Jaecoo 5 EV im Kurztest: Günstiges Elektro-SUV mit viel Ausstattung und begrenzter Reichweite
Der 155-kW-Fronttriebler bietet viel Ausstattung für 32.400 Euro, zeigt aber Schwächen bei Rekuperation und Langstrecke.
Der Jaecoo 5 EV ist das erste reine Elektroauto der zu Chery gehörenden Marke Jaecoo. Wir haben das 4,39 Meter lange Kompakt-SUV mit 155-kW-Frontantrieb und 402 km WLTP-Reichweite nun kurz getestet.
Mit 4,38 Metern Länge ist der Jaecoo 5 EV ein Konkurrent des Hyundai Kona Elektro. Wie dieser ist der Jaecoo ein Fronttriebler, der 155-kW-Antrieb ist für das Segment schon eher stark ausgelegt. Die WLTP-Reichweite von 402 km ist dagegen eher unterdurchschnittlich. Zum Vergleich: Das Basismodell des Kona hat 99 kW und 380 km Normreichweite. Auch beim Schnellladen ist der Jaecoo überlegen; er braucht 34 Minuten für den Standard-Ladevorgang, während für den Kona 38,5 Minuten angegeben werden, obwohl die Batterie kleiner ist. Die Preise für den Jaecoo 5 EV beginnen bei 32.400 Euro, während es den Basis-Kona erst ab 38.340 Euro gibt.
| Jaecoo 5 EV | |
| Antrieb | FWD 155 kW, 288 Nm |
| 0–100 km/h / Höchstgeschwindigkeit | 7,7 Sek. / 175 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 16,5 kWh/100 km |
| Akku netto | ca. 59 kWh LFP |
| WLTP-Reichweite | 402 km |
| DC-Ladedauer 10–80 % | 34 min |
| Basispreis | 32.400 Euro |
Bildergalerie: Jaecoo 5 EV (2027, Bilder zum Test)
Exterieur | Interieur | Fahreindrücke | Preise/Rivalen | Fazit
Exterieur
Im Vergleich zu Modellen von Geely oder BYD ist die Optik des Jaecoo 5 EV deutlich kantiger; die Optik erinnert vage an Land Rover. Von der Seite gesehen sticht die abfallende Dachlinie ins Auge.
Der Ladeanschluss befindet sich rechts vorne, was beim Laden an öffentlichen AC-Säulen praktisch ist, in engen Garagen aber stören kann, da man meist weit rechts einparkt, um links noch aussteigen zu können. Dass der Anschluss vorne liegt, dürfte mit dem Bordlader zu tun haben, der sich im Vorderwagen befindet. Hier hat Jaecoo alle wesentlichen Elektrokomponenten (bis auf Batterie, die sich im Unterboden befindet) in einer 7-in-1-Einheit zusammengefasst. Bemerkenswert ist, dass man trotzdem noch einen kleinen Frunk herausgeschunden hat.
Wenig bemerkenswert ist die Farbpalette: Weiß, Grau, Schwarz und Blau werden angeboten, wobei auch das Blau nach den Bildern auf der Herstellerwebsite recht dezent ausfällt. Die Felgen haben stets die Größe 18 Zoll, die Türgriffe sind als Bügel ausgeführt.
Interieur und Bedienung
Der Jaecoo 5 EV hat ein Keyless-Entry-System: Das Auto entriegelt sich automatisch, wenn man sich dem Schlüssel in der Tasche nähert. Genauso verriegelt er sich, wenn man sich entfernt. Einen Startknopf besitzt der Wagen nicht, man zieht einfach bei betätigter Bremse den Hebel rechts am Lenkrad herunter auf "D" und fährt los – sehr praktisch. Ebenfalls lobenswert: Wenn man vergessen hat, die Außenspiegel einzustellen, ist das zur Not auch noch während der Fahrt möglich, weil man sie mit einem kleinen Joystick an der Türinnenseite justiert. Bei chinesischen Autos ist das selten.
Ein 8,9-Zoll-Instrumentendisplay und ein vertikaler 13,2-Zoll-Touchscreen sind Serie
Ich sehe auf ein kleines Instrumentendisplay, das die wichtigsten Daten anzeigt, und einen senkrecht eingebauten Touchscreen. Die Menüs des 13,2-Zoll-Touchscreens sind übersichtlich aufgebaut, aber für meinen Geschmack ist es zu viel des Guten: Es sind so viele Einstellmöglichkeiten, dass man sich leicht überfordert fühlt.
Der Touchscreen: Wenn man links ein Hauptmenü wählt, erscheinen rechts die entsprechenden Einstellungen. Aber es sind zu viele.
Jaecoo sollte hier etwas ausmisten oder Wichtiges besser von Unwichtigem trennen. Die "Scheibenwischer-Empfindlichkeit" oder der "Temperaturschutz für die Hochvoltbatterie" könnte man vielleicht dem Menüpunkt "System" ganz unten zuordnen – das würde die oberen Menüs entlasten. Auch sind ein paar Übersetzungen noch wenig überzeugend. Dazu gehören die oben erwähnten Menüpunkte, aber auch der Menüpunkt "Neue Energie".
Zudem funktionierte bei unserem Testwagen die Navigation überhaupt nicht – ich wurde stattdessen aufgefordert, mein Handy mit dem Auto zu verbinden. Zur Entschuldigung von Jaecoo muss man erwähnen, dass es sich um ein Händlerfahrzeug handelte; die Testwagen kamen aus unklaren Gründen nicht durch den Zoll.
Die Materialien machten einen sehr guten Eindruck; es gibt viele hinterschäumte Oberflächen und schicke Ziernähte an den elektrisch einstellbaren Ledersitzen, die bei der gefahrenen Version Exclusive serienmäßig an Bord sind. Gut gefallen hat mir auch das riesige Glasdach der Exclusive-Version: Es reicht bis über die Köpfe der Fondpassagiere und lässt sich per elektrischem Rollo abschatten.
Das (feststehende) Glasdach reicht bis über die Köpfe der Fondpassagiere
Im Fond habe ich als 1,76 Meter großer Testpassagier mit eher kurzen Beinen ausreichend Kniefreiheit, wenn ich den Fahrersitz vor mir auf meine Größe einstelle. Das ist allerdings auch der nach innen gewölbten Form der Vordersitze zu verdanken. Ein 1,80 Meter großer Kollege bemängelte dagegen den etwas beengten Platz hinten. Über dem Kopf bleibt genug Raum – kein Wunder, der Jaecoo ist ja 1,65 Meter hoch und eher eckig gebaut.
Der Kofferraum bietet ein Volumen von 384 bis 1.284 Liter nach VDA-Norm. Das ist deutlich weniger als beim etwa gleich großen Opel Frontera Electric (460 bis 1.600 Liter), aber auch etwas weniger als beim Hyundai Kona (466 bis 1.300 Liter). Aber solche Vergleiche muss man mit Vorsicht betrachten, da nicht alle Hersteller mit der gleichen Methode messen.
Optisch wirkt das Gepäckabteil jedenfalls groß und gut nutzbar. Schön finde ich, dass es keine störende Schwelle gibt, die beim Herausziehen von schweren Getränkekisten stört. Unter dem Ladeboden gibt es noch ein recht voluminöses Fach, das allerdings unverkleidet ist – es handelt sich offenbar um die Ersatzradmulde.
Übrigens darf man mit dem Jaecoo 5 EV auch bis zu 750 kg schwere Anhänger ziehen. Ob man auch E-Bikes auf einem Heckträger transportieren kann, blieb offen, da der Hersteller uns die Stützlast nicht nennen konnte.
Fahreindrücke
Schon auf den ersten Metern fiel mir auf, dass die Lenkung Unebenheiten im Asphalt ungefiltert weitergibt; manchmal folgt sie auch Kanten im Belag. Am Fahrwerk fand ich dagegen auf meiner kurzen Testfahrt durch die Stadt nichts auszusetzen.
Was mir nicht gefallen hat, ist die Rekuperation: Erstens lässt sie sich nur über den Touchscreen einstellen, wozu drei Fingertipps nötig sind. Das lenkt gehörig vom Verkehrsgeschehen ab. Zweitens gibt es kein One-Pedal-Driving: Weder ist die Rekuperation stark genug, um im fließenden Verkehr ohne Bremspedal auszukommen, noch gelangt man allein durch Gas-Wegnehmen bis zum Stillstand. Und drittens reagiert das Gaspedal in den Rekuperationsmodi Mittel und Stark so empfindlich, dass man schon bei der kleinsten Bewegung in die Rekuperation rutscht. Obwohl ich sonst gern mit starker Rekuperation fahre, würde ich hier die Stufe Niedrig wählen.
Die Beschleunigung konnte ich nur auf einem kurzen Stück ausprobieren: Wie bei 155 kW nicht anders zu erwarten, reißt sie einen nicht vom Hocker – aber das liegt sicher zum Teil daran, dass die meisten Elektroautos, die ich teste, stärker sind.
Jaecoo 5 EV (2027)
Und der Stromverbrauch? Meine Runde war kurz, mir waren die Fotos wichtiger. Aber der Kollege, der das Auto vor mir fuhr, machte eine längere Tour. Laut Display fuhr er knapp 113 km, wobei er 19,1 kWh/100 km benötigte. Der Normverbrauch liegt bei 16,5 kWh/100 km, wobei der Autobahnverbrauch in der Regel ein Viertel bis ein Drittel höher liegt. Wenn der Kollege relativ viel Autobahn gefahren ist, läge der Verbrauch also im Bereich des Normalen.
Preise und Rivalen
Der Jaecoo 5 EV bietet schon in der Basisversion Select alles, was man braucht und noch ein wenig mehr. Auch die bei vielen Basisversionen der Konkurrenz noch fehlende Sitz- und Lenkradheizung ist hier Serie. Der Preis von 32.400 Euro ist günstig, wie schon der Vergleich mit dem Basis-Kona für über 38.000 Euro zeigt. Eine noch günstigere Alternative wäre vielleicht der etwas kleinere Leapmotor B03X Pro Max mit 382 km Reichweite für 29.400 Euro. Wenn es nur um die urbane Mobilität geht, kann man auch den Opel Frontera Electric mit kleiner Batterie für 29.340 Euro in Betracht ziehen, muss sich dann aber mit 83 kW und 307 km Reichweite begnügen.
Fazit
Einige Schwächen des Jaecoo 5 EV lassen sich schon an den Daten ablesen. Dazu gehört vor allem die Reichweite von 402 km. Zum Vergleich: Der ähnlich große Nissan Leaf schafft in der Version mit großem Akku über 600 km.
Ob einem rund 400 km reichen, muss jede und jeder selbst wissen. Laut EV-Database kann man bei dem Auto im Worst Case (bei minus 10 Grad, eingeschalteter Heizung und konstant 110 km/h) mit einer Reichweite von etwa 230 km rechnen. Für viele Tagesausflüge sollte das reichen, und zur Not muss man eben irgendwo nachladen. Wenn man mit dem Auto primär Torf vom Gartencenter holen will oder die Kinder zum Sport bringt, dann reicht der Jaecoo allemal.
Dass man die Außenspiegel per Knöpfchen einstellen kann, ist ein Plus, die wenig überzeugende Rekuperation wäre für uns ein Gegenargument. Alles in allem haben wir nichts gefunden, bei dem wir sagen würden: Das geht ja gar nicht.
Bleibt noch die Gretchenfrage: Wie steht es mit Ihrem Vertrauen in eine Newcomer-Marke, die in Deutschland kaum jemand kennt? Ein wenig entlastet vielleicht die Möglichkeit des Leasings – damit ist man das Auto nach ein paar Jahren wieder los. Aber gefühlt ist das Risiko, dass es die Marke dann nicht mehr gibt, eben größer als bei Opel oder Hyundai.
Quelle: EV-Database
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