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Ford stellt neue Elektroauto-Plattform vor

2027 soll es einen Midsize-Pick-up geben, gefolgt von etlichen anderen Modellen, die besonders günstig werden sollen

Fords neue Elektroauto-Plattform (Schemabilder)
Bild von: Ford

Wie Anfang August angedeutet, hat Ford am heutigen 11. August eine neue Elektroauto-Plattform vorgestellt. Sie soll vor allem drastisch niedrigere Produktionskosten bieten, was billigere Elektroautos ermöglichen soll. Das erste Fahrzeug auf dieser Plattform soll ein mittelgroßer Elektro-Pickup mit vier Türen sein, der 2027 startet.

Die Universal EV Platform wurde von einem "Skunkworks-Team" entwickelt, das heißt nicht in der Zentrale, sondern von einem externen, eigenständig arbeitenden Team mit großer Entscheidungsfreiheit. Die Architektur soll als Grundlage für eine ganze Reihe von Fahrzeugen dienen. Den Anfang macht ein neuer mittelgroßer Pick-up, der möglicherweise Ranchero heißen wird, wie InsideEVs.com berichtet. Wie die oben wiedergegebene Grafik andeutet, ermöglicht die Plattform aber auch Schräghecklimousinen und SUVs bis hin zu Fahrzeugen mit drei Sitzreihen. 

Bild von: Ford

Der Midsize-Pick-up soll ab etwa 30.000 US-Dollar zu haben sein und ab 2027 in Kentucky produziert werden. Dafür wird das Werk Louisville, das rund 600 km südlich von Detroit liegt, mit einer Investition von zwei Milliarden Dollar für die Fertigung von Elektroautos ertüchtigt.

Laut Ford soll das Modell so schnell sprinten wie der 233 kW starke Mustang 2.3 Ecoboost, also in etwas weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100. Gleichzeitig soll der Wagen aber auch mehr Platz für Insassen und Gepäck als ein Toyota RAV4 bieten.

Die Drive Units mit Elektromotor, Getriebe und Inverter sollen besonders klein sein. So können sie sowohl vorne als auch hinten untergebracht werden. Es sind also sowohl Front- als auch Hecktriebler möglich, und wohl auch Allradler. Die Batterie wird aus prismatischen LFP-Zellen bestehen, die gemeinsam mit CATL entwickelt und in den USA hergestellt werden. Der Akku soll nur etwa halb so viel Energie speichern können wie die 98-kWh-Batterie des Ford F-150 Lightning, berichtet InsideEVs.com. Demnach ist ein rund 50 kWh großer Akku zu erwarten. Dieser wird mit 400 Volt arbeiten und auch bidirektionales Laden unterstützen.

Die Fahrzeuge, die auf der neuen Plattform basieren, sollen aus 20 Prozent weniger Teilen als vergleichbare Modelle bestehen. So soll die Produktion rund 15 Prozent weniger Zeit beanspruchen. Helfen sollen dabei offenbar größere Aluminium-Druckguss-Teile, ähnlich wie sie zum Beispiel Tesla mit seinen Gigacasting-Maschinen herstellt. Ford spricht von "large single-piece aluminum unicastings".

Fords "assemble tree" als schematische Darstellung
Bild von: Ford

Außerdem soll statt einer linearen Fließband-Produktion ein "assembly tree", also ein mehrzweigiger Montageprozess verwendet werden. So gibt es drei parallele Fließbänder zur Produktion von Front, Heck sowie der "strukturellen" Batterie mitsamt der Sitze. Diese arbeiten separat voneinander und die Teile werden erst am Schluss zusammengefügt. Das Ganze nennt Ford den Universial EV Production Process. Ein ähnliche Konzept hat Tesla 2023 mit seinem Unboxed Process vorgestellt.

Ein Problem bei der Fertigung moderner Autos ist der sehr komplexe Kabelbaum. Hier will Ford offenbar eine Vereinfachung erreichen. Zudem werden die Kabel dadurch kürzer, was die Produktionskosten und das Fahrzeuggewicht senkt. Der Mittelklasse-Truck beispielsweise soll einen Kabelbaum erhalten, der 1.200 Meter kürzer und 10 Kilogramm leichter ist als der eines Mustang Mach-E.

Ford will mit der neuen Plattform so günstig produzieren wie chinesische Hersteller und damit ähnlich günstige Fahrzeuge anbieten können, hieß es. Die Plattform soll die Basis für die meisten Ford-Stromer des nächsten Jahrzehnts bilden. Ford verspricht zudem viel Fahrspaß dank niedrigem Schwerpunkt, viel Drehmoment vom Start weg und ein ausgeklügeltes Fahrwerk. 

Doug Field, Chief EV, Digital and Design Officer bei Ford, erklärt: "Wir haben uns vom Model T inspirieren lassen – dem Universalauto, das die Welt verändert hat. Wir haben die Grenzen der Physik ausgelotet, um Fahrspaß zu bieten und gleichzeitig erschwinglich zu bleiben. Unsere neue zonale Elektroarchitektur eröffnet branchenweit beispiellose Möglichkeiten. Dies ist kein abgespecktes, altmodisches Fahrzeug."

Unter dem Strich

Ford nennt es seinen "Model-T-Moment": So wie mit diesem legendären Modell Anfang des 20. Jahrhunderts das Fließband in die Autoproduktion eingeführt wurde, soll auch die neue Ford-Plattform die Produktion revolutionieren. Dabei setzt Ford auf ähnliche Konzepte wie Tesla: Druckguss größerer Teile und einen nichtlinearen Produktionsprozess. Wie das Fließband beim Model-T soll das die Kosten senken und damit günstigere Elektroautos ermöglichen.

Zu den Modellen selbst hat Ford noch nicht viel verraten. Vor allem geht es bei der neuen Architektur um geringere Kosten; Boliden mit 800-Volt-Technik und sportlichen Antrieben sind nicht zu erwarten, sondern eher Hausmannskost zu vernünftigen Preisen – was ja auch was wert ist.