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Für eine persönlichere Erfahrung

Hyundai Ioniq 6 4WD N-Line (84 kWh) im Test: Die Windsbraut

Formal wirkt die Elektro-Limousine auch nach dem Facelift noch immer mutig

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test
Bild von: InsideEVs.de

Auch die Lackierung im unschuldigen Weiß nutzt nicht viel: Der Hyundai Ioniq 6 ist immer noch ein Hingucker. Seit Anfang 2026 ist die große Modellpflege im Handel. Bleibt die große Elektro-Limousine eine interessante Alternative zum Tesla Model 3 und VW ID.7? 

Gerade einmal 416 Neuzulassungen konnte der Ioniq 6 im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland auf sich vereinen. Kein Vergleich zu den knapp 9.000 Model 3 und rund 15.000 ID.7 (bei denen aber auch der Kombi inklusive ist). Woran liegt das? Das soll unser Testbericht klären, der uns auch auf die Langstrecke geführt hat. 

Bildergalerie: Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Schnelle Daten Hyundai Ioniq 6 4WD N-Line (2026)
Antrieb Allradantrieb
Getriebe Automatik
Systemleistung / Drehmoment 239 kW (325 PS) / 605 Nm
Batterie (netto) 84 kWh
Reichweite (WLTP) 570 km
Verbrauch (WLTP komb.) 15,9 kWh/100 km
DC-Ladeleistung 260 kW
AC-Ladeleistung 11 kW
Basispreis 61.650 Euro

Karosserie/Design

Der Hyundai Ioniq 6 ist ein Auto für Individualisten und Kenner. Sein Auftritt polarisiert von der Front bis zum Heck und dürfte kaum jemanden kaltlassen. Wer sich für dieses Design entscheidet, tut das bewusst. In gewisser Weise erinnert dieser Mut zur Eigenständigkeit an das, wofür Citroën früher einmal stand. Oldtimerkenner spüren im seitlichen Profil einen Hauch von CX. 

Keine schlechte Assoziation, schließlich hatte man den CX nach dem französischen Kürzel für den cW-Wert benannt. Auf diesem Feld punktet der Ioniq 6 mit gerade einmal 0,21. Damit erklärt sich auch das rundlich fließende Heck ebenso wie die ausfahrenden Stiel-Türgriffe. Klassische Bügel wäre uns lieber. Insgesamt wirkt der Wagen nach dem Facelift breiter als bisher. Trotzdem: Endlich mal kein Elektro-SUV!

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test
Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test
Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Bilder von: InsideEVs.de
Bilder von: InsideEVs.de

Im Alltag zeigt sich allerdings auch, dass die jetzt fast 4,93 Meter lange Limousine einiges an Platz benötigt. Gerade beim Rangieren in einer Garage wird ihre Größe schnell spürbar, zumal die Übersicht mau ist. Beim Blick durch das Heckfenster sieht man nur den Spoiler. Ebenfalls nicht voll überzeugend fällt die kleine Kofferraumklappe aus, denn ein Fließheck hätte die Alltagstauglichkeit deutlich verbessert. Vorne gibt es einen 45 Liter großen "Frunk".

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Bild von: InsideEVs.de
Abmessungen Hyundai Ioniq 6 4WD N-Line (2026)
Länge x Breite x Höhe (in mm) 4.935 x 1.880 x 1.495
Radstand 2.950 mm
Kofferraumvolumen 401 Liter plus 45 Liter Frunk
Leergewicht 2.134 - 2.185 kg
Zuladung 335 kg
Anhängelast (gebremst) 1.500 kg
Stützlast 100 kg

Innenraum

Im Innenraum hinterlässt der Ioniq 6 einen sehr guten Eindruck. Verarbeitung und Materialanmutung stimmen, die Bedienung gelingt insgesamt intuitiv. Allerdings geht Hyundai bei einigen Details bewusst eigene Wege. So befinden sich Fensterheber, Spiegelverstellung und weitere Bedienelemente nicht wie gewohnt in den Türen, sondern auf der Mittelkonsole beziehungsweise links unterhalb des Armaturenbretts.

Das wirkt zunächst ungewohnt und erinnert erneut an die unkonventionellen Lösungen, für die Citroën einst bekannt war. Vermutlich soll damit auch eine stärkere Abgrenzung zum technisch verwandten Kia EV6 geschaffen werden. Sehr überzeugend ist die hervorragend ins Cockpit integrierte horizontale Displayeinheit. Inklusive zweier Drehregler und einiger echter Tasten für den Direktzugriff unterhalb des Touchscreens.

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test
Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test
Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Bilder von: InsideEVs.de
Bilder von: InsideEVs.de

Nicht wirklich durchdacht sind die beiden Hebel rechts am Lenkrad. Dort befindet sich unten der Gangwahlhebel, zu tief wie wir finden. Denn manchmal möchte man schon sehen, was man gerade gewählt hat. Auffallend sind zudem die Auskragungen links und rechts auf der Armaturentafel. Sie liefern den Platz für die Bildschirme der digitalen Außenspiegel, die es optional für die höchsten Ausstattungslinien gibt. Diese 1.300 Euro kann man sich getrost sparen.

Als Reiselimousine überzeugt der Ioniq 6 dagegen auf ganzer Linie. Zahlreiche Assistenzsysteme machen lange Autobahnfahrten angenehm und der hohe Fahrkomfort passt zum Charakter des Fahrzeugs. Besonders beeindruckend fällt die Beinfreiheit im Fond samt durchgehendem Fußraum aus, das sich auf einem Niveau bewegt, das man sonst eher aus einer Mercedes S-Klasse oder einem Skoda Superb kennt. Leider sitzen große Menschen mit angewinkelten Beinen und die Kopffreiheit stößt designbedingt an ihre Grenzen.  

Antrieb/Fahreindrücke

Besonders viel Freude bereitet die von uns getestete Allradversion mit 239 kW Leistung. Die Beschleunigung drückt die Insassen bei Bedarf kräftig in die Sitze und die für Elektroautos typische Elastizität bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten erhalten. Ebenso gelungen ist das Rekuperationssystem. Es lässt sich fein abstufen und eignet sich hervorragend für das Fahren mit nur einem Pedal. Nach kurzer Eingewöhnung nutzt man die mechanischen Bremsen kaum noch und muss sich regelrecht daran erinnern, sie gelegentlich einzusetzen. 

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Bild von: InsideEVs.de

Sehr gut ist das niedrige Geräuschniveau: Selbst bei Tempo 170 ist es im Ioniq noch leise. Dazu passt der sehr angenehme Abrollkomfort trotz der 20-Zoll-Bereifung der N-Line. Einzig die Bequemlichkeit der Vordersitze ist noch etwas ausbaufähig.

Weniger überzeugend erscheinen dagegen die verschiedenen Fahrmodi. Der Eco-Modus bietet im Alltag bereits genügend Leistung und genügt praktisch jeder Fahrsituation. Zwar legt der Sport-Modus noch etwas mehr Nachdruck nach, doch dieser zusätzliche Punch dürfte für die meisten Fahrer eher ein einmaliger Aha-Effekt als ein echter Mehrwert sein. Für besonders leistungshungrige Kunden hat Hyundai den Ioniq 6 N mit 478 kW Leistung im Programm. 3,2 Sekunden auf 100 statt den 5,1 Sekunden unseres Testwagens.

Verbrauch/Preis

Wie sieht es nun beim Thema Verbrauch aus? 15,9 kWh nennt Hyundai als Werksangabe für die 239-kW-Variante mit Allrad. Unsere Spanne reichte von 14,6 auf der Kurzstrecke mit etwas Landstraße bis zu 19,8 bei scharfer Autobahnfahrt. Im Mittel pendelten wir uns bei knapp über 16 ein. Gemessen am Format des Wagens ein guter Wert. 

Und die Reichweite? 570 Kilometer laut Hersteller, auf der Langstrecke kamen wir auf ziemlich genau 500. Kein Beinbruch, denn der Ioniq 6 hat 800V-Technik an Bord und mit bis zu 260 kW laden. Das gelingt ihm auch kurzzeitig, im Schnitt pendelt sich der Wert bei 184 kW ein. Unsere Erfahrungswerte in der Praxis: 14 Minuten für 31 auf 80 Prozent, was zu den offiziellen 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent passt.    

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Hyundai Ioniq 6 (2026) 4WD N Line im Test

Bild von: InsideEVs.de

Die Preisliste beginnt aktuell bei rund 46.000 Euro für die Basisversion mit 125 kW und 63-kWh-Akku, unser Ioniq 6 4WD N-Line mit 239 kW Leistung und 84-kWh-Akku kostet mindestens 61.650 Euro. Lediglich 3.350 Euro weniger, aber deutlich schwächer ist die 2WD-Version. Dafür erhält man eine große Reiselimousine, die sowohl Fahrer als auch Mitreisenden auf langen Strecken viel Komfort bietet.

Als ausgewogenste Version erscheint die Ausstattungslinie Centriq mit 168 kW und einer Reichweite von bis zu 680 Kilometern. Für rund 52.000 Euro gehört die Wärmepumpe bereits zum Serienumfang, wodurch das Modell ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Wo steht die Konkurrenz von Tesla und VW? Verhältnismäßig günstige 49.990 Euro kostet das Model 3 mit Allrad und 660 km Reichweite. 

Bei der VW ID.7 Limousine gibt es Allrad erst im 250 kW starken GTX. Dafür ruft man saftige 63.835 Euro auf, was die Preisgestaltung beim Hyundai in einem besseren Licht dastehen lässt. Zumal Hyundai fünf Jahre Garantie auf seine Fahrzeuge gibt. 

Fazit 

Der Hyundai Ioniq 6 ist eine außergewöhnliche Reiselimousine, die sich bewusst vom Mainstream absetzt. Sein Design ist Geschmackssache und seine Größe nicht für jeden Alltag ideal. Dafür überzeugt er mit einem hochwertigen Innenraum, viel Platz, hohem Langstreckenkomfort und einer sehr guten Ladeleistung. Man kann ihm nur wünschen, mehr Kunden zu finden.

   

Pro

  • Design
  • gute Ladeleistung
  • Fahrkomfort
   

Kontra

  • Design
  • kleiner Kofferraum
  • Kopffreiheit hinten