Elektrische Mercedes C-Klasse: Die ersten Tests sind da
Autocar, Autoweek und Motor1 Italien loben Komfort und Effizienz, nennen aber auch Schwächen
Die elektrische Mercedes C-Klasse wurde bereits im April vorgestellt; nun sind die ersten Testberichte erschienen. Wir haben uns die Artikel der britischen Autocar, der niederländischen Autoweek und von Motor1 Italien angesehen. Die Berichte sind überwiegend positiv, loben Komfort und Geräuschniveau, finden aber auch Kritikpunkte.
Die elektrische C-Klasse sehe zwar ähnlich aus wie eine normale C-Klasse, doch der Radstand ist fast zehn Zentimeter länger, schreibt James Attwood von Autocar. Der Achsabstand ist sogar minimal größer als bei der E-Klasse, wie wir angesichts der Daten hinzufügen würden:
| Länge | Breite | Höhe | Radstand | Kofferraum | |
| Elektrische C-Klasse | 4.883 mm | 1.892 mm | 1.503 mm | 2.962 mm | 470 Liter 101 Liter Frunk |
| C-Klasse | 4.751 mm | 1.820 mm | 1.438 mm | 2.865 mm | 455 Liter |
| E-Klasse | 4.949 mm | 1.904 mm | 1.468 mm | 2.961 mm | 540 Liter |
Der Kühlergrill erinnert James ein wenig "an eine Käsereibe, aber die über 1.000 LEDs darin funkeln schön", so der Tester. Im Vergleich zu den oft kritisierten Modellen EQE und EQS habe diese Limousine wirklich Charakter.
Der Grill der Mercedes-C-Klasse
Technisch hat die elektrische C-Klasse nicht viel mit dem Verbrennermodell gemein, denn sie basiert (wie der elektrische GLC) auf der Plattform MB.EA. Wie beim GLC startet auch die C-Klasse als 400 4Matic mit einem 360 kW starken Allradantrieb und einer 94-kWh-Batterie. Wegen der aerodynamisch günstigeren Form und des geringeren Gewichts liegt die WLTP-Reichweite der Limousine aber 80 km höher:
| Höhe | cW-Wert | Leergewicht | WLTP-Verbrauch | WLTP-Reichweite | |
| Elektrischer C 400 4Matic | 1.503 mm | 0,22 | 2.460 kg | 14,3 kWh | 753 km |
| Elektrischer GLC 400 4Matic | 1.644 mm | 0,26 | 2.535 kg | 15,8 kWh | 673 km |
Diese Daten beziehen sich auf die serienmäßigen 18-Zöller; wählt man im Konfigurator die teuersten 20-Zöller, dann sinkt die Reichweite der C-Klasse auf 723 km. Beim Stromsparen hilft das Zweiganggetriebe an der Hinterachse. Wenn nicht die volle Leistung gebraucht wird, kann zudem der vordere Permanentmagnet-Motor abgeschaltet werden (per Disconnect Unit).
Die Batterie wird dank 800-Volt-System mit bis zu 330 kW aufgeladen. An 400-Volt-Säulen kann die C-Klasse dagegen nur geladen werden, wenn man den optionalen DC-DC-Wandler dazubestellt, und auch dann sind nur 100 kW möglich.
Noble Materialien, riesiger Hyperscreen: Das Interieur der elektrischen C-Klasse
Das Interieur wirkt dank hochwertiger Materialien und den bequemen Sitzen luxuriös, so James. Wie bei allen neueren Mercedes-Modellen gibt es riesige Displays. Das getestete Modell hatte den (optionalen) 39,1-Zoll-Hyperscreen – das ist eine Diagonale von fast einem Meter. Die riesigen Bildschirme arbeiten schnell, dürften aber nicht jedermanns Geschmack treffen, glaubt der Tester. Die Sprachbedienung funktioniere sehr gut und auch das Platzangebot vorn und hinten wird gelobt. Der Kofferraum von 470 Litern hinten und 101 Litern vorn sei ausreichend, so der Bericht.
Der Kofferraum der elektrischen C-Klasse
Laut Mercedes ist der elektrische C 400 4Matic die "sportlichste C-Klasse aller Zeiten". Wie bei 360 kW und 800 Nm Drehmoment sowie einem 100-km/h-Sprint in 4,0 Sekunden nicht anders zu erwarten, wirkt der Wagen sehr schnell. Wenn man beim Losfahren voll aufs Gaspedal tritt, kann einem schwindelig werden, doch wenn man ein wenig vorsichtiger zu Werke geht, lässt sich die Leistung gut kontrollieren.
Die sehr gut schallisolierte Kabine und die optionale Luftfederung sorgen für ein fast lautloses Dahingleiten. Die zusammen mit der Luftfederung im Paket angebotene Hinterradlenkung verkleinert den Wendekreis von 12,2 auf 11,2 Meter, was das Manövrieren erleichtert. Allerdings sorgt die Airmatic bei Autobahn-Tempo gelegentlich für ein ungutes Nachwippen. Das serienmäßige Stahlfahrwerk wirkte auf schlechten Straßen etwas unruhiger, biete auf der Autobahn aber ein "direkteres" Fahrgefühl, so der Bericht.
Der Testverbrauch wird mit vier Meilen pro Kilowattstunde angegeben; das entspricht 15,5 kWh/100 km. Zum Vergleich: Der Normverbrauch der Basisversion liegt bei 14,3 kWh/100 km, der Autobahnverbrauch liegt laut Mercedes bei 17,6 kWh.
In seinem Fazit schreibt der Tester, die elektrische C-Klasse und der elektrische GLC lägen gegenüber dem BMW i3 und dem iX3 der Neuen Klasse bei den meisten Daten zurück. In der Tat bieten die BMW-Modelle mehr Reichweite und Ladeleistung.
Doch die elektrische C-Klasse sei sehr effizient. Anhand der offiziellen Daten lässt sich ein Vorsprung gegenüber BMW aber nicht eindeutig erkennen: Für den i3 50 xDrive First Edition werden 13,5–16,1 kWh angegeben, der C 400 4Matic liegt laut technischem Datenblatt (PDF) bei 14,1–18,5 kWh. Vergleicht man nur den Minimalwert, dann liegt der i3 vorn – wobei die Daten des i3 wohl noch nicht ganz sicher sind. Für den iX3 50 xDrive nennt BMW 15,1–18,1 kWh, beim GLC sind es 14,9–18,9 kWh. Hier hat der GLC tatsächlich den niedrigeren Minimalwert.
Letztlich bräuchte es aber einen Vergleichstest, um eine Wahl zu treffen, schreibt James. Bis dieser möglich sei, beurteile er die C-Klasse separat. Das Auto sei "nicht das letzte Wort in Sachen Fahrer-Engagement". Das bedeutet wohl, dass der Mercedes sich nicht wirklich sportlich fährt. Aber die elektrische C-Klasse sei sehr effizient und komfortabel, sorge für ein entspanntes Fahrgefühl, sei für lange Strecken bestens geeignet und vermittele die von einem Mercedes erwartete Raffinesse.
Bildergalerie: Elektrische Mercedes C-Klasse (2026)
Stéphan Vermeulen von der niederländischen Autoweek betont, der Grill der elektrischen C-Klasse errege viel Aufmerksamkeit. Er ergänzt ein Detail zum Zweiganggetriebe: Im Sport-Modus drehe der Motor im ersten Gang weiter hoch, im Eco-Modus wird früher hochgeschaltet. Der Schaltvorgang sei jedenfalls kaum spürbar. Im Sportmodus sei der Frontmotor stets aktiv, sonst schalte er sich erst bei Bedarf zu. Stéphan findet das Auto auch im Sport-Modus noch komfortabel. Im stärksten Rekuperationsmodus sei One-Pedal-Driving möglich.
Die Luftfederung und die Hinterradlenkung kaschierten das enorme Gewicht des Wagens gut. Die Airmatic passe die Dämpfereinstellungen sogar anhand von Daten aus der Cloud an: Fährt vor einem ein anderer Mercedes über eine Schwelle, dann werden die Dämpfer vorn etwas weicher, hinten etwas straffer eingestellt. Die Sitzposition in der elektrischen C-Klasse sei recht hoch, aber das Geräuschniveau gut. Im Fond sei sogar ausreichend Platz für Personen über 1,80 Meter. Allerdings kritisiert der Kollege den kleinen Kofferraum.
Alberto Carmone von Motor1 Italien stimmt James Attwood in vielen Punkten bei. Er kam auf einen sehr ähnlichen Testverbrauch von 15,6 kWh/100 km und lobt ebenfalls Effizienz, Geräuschniveau und den Schub des Allradantriebs. Letzterer sei besonders im Sportmodus kraftvoll, im Normal- und Eco-Modus reagiere das Fahrzeug sanfter. Alberto kritisiert, dass die überbordende Technik in der elektrischen C-Klasse verwirren könne. Außerdem sei das Heckfenster arg klein.
Unter dem Strich
Was würden Sie von einer Elektrolimousine von Mercedes erwarten? Ein komfortables Fahrwerk, ein edles Interieur, eine angemessene Motorisierung und genug Reichweite vermutlich. All das scheint die elektrische C-Klasse zu bieten. Insofern bieten die drei Testberichte wenig Überraschendes. Dass die großen Displays von Mercedes nicht allen gefallen, haben wir auch schon in früheren Testberichten gelesen. Der riesige Grill ist wohl ebenfalls polarisierend. All das ist Geschmackssache. Ob man den Kofferraum nun klein oder ausreichend findet, liegt wohl ebenfalls an den eigenen Bedürfnissen.
Die Daten aber sprechen unserer Ansicht nach immer noch eher für die Konkurrenz von BMW. Reichweite und Ladegeschwindigkeit sind für ein Elektroauto nun mal entscheidend. Und der Preis? Den Mercedes C 400 4Matic gibt es mit Herstellerrabatt ab 64.325 Euro. Der BMW i3 50 xDrive ist derzeit nur als teure First Edition zu haben, doch die im Herbst verfügbare Serienversion wird laut BMW 65.900 Euro kosten. Der Preisunterschied ist also eher gering.
Quelle: Autocar, Autoweek.nl, Motor1 Italien
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