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"Pleos Connect": Neues Infotainment für Hyundai, Kia, Genesis

Das neue Bediensystem startet im Ioniq 3. Künftig erhalten alle neuen Autos der Marken das Android-System mit KI-Sprachsteuerung.

Hyundai Ioniq 3 (2026): Displays und Lenkrad im Detail
Bild von: Hyundai

Bisher haben die meisten Elektroautos von Hyundai, Kia und Genesis innen zwei gleichgroße Displays nebeneinander. Künftig wird sich das ändern. Das neue "Pleos-Connect"-Infotainment mit kleinem Instrumentendisplay und großem Touchscreen soll offenbar schrittweise in alle Konzernmodelle einziehen.

Weltweit das erste Modell mit Pleos Connect ist die im Mai startende neue Version der Verbrenner-Limousine Hyundai Grandeur in Korea. Der kürzlich vorgestellte Hyundai Ioniq 3 ist das erste europäische Modell damit; dieser startet jedoch erst im Herbst. Bis 2030 sollen weltweit rund 20 Millionen Konzernfahrzeuge damit ausgerüstet werden. Das bedeutet offenbar, dass Pleos Connect in alle bis 2030 neu eingeführten Modelle einzieht. Denn die Hyundai Motor Group (HMG) will im Jahr 2030 5,55 Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkaufen.

Das Cockpit des neuen Hyundai Grandeur (2026): Kleines Display direkt an der Scheibe und großer Touchscreen in der Mitte

Das Cockpit des neuen Hyundai Grandeur (2026): Kleines Display direkt an der Scheibe und großer Touchscreen in der Mitte

Bild von: Hyundai

Pleos Connect wurde nun auf einer Veranstaltung in Korea vorgestellt. Es soll vor allem ein intuitives, sicheres und offenes System sein. Die auf Android Automotive basierende Software bezieht Künstliche Intelligenz ein, erlaubt Erweiterungen über einen App-Store und verbessert die Aktualisierung über Over-the-Air-Updates, so Hyundai. Dabei orientiert man sich an Mobilgeräten wie Handys.

Durch die Kombination von Touchelementen mit physischen Bedienelementen soll das System besonders benutzerfreundlich sein, neudeutsch ausgedrückt also eine gute User Experience (UX) bieten. Es wurde in den UX-Studios in Seoul, Irvine, Frankfurt und Shanghai entwickelt. 

Das neue Pleos-Connect-Infotainmentsystem der Hyundai Motor Group

Pleos-Connect-Touchscreen mit drei Bildschirmbereichen

Bild von: Hyundai

Das Pleos-Connect-Cockpit bietet zwei Hauptdisplays: 

  • Der große Touchscreen in der Mitte wird horizontal eingebaut. Die Bedienoberfläche ist in drei Hauptbereiche eingeteilt: Ein Teil (offenbar der linke) zeigt wichtige Daten wie Geschwindigkeit, Warnsymbole sowie 3D-Grafiken von Hindernissen in der Umgebung, der zweite dient der Navigation, Medienwiedergabe und der Nutzung von Drittanbieter-Apps. Die App-Fenster kann man mit einer Drei-Finger-Geste neu anordnen oder nicht benötigte Apps schließen. Der dritte Teil ist die Leiste unten, die den direkten Zugriff auf oft verwendete Funktionen erlaubt.
  • Das kleine Instrumentendisplay vor der Person am Steuer ist beim neuen Grandeur und beim Ioniq 3 weit oben und nah an der Scheibe positioniert, sodass man den Blick nicht weit von der Straße abwenden muss – ähnlich wie bei einem Head-up-Display. Es zeigt Geschwindigkeit, Medien und Abbiegehinweise. 
Hyundai Ioniq 3 (2026): Das Interieur

Im Hyundai Ioniq 3 misst das Instrumentendisplay wegen seiner großen Breite 9,9 Zoll, der Touchscreen je nach Version 12,9 oder 14,6 Zoll.

Bild von: Hyundai

Physische Tasten am Lenkrad und unter dem Touchscreen sollen den schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen ermöglichen, ohne den Touchscreen zu benutzen. Beim Ioniq 3 gibt es dort Tasten für die Temperatur der zwei Zonen der Klimaautomatik, die Lüftung, die Warnblinkanlage, die Sitzheizung bzw. -belüftung links und rechts sowie zwei Drehregler (links für die Lautstärke, rechts vermutlich für den Track oder den Sender).

Das neue Pleos-Conncect-Infotainmentsystem der Hyundai Motor Group

Das Kartenbild des neuen Navigationssystems (rechts)

Bild von: Hyundai

Das Navigationssystem soll komfortabler, effizienter und weniger komplex geworden sein. So wurden Bildschirmlayout und Menüs um die am häufigsten genutzten Funktionen herum aufgebaut, komplexe Grafiken wurden durch einfache Symbole ersetzt. Darüber hinaus kann man nun neben der Navigation noch eine weitere App nutzen. Die vollständige Route und die voraussichtliche Ankunftszeit werden in Zusatzfenstern angezeigt. Zudem bietet das Navi eine Echtzeit-Routenführung, die Staus berücksichtigt. Daten dazu werden von anderen Fahrzeugen gesammelt und gelangen über eine Cloud ins Auto.

Zu Pleos Connect gehört der KI-Sprachassistent Gleo AI. Aktuell konzentriert sich Gleo AI auf Fahrzeugsteuerung und Komfortfunktionen wie die Eingabe von Navigationszielen oder Klimaeinstellungen. Künftig sollen jedoch zahlreiche weitere Funktionen unterstützt werden.

Gleo AI ist kontextsensitiv, das heißt, bisherige Gespräche und der "Fahrkontext" werden berücksichtigt. So versteht das System auch Befehle wie "Navigiere dorthin" oder "Finde ein Restaurant in der Nähe". Zudem kann das System die Position des Sprechers oder der Sprecherin im Fahrzeuginnenraum ermitteln. So sind Befehle wie "Schalte meine Sitzheizung ein" möglich. Mehrere Befehle in einer einzigen Anfrage sind ebenfalls möglich. Über eine Websuche können auch Fragen zu aktuellen Nachrichten, Wetter und Sport beantwortet werden. Auch Informationen aus dem Bedienhandbuch sind verfügbar.

Der App-Store ermöglicht eine Erweiterung des Systems. Zu den ersten Partnern gehört Naver, ein koreanischer Spezialist für Karten und Fahrzeugdienste – ob das auch für Deutschland oder nur für Korea gilt, geht aus den Pressemeldungen nicht hervor. YouTube und Spotify sollen ebenfalls verfügbar sein, ohne dass man dafür das eigene Smartphone koppeln muss. Künftig sollen Spiele, andere Unterhaltungsapps und Fahrzeugmanagementdienste hinzukommen.

Unter dem Strich

Mit Pleos Connect wird sich das vertraute Interieur von Hyundai Ioniq 5, Kia EV6 und vielen anderen Autos des koreanischen Konzerns deutlich ändern. Statt auf einen Zwillingsbildschirm setzt die Hyundai Motor Group künftig auf ein kleines Display nah an der Scheibe sowie einen großen Touchscreen in der Mitte. Außerdem soll immer mehr Künstliche Intelligenz einziehen. Da das System auf Android Automotive basiert, können Apps von Drittanbietern leicht eingebunden werden.

Das klingt gut. Schön finden wir auch, dass weiter physische Bedienelemente angeboten werden. Auf den Bildern sieht es allerdings so aus, als würde die Restreichweite nur sehr klein am oberen Bildschirmrand angezeigt werden. Da der Großteil der Elektroauto-Kundschaft deutlich über 50 Jahre alt ist, wäre eine größere Anzeige hilfreich – aber vielleicht ist die ja irgendwo im System versteckt.