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Verge TS Pro 2.0: Festkörperbatterie lädt mit 100 kW

Ein neues Video zeigt die Verge TS Pro 2.0 beim Schnellladen. Der 18-kWh-Festkörperakku braucht zur Kühlung nur zwei kleine PC-Lüfter.

Detail der Verge TS mit PC-Lüfter zur Batteriekühlung
Bild von: Donut Lab

Die Verge TS Pro, das erste Elektromotorrad mit einer Festkörperbatterie, braucht nur zwei winzige PC-Lüfter zur Kühlung des Akkus. Das zeigt Donut Lab, das Unternehmen hinter der Batterie, nun in einem neuen Video (siehe oben). Darin wird auch das Schnellladen mit rund 100 kW gezeigt und bislang unbekannte Fakten zur Batterie werden verraten.

Die Verge TS Pro 2.0 mit Festkörperbatterie wird schon seit Januar 2026 zum Kauf angeboten. Es gibt zwei Versionen: Mit der Standardbatterie sollen 350 Kilometer möglich sein, mit der großen Batterie aber 600 Kilometer. Nun nennt Donut Lab auch die Speicherkapazität der Batterien: Die kleine hat 18 kWh, die große 30 kWh netto.

Bildergalerie: Verge TS mit Festkörperbatterie

Die Standardbatterie, um die es in dem Video geht, besteht aus vier Modulen mit jeweils drei Teilen. Insgesamt besteht der Akku aus 192 Zellen mit jeweils 94 Wattstunden, was etwa 18 kWh ergibt.

Donut-Chefentwickler Ville Piippo erklärt den Unterschied zwischen Brutto- und Nettokapazität. Das sind Details, aber die Fakten waren uns teilweise neu. Die Nennkapazität (Nettokapazität) ergibt sich demnach aus der (bei Entladeversuchen mit 0,5 oder 1C gemessenen) Kapazität in Amperestunden, multipliziert mit der Nennspannung der Zellen. Die Maximalkapazität (Bruttokapazität) dagegen ist die gemessene Speicherkapazität in Amperestunden, multipliziert mit der Maximalspannung der Zellen, also der Spannung im vollgeladenen Zustand.

  Verge TS Pro 2.0
Standard Range
Verge TS Pro 2.0
Long Range
Akku netto / brutto 18 / 20 kWh 30 / 33 kWh
Stadtreichweite laut Verge 350 km 600 km
Autobahnreichweite laut Verge 200 km 315 km
0-100 km/h 3,5 Sek. 3,5 Sek.
Preis 36.581 Euro 39.581 Euro

Die Batteriekonfiguration ist 2p96s, das heißt, jeweils 96 Zellen werden in Reihe geschaltet, und diese beiden Reihen werden parallel geschaltet. Das ergibt rund 400 Volt. Eine konventionelle Lithium-Ionen-Zelle mit NMC-Kathode hat normalerweise eine Spannung von 3,7 Volt; das heißt damit würden 96 in Reihe geschaltete Zellen 355 Volt ergeben.

Die Batterie besteht aus vier Modulen, die wieder aus jeweils drei Paketen bestehen
Bild von: Donut Lab

Im Video ist zu sehen, dass jeweils 16 Zellen (in zwei Lagen à acht Stück) zu einem Paket zusammengestellt werden. Drei dieser Pakete ergeben ein Modul, das demnach 48 Zellen enthält. Vier davon ergeben 192 Zellen. Zwischen den Zelllagen gibt es Platten, welche die Wärme zu den Außenseiten des Motorrads leiten. Dort sitzt links und rechts jeweils ein PC-Lüfter.

Trotz des nabenlosen Motors sei es eine Herausforderung, eine große Batterie so tief wie möglich und möglichst in der Mitte des Motorrads zu integrieren, so Piippo. Das gelte besonders, wenn zwei Batterien mit unterschiedlicher Speicherkapazität und unterschiedlichen Zellgewichten im gleichen Rahmen Platz finden sollen. Piippo spricht explizit von "different cell masses". Offenbar hat also die 30-kWh-Batterie Zellen mit anderer Zusammensetzung und/oder Größe.

Ladedemo: In 11 Minuten von 10 auf 80 Prozent
Bild von: Donut Lab

In der folgenden Lade-Demonstration wird das Bike mit bis zu 102 kW Gleichstrom geladen. Diese Ladeleistung wird bis etwa 46 % gehalten, danach fällt sie ab. Bei 80 % sind es nur noch 39 kW. Für den Ladevorgang von 10 bis 80 Prozent vergehen 11:10 Minuten. In dieser Zeit werden etwa 14 kWh geladen. Das entspricht einer Ladegeschwindigkeit von 14 kWh x 0,7 / 11,2 = 0,9 kWh/min. Das ist ein Wert wie bei einem Stadtauto mit Flüssigkühlung à la Mini Cooper Electric

Die Ladezeit von rund elf Minuten zeigt auch den Unterschied zwischen dem Laden einer Zelle und dem Laden einer Batterie. Eine Donut-Zelle lässt sich laut Piippo in weniger als fünf Minuten von 0 auf 80 Prozent bringen, der Akku braucht mehr als doppelt so lang. In einem Auto mit flüssiggekühlter Batterie wäre das ähnlich, so der Manager.

Für ein Motorrad mit Luftkühlung sei ein Ladevorgang von 20 bis 80 Prozent in unter 10 Minuten jedoch ein Rekord. Das bedeutet, die Standard-Range-Version kann 350 km x 0,6 / 10 min = 21 km/min nachladen. Pro Minute wird also Strom für über 20 km nachgeladen. Was Piippo nicht sagt, ist, dass es sich bei den 350 km um die von Verge angegebene Reichweite in der Stadt handelt, nicht um die Reichweite nach EU-Norm, die laut Konfigurator noch nicht bestimmt wurde. Laut Piippo soll die Batterie ein ganzes Motorradleben halten, selbst wenn sogar wenn jeder Ladevorgang bei maximaler Laderate erfolge, halte die Batterie so lang wie das ganze Motorrad. 

Unter dem Strich

Donut Lab erklärt in seinem neuesten Video die Verschaltung der Zellen in seiner Festkörperbatterie und die Kühlung in der Verge TS Pro 2.0. Diese basiert auf zwei kleinen Lüftern an den Flanken des Motorrads. Ist das etwas Besonderes? Nun, bei einer Ladeleistung von 100 kW wohl schon. Es gibt auch Elektroautos mit Luftkühlung, wie zum Beispiel den Leapmotor T03, aber die laden wesentlich langsamer.

Noch offen bleibt, wie die Zellen der Donut-Batterie aufgebaut sind, also die Chemie von Elektroden und Festelektrolyt. Und die Gretchenfrage: Wie hat das kleine Donut Lab geschafft, woran sich große Konzerne wie CATL & Co. immer noch die Zähne ausbeißen?