto auch an der normalen Haushaltssteckdose laden. Allerdings muss die Hausinstallation dafür geeignet sein, ansonsten können Kabel und Dose überhitzen, heißt es in einem Artikel auf n-tv.de.

Wir würden noch zwei Argumente hinzufügen: Die meisten Haushaltssteckdosen sind mit 10 Ampere abgesichert, und damit sind bei 230 Volt Spannung maximal 2,3 kW Ladeleistung möglich. Bei einem 80-kWh-Akku dauert das Laden hier also rund 80 kWh / 2,3 kW = rund 35 Stunden. Ein weiteres Argument sind die Ladeverluste: Nach einem Test des ADAC können sie an der Haushaltssteckdose bis zu 30 Prozent betragen, an einer Wallbox sind sie deutlich niedriger.

Zweite Frage: Wechselstrom oder Gleichstrom? Da fällt die Entscheidung leicht, denn Wallboxen für Privatleute arbeiten in aller Regel mit Wechselstrom (AC). Damit sind meist bis zu 11 kW möglich, manchmal auch 22 kW. Mehr ist mit Gleichstrom (DC) möglich. Die Leistungen von DC-Wallboxen liegen oft bei rund 50 kW. Allerdings kosten solche Geräte mehrere Tausend Euro, wodurch sich die Anschaffung kaum lohnt.

Bei normalen AC-Wallboxen hat sich eine Ladeleistung von 11 kW über drei Phasen als Standard etabliert. 22 kW werden nur von wenigen Elektroautos unterstützt; außerdem muss man sich 22-kW-Wallboxen eigens beim Netzbetreiber genehmigen lassen.

Das lohnt sich nur, wenn man einen großen Akku hat und diesen oft leerfährt und über Nacht wieder vollladen will. Beispiel: Den 118-kWh-Akku des Mercedes EQS komplett aufzuladen, dauert an einer 11-kW-Wallbox über zehn Stunden, mit dem optionalen 22-kW-Bordlader nur die Hälfte der Zeit. Bei einem Skoda Enyaq mit 77-kWh-Akku dagegen ist mit 11 kW selbst eine restlos leergefahrene Batterie nach weniger als acht Stunden wieder voll. Ein 22-kW-Lader wird hier nicht angeboten und ist auch meist unnötig. 

Und welche Box braucht man, wenn man eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat? Dann lädt man das Auto mit selbst produziertem Strom, womit die Sache deutlich günstiger wird. Attraktiv ist das sogenannte Überschussladen: Dabei lädt man das Elektroauto nur mit Strom, der nicht im Haushalt gebraucht wird. Das ist günstig, denn Strom direkt zu verbrauchen ist wegen der Energieumwandlungen immer günstiger als ihn erst zu speichern.

Dazu wird ein Energiemanagementsystem benötigt, das erkennt, wann der Akku geladen werden kann und den Strom entsprechend umleitet. Nützlich ist eine so genannte Phasenumschaltung: Damit geschieht das Laden ganz normal über alle drei Phasen. Beim Strom-Zurückspeichern aber  wird auf eine Phase umgeschaltet. Vorteil: Während eine konventionelle 11-kW-Wallbox das Auto erst ab 4,2 kW Überschussleistung lädt, geschieht das mit Phasenumschaltung schon ab 1,4 kW. Die Sonne muss also nicht so stark scheinen, und im Endeffekt lädt man die Batterie öfter mit eigenem Sonnenstrom statt mit teurem Strom aus dem Netz.

Und wie ist es mit dem bidirektionalen Laden? Mit "Vehicle to Home" (V2H) könnte man die Batterie des Autos als Speicher für den Solarstrom einsetzen – für Zeiten, wo dieser im Haushalt nicht gebraucht wird. So könnte man Zeiten mit hohen Strompreisen oder sogar Stromausfälle überbrücken. Oder man könnte Strom ins Netz zurückgeben, wenn Strommangel herrscht und damit Geld verdienen (Vehicle to Grid, V2G). Doch nach dem Bericht steckt die Technik noch in den Kinderschuhen. Erst ab 2027 oder 2028 sollen Standards greifen, mit denen die derzeit noch teure Technik bezahlbar wird.

Und was sollte man sonst noch beachten? Wer die Wallbox im Freien montieren lassen möchte, sollte ein wetterfestes Gerät wählen. Wenn die Stelle öffentlich zugänglich ist, muss es zudem einen Schutz vor unbefugter Benutzung geben. Keine Gedanken zu machen braucht man sich in der Regel über den Steckertyp: Der Typ-2-Anschluss (Bestandteil des CCS-Combo Typ 2) ist seit Jahren Standard, Elektroautos mit Typ-1-Stecker oder ChaDeMo-Stecker sind selten. Wer beide Arten von Stromern laden will, sollte darauf achten, dass das Kabel nicht fest an der Wallbox befestigt ist.

Eine Alternative zu stationären Wallboxen sind mobile Geräte wie der Juice Booster. Diese lassen sich mit zahlreichen Adaptern auch an ungewöhnlichen Ladeanschlüssen wie den roten Industriesteckdosen betreiben. Die Ladeleistung hängt vom Stromanschluss ab; prinzipiell sind auch hier bis zu 22 kW möglich. Preislich liegen solche Geräte im gleichen Bereich wie normale Wallboxen, die es für etwa 400 bis 1.500 Euro gibt.

Unter dem Strich

Alles nicht so einfach mit dem Elektroauto. Bei Batterien, Elektromotoren und dem Schnellladen wussten wir bereits einigermaßen bescheid, aber in Sachen Wechselstrom-Laden haben wir doch noch was dazugelernt – Sie hoffentlich auch ...

Unser Titelbild zeit die Wallbox Delta AC Max Basic, den Testsieger beim ADAC-Vergleich von Wallboxen.