Zum Hauptinhalt springen

Skoda Enyaq 85 Coupé im Test: Alleskönner mit Charme

Er ist schön, praktisch, sportlich und sehr geräumig - aber hat der große Elektriker auch Schwächen?

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bild von: InsideEVs.de

Der Skoda Enyaq Coupé gehört unbestritten zu den stilistisch gelungensten Schöpfungen heutiger Designer. Aber schön sein reicht nicht, vor allem nicht, wenn man ein Skoda ist. Hier zählt für die Kunden vor allem Platz, Praktikabilität und ein gutes Preis/Leistungsverhältnis. Was der dicke Brocken abseits seiner optischen Fähigkeiten tatsächlich drauf hat, haben wir in einem ausführlichen Test herausgefunden.


Springen Sie direkt zu:

Karosserie | Antrieb | Fahrverhalten | Infotainment/Bedienung | Kosten | Fazit


Schnelle Daten Skoda Enyaq Coupé 85
Marktposition Elektrisches Coupé-SUV (Mittelklasse)
Antrieb Heckantrieb
Beschleunigung 0–100 km/h 6,7 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Reichweite (WLTP) 596 km
Stromverbrauch (WLTP komb.) 14,8 - 15,6 kWh/100 km

Karosserie

Der Skoda Enyaq Coupé 85 ist für viele der optisch ansprechendere Enyaq – und nach dem aktuellen Facelift mit der schnittigen neuen Front und den imposanten 21-Zoll-Rädern macht er einen verdammt stimmigen Eindruck. Klar, er ist ein ganz schöner Brocken, aber die Proportionen sind gelungen, so dass er sicher zu den elegantesten Erscheinungen auf unseren Straßen gehört. Und hey, Skoda bleibt den guten alten Bügel-Türgriffen treu – praktisch, sicher und optisch super in die Seitenlinie integriert. So muss das!

Seit dem Facelift trägt der Enyaq auch als Coupé nun das neue nachgeschärfte Markengesicht, wobei das im Falle des Enyaq fast ein bisschen schade ist, denn der alte, hinterleuchtete Plexiglasgrill war irgendwie einzigartig. 

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bilder von: InsideEVs.de
Bilder von: InsideEVs.de

Platz hat der Enyaq Coupé reichlich und ist fast schon ein Raumwunder. Vorn thront man super bequem auf großen Sitzen, mit viel Platz für Knie, Kopf und Ellbogen, aber ohne verlängerbare Sitzfläche. Die ist aber auch nicht dringend nötig. Neben Sitzheizung und -Belüftung verfügen die Sessel auch über eine Massagefunktion, die aber eher symbolisch ist. Die Türverkleidungen sind clever geformt, die Türöffner schon fast skulptural, aber trotzdem gut zu bedienen. Das ist durchaus nicht mehr selbstverständlich.

Auch hinten ist das Platzangebot echt üppig, selbst wenn vorn ein 1,87-Meter-Mann sitzt, findet dahinter locker noch ein zweiter Riese Platz. Die Füße passen gut unter die Vordersitze, und der Kniewinkel ist für ein BEV angenehm entspannt. Auch in der Breite wirkt der Fond sehr geräumig, da kann man wirklich nicht meckern.

Einziges Manko: die Coupé-Form kostet den Heckscheibenwischer. Trotz der schrägen Heckscheibe wünscht man sich das praktische (aber hässliche) Ding durchaus öfter mal. Das große Panoramadach flutet den Innenraum mit Licht, lässt sich aber nicht öffnen und auch nicht abdunkeln. Bei praller Sonne kann es da schon mal warm werden.

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bilder von: InsideEVs.de
Bilder von: InsideEVs.de

Das Ambiente ist ein echter Volltreffer, was gerade im Volkswagen-Konzern auch nicht mehr alltäglich ist. Okay, braunes Leder kombiniert mit schwarzem Kunststoff mag gewöhnungsbedürftig sein, aber die Verarbeitung ist top, wirklich auf Premium-Niveau. Da kann sich so mancher VW oder Audi noch eine Scheibe abschneiden.

Harte Kunststoffe findet man nur ganz weit unten. Und die mit Teppich ausgekleideten Türtaschen und Ablagefächer sorgen dafür, dass nichts klappert. Die feinen Stepp- und Kedernähte der Ledersitze sind ein echter Hingucker, genau wie die sehr gelungene, indirekte Ambientebeleuchtung.

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bilder von: InsideEVs.de
Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bilder von: InsideEVs.de

Ablagen gibt’s im Überfluss: große Türtaschen, induktive Ladeschale für die größten Handys, verstellbare Dosenhalter und weitere zum Teil modulierbare Fächer. Typisch Skoda eben: praktisch, praktisch, praktisch. Auch die Simply Clever Accessoires sind am Start: Mülleimer in der Tür, der legendäre Regenschirm. Einziger Schönheitsfehler: der kultige Eiskratzer in der Ladeklappe fehlt.

Der Kofferraum selbst ist sehr geräumig, aber etwas flach. Dafür punktet ein gigantisches Fach unter dem Ladeboden, da passt alles rein und das Ladekabel hat sogar einen eigenen Platz!

Abmessungen Skoda Enyaq Coupé 85
Gesamtlänge 4.658 mm
Gesamthöhe  1.623 mm
Gesamtbreite 1.879 mm
Sitzplätze 5 Erwachsene
Leergewicht (mit Fahrer) 2.145 - 2.276 kg
Kofferraumvolumen min. / max. 570 l / 1.610 l

Antrieb

Der Antrieb macht richtig Laune, auch wenn die Nennleistung von 210 kW oder 286 PS gerade im Elektrosegment niemanden mehr vom Hocker haut. Die Permanentmagneterregte Synchronmaschine sorgt für spontane und butterweiche Beschleunigung und fühlt sich kräftiger an, als sie ist. Mehr Leistung braucht man eigentlich nie. Im Sportmodus zieht der Enyaq spontan durch und fühlt tatsächlich etwas sportlich an. Das ist alles aus dem Konzernbaukasten bekannt und passt auch hier im Enyaq hervorragend.

Was ein bisschen nervt: Im Normal- oder Komfortmodus ist die Rekuperation immer auf Automatik. Man kann sie zwar kurzfristig verstärken, aber eine dauerhafte manuelle Einstellung gibt’s nur im Individualmodus. Und die adaptive Rekuperation funktioniert leider nicht besonders gut: Rote Ampeln oder Kreuzungen werden ignoriert und auch im Stopp&Go ist die Wirkung der Rekuperation oftmals ungenügend. Da ist der Individualmodus mit selbstgewählter Rekuperationsstärke klar die bessere Wahl.

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bild von: InsideEVs.de

Ein weiterer kleiner Wermutstropfen: Der erste Ladeversuch an einem Schnelllader brachte bei 50 % Akkustand und 15 Grad Außentemperatur leider nur 67 kW Ladeleistung. Das ist durchaus ausbaufähig. Laut Datenblatt sind bis zu 135 kW DC-Ladeleistung möglich, was jetzt auch keine Glanzleistung ist. Die Batterie, eine Lithium-Ionen-Zelle, hat einen Energiegehalt von 77 kWh (netto).

Zum Verbrauch: Innerorts schafft man es unter 20 kWh, über Land sind es sparsame 15,8 kWh. Bei 150 km/h auf der Autobahn pendelt sich der Verbrauch bei 23 bis 24 kWh ein – respektabel, aber keine Rekordwerte.

Technische Daten Skoda Enyaq Coupé 85
Antriebssystem Permanentmagneterregte Synchronmaschine, Heckantrieb
Max. Leistung 210 kW (286 PS)
Max. Drehmoment 545 Nm
0–100 km/h 6,7 Sekunden
Batteriekapazität (netto) 77,0 kWh
Maximale Ladeleistung DC / AC 135 kW / 11 kW
Stromverbrauch (kombiniert) 14,8 - 15,6 kWh/100 km

Fahrverhalten

Grundsätzlich ist der Skoda ein Komfortkünstler, aber mit dem DCC-Fahrwerk lässt er sich unglaublich breit aufstellen. Im Individualmodus kann man ihn butterweich einstellen, dann schwebt er förmlich über Unebenheiten wie ein Luxusliner. Aber auch die härteste der 15 (!) Positionen hält noch einen gewissen Restkomfort bereit, lässt den Enyaq aber sehr flink durch die Kurven wuseln. Die Spreizung ist echt enorm. Und der Wendekreis ist dank Heckantrieb extrem klein, was das Rangieren im Stadtverkehr mit dem doch großen Auto zum Kinderspiel macht.

Dabei hilft auch das tolle Lenkrad. Skoda widersteht hier dem Drang vieler anderer Hersteller, ein klobiges, pseudosportliches Lenkrad zu verbauen. Stattdessen gibt es ein dreispeichiges, filigtanes Sportlenkrad, das zwar mit griffigem, gelochtem Leder bezogen ist, aber erfreulich schlank ausfällt. Es liegt fantastisch in der Hand und fasst sich super an – ein echter Genuss im Vergleich zu manch anderen, überdimensionierten Volants. Auch die mechanischen Tasten und Walzen sind deutlich intuitiver als fummelige Touch-Bedienfelder, auch wenn man bei den Walzen manchmal unabsichtlich drückt.

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bild von: InsideEVs.de

Auch bei hohen Geschwindigkeiten bleibt es im Innenraum angenehm leise, kaum Wind- oder Reifenabrollgeräusche dringen durch. Der automatische Spurwechselassistent des Travel Assist funktioniert erstaunlich schnell, aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen zuverlässig.

Eine große Anzeige im Head-Up-Display gibt aber Aufschluss darüber. Der Lane Assist kann allerdings auch mal abrupt ins Lenkrad greifen, wenn er vermeintliche Linien erkennt. Hier ist Aufmerksamkeit oder eine Deaktivierung ratsam.

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bild von: InsideEVs.de

Infotainment/Bedienung

Hier hat Skoda ein feines Händchen bewiesen und nicht nur auf Touch gesetzt.  Viele physische Tasten für Fahrmodi, Assistenzsysteme (die nervigen lassen sich schnell abschalten) und Klima sind Gold wert. Der große Touchscreen ist hochauflösend, reagiert schnell und dank vieler Favoritentasten super einfach zu bedienen.

Das riesige Head-Up-Display ist beeindruckend, bietet viele Infos in Top-Qualität und ist dank einer cleveren Blende unsichtbar. Sogar Augmented Reality-Navigation funktioniert mit Android Auto und Apple CarPlay – das ist wirklich clever! Ein aktueller Audi A5 kann das alles beispielsweise erstaunlicherweise nicht.

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bilder von: InsideEVs.de
Bilder von: InsideEVs.de

Negativ fällt das winzige Fahrerinformationsdisplay auf, dessen Schriftgröße ältere Augen durchaus herausfordern könnte. Die Bedienelemente für Tempomat und Assistenzsysteme sind am Lenkstockhebel ausgelagert. Das mag ergonomisch sinnvoll sein, aber man sieht den Hebel nicht, und die Bedienung muss man sich erst einprägen.

Die Rückfahr- und 360°-Kameras sind leider ein Schwachpunkt. Die Bilder sind grisselig, wirken wie aus der Steinzeit und sind zudem eicht verzögert. Das ist beim zentimetergenauen Rangieren schlicht gefährlich.

Der Einparkassistent erkennt zwar winzige Lücken, agiert aber extrem zögerlich und langsam. Zudem hat er offenbar Probleme mit Anhängerkupplungen und bremst hier zu spät – fast wäre es zu einer Kollision gekommen. Vorsicht ist hier geboten!

Preis

Mit einem Fahrzeugpreis von 51.150 € und Sonderausstattung für 11.150 € liegt unser Testwagen bei einem Gesamtpreis von 62.990 €. Das ist natürlich viel Geld, aber man bekommt auch eine Menge geboten und Ausstattung sowie Leistung stimmen auch.

Skoda Enyaq Coupé 85 (2025) im Test
Bild von: InsideEVs.de

Der Konzernbruder VW ID.5 mit gleicher Motorisierung beginnt erst bei 56.535 Euro. Mit mindestens 48.900 Euro etwas preiswerter, aber auch schwächer ist der Hyundai Ioniq 5 mit 229 PS, 77,4 kWh und Heckantrieb. Tesla hat natürlich den Dauerbrenner Model Y mit vergleichbarer Motorisierung ab 44.990 Euro im Angebot, während ein Nissan Ariya mit 242 PS, aber 87 kWh schon mindestens 56.990 Euro kostet. 

Fazit

Der Skoda Enyaq Coupé 85 ist ein absoluter Hingucker und ein echtes Wohlfühlauto. Er bietet viel Platz, eine Top-Verarbeitung im Innenraum und einen potenten Antrieb. Das breite Spektrum des Fahrwerks ist beeindruckend, und die vielen cleveren Detaillösungen machen den Alltag leichter. Ja, die Kameras sind ein Ausrutscher, das Fahrerdisplay ist winzig, und die Rekuperation könnte besser sein. Und die Ladeleistung haut heute auch niemanden mehr vom Hocker.

Aber diese kleinen Mankos trüben den Gesamteindruck kaum. Wer einen stilvollen, geräumigen und praktischen Elektro-SUV sucht, der nicht nur gut aussieht, sondern auch richtig was kann, der findet im Skoda Enyaq Coupé 85 einen äußerst attraktiven Begleiter.