Sicherheitssystem kann mit einem Trick umgangen werden

Teslas autonomes Fahrsystem Autopilot ist wieder im Gespräch. Nach einem tödlichen Unfall mit einem Model S in Texas, bei dem niemand auf dem Fahrersitz saß, hat nun die Verbraucherschutz-Organisation Consumer Reports (CR) gezeigt, dass man den Autopilot tatsächlich austricksen kann: Das Auto fährt auch ohne dass jemand am Steuer sitzt.

Für den Test schickte CR ein Model Y aus dem Modelljahr 2020 auf eine abgesperrte Teststrecke. Jake Fisher, der Verantwortliche für Tests bei CR, setzte sich auf den Fahrersitz. Er nahm dabei auf dem geschlossenen Sicherheitsgurt Platz – denn der Autopilot schaltet sich ab, wenn der Sicherheitsgurt des Fahrers nicht geschlossen ist. Eine weitere Testperson saß auf dem Rücksitz.

Der Fahrer aktivierte den Autopiloten während der Fahrt und regelte das Tempo dann (mit dem Regler am Lenkrad) auf 0 herunter. Als das Auto zum Stillstand gekommen war, befestigte Fisher eine beschwerte Kette am Lenkrad, um das Gewicht der Fahrer-Hand zu simulieren. Dann rutschte auf den Beifahrersitz hinüber, ohne eine Tür zu öffnen, da auch dies den Autopiloten deaktiviert. Mithilfe des Lenkradreglers erhöhte Fisher dann das Autopilot-Tempo – und siehe da, das Auto fuhr an.

Das Ganze ließ sich mehrfach wiederholen. Offenbar verlasse sich Tesla  nur auf die Lenkrad-Sensoren, die sich mit einem Gewicht aber leicht austricksen lassen, wie im obigen Video gezeigt. Das System überprüfte offenbar nicht, ob ein Gewicht auf dem Fahrersitz lastete, obwohl die Sensoren dafür wegen der Gurtwarnung ohnehin im Auto seien, so die Verbraucherschützer.  Tesla stellte auch nicht per Kamera fest, dass der Fahrer auf die Fahrbahn guckt.

General Motors stellt dies bei seinem Supercruise-System mit einer Infrarot-Kamera sicher. Das System bremst sogar bis zum Stillstand ab, wenn niemand am Steuer sitzt, erklärt CR.

CR warnte davor, das Experiment nachzumachen. Damit würde man sich und andere in Lebensgefahr bringen.

Wie das Wall Street Journal am Sonntag berichtete, kamen am 17. April zwei Männer in einem Tesla Model S bei einem Verkehrsunfall in Texas ums Leben. Nach Aussage der Polizei saß offenbar keiner von beiden am Steuer, sondern einer auf dem Rücksitz und einer auf dem Beifahrersitz. So wurde zunächst vermutet, dass die Männer sich auf den Autopilot verlassen hätten.

Doch nach einem Tweet von Tesla-Chef Elon Musk sollen die Datenprotokolle aus dem Unfallfahrzeug zeigen, dass der Autopilot gar nicht aktiviert war. Der im Auto verbaute einfache Autopilot ohne fortgeschrittene autonome Funktionen (ohne Full Self Driving, FSD) hätte sich auf der Straße, wo sich der Unfall ereignete, auch nicht aktivieren lassen, da es dort keine Fahrspuren gab.

 

Tesla-Chef Elon Musk antwortete darauf mit folgendem Tweet:

 

Ein anderer Twitter-Nutzer postete daraufhin ein Video, in dem offenbar ein Tesla autonom fährt, ohne dass sich jemand auf dem Fahrersitz befand:

 

Egal was bei dem Unfall in Texas geschah: Der Test von CR zeigt, dass bei Teslas Autopilot etwas im Argen liegt. Die renommierte US-Verkehrssicherheits-Institution Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) empfiehlt, dass alle Fahrzeuge, die halbautonom fahren, auch über Systeme verfügen sollten, die sicherstellen, dass der Fahrer anwesend ist und auf die Straße schaut.