BYD Seal U (2024) im Dauertest: Erster Eindruck vom China-SUV
Das Elektro-SUV von BYD überzeugt mit viel Platz und guter Ausstattung, zeigt aber auch kleine Schwächen ...
BYD drängt mit wachsender Präsenz auf den europäischen Markt. Mit dem Seal U präsentiert der chinesische Autohersteller ein Elektro-SUV, das vor allem Familien ansprechen soll. Perfekt also, um in den nächsten drei Monaten herauszufinden, wie gut sich das SUV im Alltag schlägt und ob es vielleicht in einem Jahr unseren privaten Diesel ersetzen wird.
Mit einer Verdreifachung des Absatzes in nur zwei Jahren und einer Marktkapitalisierung, die mittlerweile die von Volkswagen übertrifft, zeigt BYD, dass es ein ernstzunehmender Global Player ist. Im ersten Teil unseres Dauertests werfen wir einen kritischen, aber fairen Blick auf Design, Antrieb, Innenraum und Preis des Seal U.
Bildergalerie: BYD Seal U (2024) im Dauertest, Teil 1
Exterieur und Design
Auf den ersten Blick präsentiert sich der Seal U als klassisches SUV mit gefälligen, aber nicht besonders aufregenden Proportionen. Mit einer Länge von 4,79 Metern, einer Breite von 1,89 Metern und einer Höhe von 1,67 Metern bewegt sich der Seal U in der Mittelklasse und steht in direkter Konkurrenz zu Modellen wie dem Skoda Enyaq oder dem Tesla Model Y.
Die Frontpartie wird von einem großen, geschlossenen Kühlergrill dominiert, der von schmalen LED-Scheinwerfern flankiert wird. Die Seitenlinie wird von einer markanten Sicke geprägt, die sich von den vorderen Kotflügeln bis zu den Rückleuchten zieht. Am Heck fallen die durchgehende Lichtleiste mit tropfenförmigen Rückleuchten und der angedeutete Diffusor auf.
Insgesamt wirkt das Design des Seal U zwar modern, aber auch eher konservativ. Das mag zum einen an den fehlenden Sicken und Kanten liegen, zum anderen bei unserem Testwagen aber auch an der schön klingenden, aber farbschwachen Lackierung in "Tian Qing"-Blau. BYD setzt hier eindeutig auf breite Akzeptanz statt auf polarisierende Extravaganz. Das mag manchen Betrachter nicht vom Hocker reißen, dürfte aber bei vielen potenziellen Kunden gut ankommen.
Motor, Antrieb und Batterie
Unser Testfahrzeug ist die Top-Ausstattung "Design" mit einem 160 kW (218 PS) starken Elektromotor, der die Vorderräder antreibt. Das maximale Drehmoment beträgt 330 Nm. Damit beschleunigt der Seal U in 9,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h. Diese Werte sind für ein Familien-SUV durchaus angemessen, auch wenn sie keine Rekorde brechen.
Besonders interessant ist die von BYD entwickelte Blade-Batterie. In unserem Testfahrzeug kommt die größere Variante mit einer Kapazität von 87 kWh zum Einsatz. Damit verspricht BYD eine WLTP-Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Ein beeindruckender Wert, den wir im Dauertest natürlich genau unter die Lupe nehmen werden.
Die Blade-Batterie verzichtet komplett auf Kobalt und Nickel und soll besonders sicher und langlebig sein. An einer Schnellladesäule lädt der Seal U mit bis zu 140 kW. Damit soll eine Ladung von 30 auf 80 Prozent in rund 28 Minuten möglich sein. An einer 11 kW Wallbox dauert eine Vollladung etwa 9,5 Stunden. Diese Werte klingen vielversprechend, müssen sich aber noch in der Praxis bewähren.
Innenraum und Platzangebot
Im Innenraum des BYD Seal U zeigt sich, dass die Chinesen in Sachen Qualität und Verarbeitung inzwischen aufgeholt haben. Die verwendeten Materialien machen überwiegend einen hochwertigen Eindruck, auch wenn an einigen Stellen noch Hartplastik zu finden ist. Insgesamt dominieren aber weiche Oberflächen und gut verarbeitetes Kunstleder.
Das Cockpit wird von einem 15,6 Zoll großen Touchscreen dominiert, der sich um 90 Grad drehen lässt. Ein nettes Gimmick, das für mich persönlich im Alltag aber keinen relevanten Nutzen hat. Die Bedienung erfolgt größtenteils über diesen Bildschirm, wobei es für wichtige Funktionen wie die Klimaanlage auch physische Tasten oder die Sprachsteuerung via "Hey BYD" gibt. Die Menüführung könnte allerdings intuitiver sein, tatsächlich erinnert sie vor allem an die Homescreens von Android-Tablets.
Das Platzangebot ist sowohl vorne als auch hinten großzügig. Auch große Passagiere finden auf der Rückbank bequem Platz. Der Kofferraum fasst 552 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen sind es 1.440 Liter. Damit bietet der Seal U ausreichend Stauraum für den Familienalltag und auch für längere Reisen.
Preis und Verbrauch
Beim Preis macht BYD der Konkurrenz das Leben schwer. Unser Testwagen in der Topausstattung "Design" kostet 44.990 Euro. Dafür bekommt man ein voll ausgestattetes Fahrzeug und Extras gibt es keine mehr zu bestellen. Ein vergleichbar ausgestatteter Skoda Enyaq kostet deutlich mehr.
Doch wie viele andere Hersteller steht auch BYD vor Herausforderungen. Die EU-Kommission hat eine Untersuchung zu möglichen Strafzöllen auf chinesische Elektroautos eingeleitet, was erhebliche Auswirkungen auf die Preisgestaltung und Wettbewerbsfähigkeit dieser Fahrzeuge in Europa haben könnte.
Der von BYD angegebene Durchschnittsverbrauch liegt bei 20,5 kWh pro 100 Kilometer. Ob sich dieser Wert in der Praxis bestätigt, werden wir in unserem Dauertest genau beobachten. Die ersten Testwochen deuten darauf hin, dass die angegebene Reichweite von 500 Kilometern unter realen Bedingungen schwer zu erreichen sein wird, aber immerhin 420 bis 450 Kilometer möglich sind.
Unerwartete Startschwierigkeiten
Bereits in der zweiten Woche unseres Dauertests erlebten wir aber bereits eine böse Überraschung: Der Seal U ließ sich eines Morgens nicht starten. Ursache war eine schwache 12V-Batterie, die offensichtlich nicht in der Lage war, die Bordelektronik mit ausreichend Strom zu versorgen. Wir mussten das Fahrzeug mit einem externen Booster von außen starten. Ein solches Problem bei einem Neufahrzeug ist ungewöhnlich und wirft Fragen zur Qualitätskontrolle auf. Wir werden diesen Aspekt bei der weiteren Erprobung besonders im Auge behalten.
Fazit des ersten Eindrucks
Nach den ersten Wochen mit dem BYD Seal U lässt sich sagen: Das chinesische Familien-SUV macht einen überwiegend soliden Eindruck, zeigt aber auch einige Schwächen. Es bietet viel Platz, eine gute Ausstattung und eine vielversprechende Reichweite zu einem attraktiven Preis.
Ein Wermutstropfen sind die Startschwierigkeiten aufgrund der schwachen 12V-Batterie, die Fragen nach der Langzeitzuverlässigkeit aufwerfen. In den nächsten zwei Monaten werden wir den Seal U intensiv im Alltag testen. Dabei werden wir besonders auf die Alltagstauglichkeit, den realen Verbrauch und die Zuverlässigkeit achten. Auch die Ladegeschwindigkeit und das Fahrverhalten werden wir genauer unter die Lupe nehmen.
BYD Seal U Design
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