In sechs Minuten voll geladen, in drei Minuten zu 80 Prozent

Mitte März wurde bekannt, dass Varta künftig auch Batteriezellen für Elektroautos produzieren will – denn bisher fertigte der deutsche Hersteller hauptsächlich Akkus für Elektro-Geräte wie Bluetooth-Kopfhörer und natürlich die allseits bekannten Haushaltsbatterien. Nun stellt Varta seine Elektroauto-Zelle im Format 21700 vor. Sie trägt den Namen V4Drive (ausgesprochen "We for drive").

Die zylindrische Bauform mit 21 Millimeter Durchmesser und 70 Millimeter Länge gehört zu den am häufigsten verwendeten Formaten. Sie kommt unter anderem auch im Model 3 zum Einsatz. Im Vergleich zur ebenfalls oft verwendeten Form 18650 (die im Model S eingebaut wird) ist das Volumen noch größer, weswegen wenig Platz für passives Material wie die Wand der Zelle und dergleichen verloren geht.

Eine Besonderheit der Varta-Zelle ist, dass sich die Zelle innerhalb von sechs Minuten voll laden lässt. Dies trifft aber nur auf eine Power-Version der Zelle zu, so Varta-Chef Herbert Schein in dem obigen Video. Wenn sich eine Zelle in sechs Minuten laden lässt, dann könnte man vielleicht eines Tages auch eine ganze Batterie in der Zeit laden, in der man einen Benziner betankt, legt das Video nahe.

Beim Schnellladen in sechs Minuten soll sich die Zelle nur wenig erwärmen, da sie einen besonders niedrigen Innenwiderstand biete. Die Temperatur der Zelle soll dabei nur auf 34 Grad steigen. Das bedeutet, dass auch ein noch schnelleres Laden möglich ist. So kann die Zelle in drei Minuten zu 80 Prozent geladen werden.

Zur Chemie der Zelle macht Varta in dem Video keine Angaben. Im Video ist an der Aufschrift der Zelle abzulesen, dass sie offenbar 3,6 Volt Spannung erzeugen soll. Das entspricht der Nennspannung eines Akkus mit LiCoO2- oder Li2FePO4F-Kathode. Aber auch NMC-Zellen (LiNixMnyCozO2) und NCA-Zellen mit Aluminium (LiNixCoyAlzO2) erzeugen 3,6 Volt. Ein Lithium-Eisenphosphat-Akku dagegen erzeugt nur 3,3 Volt. 

Die Zelle soll auch bei niedrigen Temperaturen gut funktionieren. Als Einsatzgebiet stellt sich Varta vor allem Premium-Fahrzeuge und Sportwagen vor, da hier schnelles Laden und schnelle Energieabgabe wichtig sind. Aber auch wenn ein beladener 40-Tonner eine Vollbremsung hinlegt, muss viel Energie schnell aufgenommen werden – auch über einem Megawatt. Außerdem kann sich Varta einen Einsatz als kleiner Zusatz-Akku zum schnellen Rekuperieren und Boosten vorstellen. Das lässt darauf schließen, dass die Zelle zwar leistungsfähig, aber auch teuer ist.

Aber die Zelle ist nicht ausschließlich für Elektroautos gedacht, sondern auch für starke Akku-Schlagbohrmaschinen und ähnliches. Heutige Power-Tools brauchen etwa 30 Minuten zum Aufladen, doch die Varta-Zelle soll es in der halben Zeit schaffen, so Varta-Manager Reiko Stutz in dem Video. Das gibt möglicherweise einen Hinweis auf die Ladezeit der Standard-Zelle: 15 Minuten.

Eine weitere anspruchsvolle Anwendung sind Drohnen. Daher will Varta die Leistungsfähigkeit seiner 21700-Zelle in Vorführungen des Drohnen-Piloten Andres Aguilera unter dem Titel emPower the Future zeigen.

Ab Ende 2021 will Varta die neue Zelle in einer Pilotlinie fertigen. Angaben zum Zeitpunkt der Serienproduktion machte Varta nicht. Doch die 21700-Zelle soll offenbar nur "ein erster Schritt" in Richtung Elektromobilität sein. Zellen mit größerem Format seien der nächste Schritt, so Varta-Chef Schein. Das könnte eine Anspielung auf Teslas 4680-Zelle sein, die noch dicker und länger als die 21700-Zelle ist. Die fehlende Null bei 4680 darf einen hier nicht stören, denn die Zellen werden auch mit der Zahl 46800 bezeichnet.

Wie eine 21700-Zelle aus dem Tesla Model 3 innen aussieht, zeigt dieses Video: