Haben die getöteten Insassen fälschlicherweise geglaubt, er wäre aktiviert?

Am 17. April kamen zwei Insassen eines Tesla Model S in Texas zu Tode. Seit die Polizei davon sprach, dass zum Unfallzeitpunkt keine Person auf dem Fahrersitz saß, wird gemutmaßt, dass einer der Insassen den Autopilot aktiviert und im Vertrauen auf das autonome Fahrsystem den Fahrersitz verlassen hatte. Nach dem vorläufigen Untersuchungsbericht der US-Verkehrssicherheitsbehörde ist dieses Szenario nun unwahrscheinlicher geworden.

Laut Bericht des NTSB (National Transportation Safety Board) war das Model S P100D von 2019 mit dem Autopilot ausgestattet. Tests mit einem gleichartigen Fahrzeug am Unfallort zeigten, dass zwar die Traffic Aware Cruise Control (der Abstandstempomat) eingeschaltet werden konnte, aber die Autosteer-Funktion nicht verfügbar war. Damit dürfte der Autopilot nicht aktiv gewesen sein, denn dieser setzt sowohl eine aktivierte Traffic Aware Cruise Control als auch aktiviertes Autosteer voraus.

Der Bericht stützt insofern die Aussagen von Elon Musk, der nach dem Unfall getwittert hatte, der Autopilot könne an der Unfallstelle nicht aktiviert werden:

 

Aus der Pressemeldung des NTSB geht nicht hervor, ob die Insassen möglicherweise fälschlich davon ausgegangen sind, dass der Autopilot aktiv war. Das wäre interessant zu wissen, denn wenn sie gewusst hätten, dass der Autopilot nicht aktiv war, hätten sie sich wohl kaum vom Fahrerplatz entfernt – es sei denn, in selbstmörderischer Absicht. Eine gesicherte Rekonstruktion des Unfallhergangs lässt der NTSB-Bericht also wohl noch nicht zu.

Dem Bericht zufolge geschah der Unfall sehr nahe am Wohnsitz des Tesla-Besitzers. Aufnahmen von den Sicherheitskameras des Hauses zeigen, wie der Tesla-Eigentümer auf dem Fahrersitz Platz nimmt, und wie der Beifahrer auf den Beifahrersitz steigt. Das Video zeigt auch, wie die beiden langsam losfahren. Das Auto fuhr jedoch nur etwa 170 Meter weit, bevor es in einer Kurve von der Straße abkam und gegen zwei Schächte sowie einen Baum prallte.

Das Feuer nach dem Unfall zerstörte laut NTSB das Datenspeichergerät des Tesla – daher lassen sich daraus wohl keine Informationen mehr gewinnen. Das beschädigte Datenspeicherungs-Modul des Rückhaltesystems, wird derzeit noch ausgewertet. Es könnte Informationen zur Fahrzeuggeschwindigkeit, zu Beschleunigung und zum Status der Gurte und Airbags liefern. Ebenfalls noch vom NTSB ausgewertet werden Daten zur Unfalldynamik und Ergebnisse toxikologischer Tests an den Leichen.