Wegen schlechter Gewinnaussichten streicht Varta seine geplante Fabrik für Elektroauto-Batterien. Die Fertigung der V4Drive genannten 2170-Zellen wird aber nicht komplett aufgegeben. Die bestehenden Produktionsanlagen werden weiter betrieben, um den Vertrag mit "einem Premium-Automobilhersteller" zu erfüllen. Dieser Kunde ist offenbar Porsche, meldet unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Der Bau der geplanten neuen Fabrik soll erst fortgesetzt werden, wenn sich weitere Kunden finden. Varta will die Kosten im kommenden Jahr um 40 Millionen Euro senken. 

"Globale Krisen mit den daraus resultierenden steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, pandemiebedingte Produktionsunterbrechungen auf Kundenseite, geringe Verfügbarkeit von Halbleitern sowie negative Konsumentwicklungen belasten das Unternehmen weiterhin. 

In Reaktion darauf hat der Vorstand der Varta AG ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Kostensenkung und Profitabilitätssteigerung gestartet und arbeitet an weitreichenden Lösungskonzepten. Der Fabrikneubau für die Rundzelle/V4Drive wird erst nach verbindlichen Kundenzusagen fortgesetzt. Der Betrieb der ersten Serienfertigungsanlage wird planmäßig fortgesetzt und stellt zukünftig die Zellen bereit, um den OEM-Vertrag mit einem Premium-Automobilhersteller zu erfüllen." (Varta)

Der Firmenname Varta ist eine Kurzform für Vertrieb, Aufladung, Reparatur Transportabler Akkumulatoren. Das bereits 1884 gegründete Unternehmen stellte bisher vor allem Batterien und Akkus für Elektrogeräte her (siehe unser Titelbild). Auch in den kabellosen Kopfhörern von Apple stecken Varta-Knopfzellen. Im März 2021 gab Varta jedoch bekannt, dass man auch Elektroautos bestücken will, wie die Wirtschaftswoche damals meldete. Damit sollte wohl auch die Abhängigkeit von Apple verringert werden.

Im April 2021 stellte Varta die neue Zelle dann offiziell vor (siehe Video oben). Eine Pilotlinie wurde am Hauptsitz des Unternehmens im schwäbischen Ellwangen aufgebaut und Ende 2021 in Betrieb genommen. Die Serienproduktion sollte 2023 beginnen; für den Bau der Fabrik wollte Varta bis zu 500 Millionen Euro investieren. Ab 2024 sollten schon 100 bis 200 Millionen Zellen jährlich herstellt werden.

Die neue Zelle wollte der damalige Varta-Chef Herbert Schein Autoherstellern anbieten, und zwar zuerst den "hier ansässigen". Das bedeutete offenbar, dass zuerst Porsche und Mercedes gefragt werden, denn beide sitzen ebenfalls in Baden-Württemberg. Das Profil dieser Marken passt ideal zu den Stärken der neuen Zelle, die laut Varta besonders für Sportwagen und den Premiumbereich geeignet ist. Denn: "Die Batterie gibt in kürzester Zeit viel Kraft ab, etwa für die Beschleunigung." Dass Kunden gefunden werden, war für Schein keine Frage: "Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr noch die ersten Kunden präsentieren können", so Varta-Chef. 

Die Zelle eigne sich für Hochvoltbatterien von Elektroautos, am besten in Kombination mit einem Range-Extender-Motor oder einer Brennstoffzelle. Ferner sei die Batteriezelle prädestiniert für eine kurzzeitige Boost-Funktion.

Die 2170-Bauform gehört zu den wichtigsten zylindrischen Zellen. Die Zelle ist mit 21 Millimeter Durchmesser und 70 mm Höhe größer als die traditionelle Tesla-Bauform 1865 (18 mal 65 mm), aber kleiner als die neuen 4680-Zellen (46 mal 80 mm). Größere Zellen sorgen für eine höhere Energiedichte, da das Verhältnis zwischen Zellgröße und inaktivem Material (für den Mantel) günstiger ist.

Das im Tesla Model S verwendete Format 1865 bietet 250 Wh/kg, mit dem Format 2170 sind bis zu 300 Wh/kg möglich, so eine Studie des Maschinenbauverbands VDMA von 2018 (zitiert nach einem Artikel in Elektronikpraxis). Volumetrisch (also in Wh/Liter) ist die Steigerung der Energiedichte noch größer. Auf der Negativseite steht, dass die Kühlung schwieriger wird und dass die Neigung zum thermischen Durchgehen größer ist.