Das regenerative Bremssystem aller Fahrzeuge auf Basis des Modularen Elektro-Baukastens (MEB) kommt vom Zulieferer ZF. Das betrifft zunächst die aktuellen Modelle VW ID.3 und ID.4, so ZF.

Doch auch die künftigen MEB-Fahrzeuge sollen das System bekommen, also die geplanten VW-Modelle wie den bereits offiziell bestätigten ID.5 oder den Elektro-Bus, den Skoda Enyaq und die Seat-Version des ID.3, den Cupra el-Born. Der Auftrag umfasst die Ausrüstung mehrerer Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns, erklärt ZF. 

Serienmäßig wird bei all diesen Autos die neueste Generation eines Bremsregelsystems von ZF eingesetzt, wie das in Friedrichshafen am Bodensee ansässige Unternehmen nun mitteilt. Das System dient zur Rückgewinnung von Bremsenergie und spart so Energie.

In einem Interview mit der FAZ sagte ZF-Chef Wolf-Henning Scheider, offenbar mit Bezug auf das VW-System: "Ein Beispiel ist ein ZF-Bremssystem, das durch die beste Energierückgewinnung im Markt die Reichweite um bis zu 15 Prozent vergrößert. Das kann zwischen 50 und 120 Kilometer mehr Reichweite bedeuten."

Bei der Rekuperation soll sich das Bremspedalgefühl nicht verändern. Ein anderes Bremsgefühl beim Wechsel von der elektromagnetischen Bremse zur mechanischen Scheiben- oder Trommelbremse gehört bei vielen Elektroautos und Plug-in-Hybriden zu den spürbaren Nachteilen der Bremsenergierückgewinnung.

Technisch basiert die ZF-Bremsregelung auf einer Kombination von elektronischem Bremskraftverstärker (EBB) und elektronischer Stabilitätskontrolle (ESC). Auch Assistenzsysteme wie die automatische Notbremsung werden unterstützt. Dabei werden die EuroNCAP-Sicherheitsstandards erfüllt, die nach den neuen Testprotokollen einen stärkeren "Boost" erfordern, um die Bremskraft schneller und dynamischer bereitzustellen.

Außerdem ersetzt die Lösung bisher nötige mechanische Komponenten durch Softwarefunktionen, was Gewicht und Kosten spart, so ZF. Beispielsweise kann auf eine mechanische Parksperre im Antrieb verzichtet werden. Eine Softwarefunktion sorgt dafür, dass das Fahrzeug im Parkmodus von der elektrischen Parkbremse festgehalten wird. Diese Funktion wird innerhalb des ESC und redundant in der EBB-Einheit gesteuert. Das spart Gewicht und Kosten.

Will keine reinen Verbrenner-Produkte mehr entwickeln lassen: ZF-Chef Wolf-Henning Scheider

Wird das System nur an einen einzelnen Hersteller verkauft? Auf diese Frage antwortete Scheider im erwähnten FAZ-Interview: "Nein. Unser System ist Teil einer neuen ZF-Architektur, die weltweit in Elektro-Plattformen eingehen wird. In den VW ID3 wird es bereits eingebaut, danach auch in andere Modelle des MEB-Baukastens im gesamten VW-Konzern. Weitere Hersteller gehen damit sukzessive in Serie, in Europa, in Amerika und in China." Das klingt für uns, als wolle ZF nicht nur Audi, VW, Seat und Skoda beliefern, sondern auch andere Kunden.

Generell stellt man sich bei ZF darauf ein, "dass man in Europa im Jahr 2035 kaum noch Verbrenner verkaufen wird, im Pkw-Bereich vielleicht gar keine mehr", so ZF-Chef Scheider in dem Interview. Daher will ZF keine Komponenten mehr entwickeln, die ausschließlich für Verbrenner geeignet sind. 

Was die übrigen Antriebskomponenten von MEB-Autos angeht, so ist bekannt, dass etwa die Batterie des ID.3 von LG Chem stammt, wie Automotive Logistics Ende 2019 meldete. Danach werden die Zellen in einem polnischen Werk bei LG Chem gefertigt, in Braunschweig zu Modulen zusammengebaut und dann in Zwickau im ID.3 montiert. Später (ab 2023 oder 2024) will VW seine eigenen Batteriezellen in einem neuen Werk in Salzgitter bauen, wo derzeit schon eine kleine Pilotfertigung läuft, wie wir 2019 bei Motor1.com berichtet haben.

Bildergalerie: ZF-Bremssystem für MEB-Fahrzeuge