Zum Hauptinhalt springen

ZF stellt zweimotorigen Elektroantrieb für Traktoren vor

Das eTerradrive-System bietet auch Power-Take-Offs, kann also mechanische Energie für Zusatzgeräte liefern.

ZF eTerradrive
Bild von: ZF

Auf der gerade stattfindenden Agritechnica (9. bis 15. November) stellt der deutsche Zulieferer ZF einen Elektroantrieb für Traktoren vor. Das eTerradrive-System ist für Traktoren und landwirtschaftliche Zugmaschinen mit 60 bis 100 kW geeignet.

Das System besteht aus zwei Elektromotoren für die Hinterachse, zwei Invertern und einem Getriebe. Auch Power-Take-Offs (PTOs) wie eine mechanische Zapfwelle und Arbeitshydraulik sowie ein Hubwerk gehören zu der Einheit.

Bei den meisten Elektro-Traktoren wird einfach der Dieselmotor gegen einen Elektromotor ersetzt und mit einem hydrostatischen CVT-Getriebe kombiniert. Bei diesen stufenlosen Getrieben wird der Motor nicht über Zahnräder mit den Antriebsachsen verbunden, sondern über eine Hydraulik. Solche Systeme sind zwar schnell umsetzbar, bringen jedoch hohe mechanische Komplexität, Energieverluste und eingeschränkte Skalierbarkeit mit sich, erklärt ZF.

Im Gegensatz dazu verfügt eTerradrive über zwei ölgekühlte Synchronmotoren für die beiden Hinterräder und ein integriertes Planetengetriebe. Das soll mehr Effizienz, eine präzise Drehmomentsteuerung und bedarfsgerechte Energienutzung bringen. Zur Energieeinsparung trägt auch die Fähigkeit zur Rekuperation bei.

Durch die besonders kompakte Bauweise bleibt mehr Raum für einen Energiespeicher, also eine Batterie oder ein Wasserstofftank. Außerdem sorgt der geringe Raumbedarf für maximale Flexibilität beim Einbau in verschiedene Fahrzeugplattformen. Die modulare Architektur eignet sich sowohl für Schmalspur-Fahrzeuge wie für traditionelle landwirtschaftlichen Anwendungen. Zudem ist das System mit gängigen Schnittstellen versehen und so mit heutigen Traktor-Anbaugeräten kombinierbar.

ZF eTerradrive: Zum System gehört eine separate Steuereinheit (eDCU), die mit den bestehenden Steuergeräten (TCU, VDC) kommuniziert. Zusätzlich wurden sicherheitsrelevante Funktionen integriert, um die im Off-Highway-Bereich gültigen Hochvolt-Anforderungen

Zum System gehört eine separate Steuereinheit (eDCU), die mit den bestehenden Steuergeräten kommuniziert.

Bild von: ZF

Das System besitzt eine separate Steuereinheit (eDCU), die mit bestehenden Steuergeräten wie der Vehicle Control Unit (VCU) kommuniziert. Dem obigen Bild nach enthält das System auch zwei Inverter, wovon einer den Elektromotor für die PTO-Geräte mit Wechselstrom versorgt. Zusätzlich wurden laut ZF sicherheitsrelevante Funktionen integriert, um die im Off-Highway-Bereich gültigen Hochvolt-Anforderungen zu erfüllen. Damit sei der eTerradrive nicht nur leistungsfähig, sondern auch normenkonform und zukunftssicher, verspricht der Anbieter.

Ein Elektrotraktor mit dem eTerradrive-Antrieb soll die gleiche Funktionalität bieten wie ein Dieseltraktor. Im Vergleich zu konventionellen Systemen wird von ZF die geringere mechanische Komplexität und der geringere Wartungsaufwand hervorgehoben. Zudem sei die Energieeffizienz durch Rekuperation und deaktivierbare Nebenaggregate hoch. Das eTerradrive-System stelle eine skalierbare Plattform dar für zukünftige Fahrzeugkonzepte. Dabei ist es kompatibel mit bestehenden Schnittstellen und Sicherheitsstandards.

ZF eTerradrive
Bild von: ZF

Unter dem Strich

Elektro-Traktoren sind im Kommen. Dabei kommt der Strom teils aus einer Batterie, teils von Wasserstoff-Brennstoffzellen. Da ist Effizienz gefragt, denn die gespeicherte Energiemenge scheint ein Problem darzustellen: Ein Traktor wird schließlich öfter auch für einen ganzen Arbeitstag gebraucht, und der dauert in der Landwirtschaft oft auch länger als acht Stunden. Und der Traktor verrichtet Schwerstarbeit, wenn er sich durch nasse Erde wühlt und dabei auch noch einen schweren Anhänger ziehen muss. Zudem muss er über eine Welle mechanische Antriebsenergie für Mähwerke, Holzhäcksler und vieles andere.