Schwere PHEVS mit wenig elektrischer Reichweite bieten kaum Vorteile, so die Tester

Green NCAP ist sozusagen die Öko-Abteilung des Crashtest-Gremiums Euro NCAP. Hinter beiden Gremien stecken europäische Automobilclubs wie der ADAC, europäische Verkehrsministerien und die FIA. Nun haben die Green-NCAP-Experten 25 Fahrzeuge auf Umweltfreundlichkeit geprüft, darunter der VW ID.3, der Hyundai Nexo mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technik und drei Plug-in-Hybride sowie 19 Autos mit Verbrennungsmotor.

Dass Elektroautos in Sachen Umwelt die Nase vorn haben, belegt laut Green NCAP der VW ID.3, der die Höchstwertung von 5 Sternen erhält. Der Nexo erreichte mit seiner Brennstoffzellen-Technik ebenfalls 5 Sterne. Er erwies sich als genauso sauber wie ein Elektroauto und fast genauso energieeffizient.

Hyundai Nexo
Hyundai Nexo an der Wasserstoff-Tankstelle

Die Sache mit der Energieeffizienz könnte Stirnrunzeln hervorrufen. Denn Wasserstoffautos werden oft wegen ihrer geringen Energieeffizienz kritisiert – schließlich muss der Wasserstoff erst hergestellt, transportiert und dann in Strom zurück gewandelt werden. Doch Green NCAP hat vermutlich nur den Wasserstoff-Verbrauch auf dem Prüfstand getestet, nicht den gesamten Energieverbrauch inklusive Herstellung und Transport des Wasserstoffs. Unbestritten dürfte sein, dass Wasserstoffautos wie der Nexo eine schnelle Betankung bieten, wie die Tester sagen. 

Die Reichweite des Nexo wird laut Green NCAP "von keinem Elektrofahrzeug erreicht". Vermutlich ist gemeint: von keinem E-Auto, das bisher von Green NCAP getestet wurde. Im Test ergab sich beim Nexo eine Reichweite von durchschnittlich 495 km, beim ID.3 waren es nur 296 km. Dabei wurde allerdings der ID.3 Pro mit 150 kW getestet, also eine Version mit der mittelgroßen Batterie (58 kWh); die 77-kWh-Versionen bieten natürlich höhere Reichweiten. Rechnet man die Reichweite des ID.3 allerdings auf die 77-kWh-Variante hoch (Multiplikation mit etwa 1,3), ergibt sich auch nur etwa 400 km Reichweite, und damit deutlich weniger als beim Nexo. 

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Die Plug-in-Hybride schnitten sehr unterschiedlich ab. Der Toyotas Prius Plug-in Hybrid überzeugte die Tester am meisten und erhielt 4 Sterne – mehr als alle konventionell angetriebenen Autos im Test. Der Kia Niro folgt dicht dahinter mit 3½ Sternen. Der Mitsubishi Outlander PHEV (in der neuen Version mit 2,4-Liter-Benziner) dagegen erreichte nur 2 Sterne, und damit weniger als einige der Euro-6-konformen Benzin- und Dieselfahrzeuge.

Kritisiert wurden die hohen Kohlenmonoxid-Emissionen auf der Autobahn und bei niedriger Temperatur. Außerdem baut Mitsubishi offenbar keinen Partikelfilter ein. So erhielt der Mitsubishi bei den "Clean Air Tests" nur 3,9 von 10 Punkten. Auch im Energieeffizienz-Test erhielt der Wagen nur 3 von 10 Punkten – wegen seines hohen Gewichts und der geringen aerodynamischen Effizienz verbraucht er besonders auf der Autobahn viel.

TCE-Untersuchung zu Plug-in-Hybriden (Bildquelle: Motor1 Deutschland)

Schon in einer Studie der Umweltorganisation Transport&Environment hatte sich gezeigt, dass Plug-in-Hybride in der Realität oft wesentlich mehr CO2 ausstoßen als offiziell angegeben. Das ist angesichts der offiziellen Bestimmungen zur Berechnung der CO2-Emissionen bei Plug-in-Hybriden kein Wunder. Allerdings wurden damals sogar CO2-Emissionen im Elektromodus gemessen. Bei dieser Studie lag der Mitsubishi aber immerhin besser als andere große PHEVs wie der BMW X5 und der Volvo XC60.  

Euro-NCAP-Chef Niels Jacobsen kommentierte die Testergebnisse so: "Die Verbraucher könnten denken, dass sie mit dem Kauf eines PHEV-Fahrzeugs und dessen ständiger Aufladung einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, aber diese Ergebnisse zeigen, dass dies nicht unbedingt der Fall ist."

"Der Outlander zeigt, dass ein großes, schweres Fahrzeug mit einer begrenzten Reichweite wahrscheinlich keinen Vorteil gegenüber einem konventionellen Auto bietet." (Euro-NCAP-Chef Niels Jacobsen)

Der Outlander zeige, dass "ein großes, schweres Fahrzeug mit einer begrenzten Reichweite wahrscheinlich keinen Vorteil gegenüber einem konventionellen Auto bietet." Doch für alle PHEVs gelte, "dass sie regelmäßig aufgeladen und so viel wie möglich mit Batteriestrom gefahren werden müssen."

Der Toyota Yaris Hybrid unterstreicht mit immerhin 3½ Sternen die Kompetenz von Toyota. Gleich gut schnitten jedoch zwei konventionell angetriebene Autos ab, der Skoda Octavia Combi 2.0 TDI und der VW Golf 1.5 TSI. Sie erzielten die besten Ergebnisse, die bisher von nicht-elektrifizierten Autos erzielt wurden.

Jacobsen kommentierte: "Die Euro-6-Gesetzgebung hat einen echten Unterschied gemacht. Zum ersten Mal sehen wir, dass Autos im realen Fahrbetrieb das halten, was sie auf dem Prüfstand versprechen, und wir sollten den Autoherstellern und Emissionsingenieuren zu den großen Fortschritten gratulieren, die sie in den letzten Jahren gemacht haben."

Hier alle Ergebnisse in der Übersicht, mitsamt Links zu den detaillierten Ergebnissen:

Bildergalerie: Hyundai Nexo (2018)