Eine wichtige Neuheit, die Volvo auf seinem "Tech Moments"-Event am vergangenen Mittwoch bekannt gab, haben wir noch nicht berichtet: Der XC90-Nachfolger (der 2023 ausschließlich als Elektroauto auf den Markt kommt) wird serienmäßig über Lidar-Technik verfügen. 

Das erste SUV auf Basis einer neuen Plattform wird die von Luminar entwickelte Hardware erhalten; die Software dazu kommt von Zenseact, einer schwedischen Firma, die wie Volvo zu Geely gehört. Außerdem gehört ein autonomer Fahrcomputer von Nvidia zu dem System.

Durch die moderne Technik wird unsupervised driving möglich, also eine Stufe des autonomen Fahrens, bei dem der Fahrer nicht mehr stets die Verkehrssituation überwachen muss (wie derzeit beim autonomen Fahren auf Level 2). Diesen Modus nennt Volvo "Ride" (im Gegensatz zu Drive (Fahren ohne Unterstützung) und Cruise (Fahren mit den heute oft eingebauten Assistenzsystemen wie Abstandstempomat und Spurführung).

Volvos Sicherheitstechnik: Die Modi Drive, Cruise und Ride

Die Technik soll Unfälle vermeiden helfen und das autonome Fahren näher bringen. Anfangs soll die autonome Technik allerdings nur eingreifen, wenn der Fahrer auf Warnungen nicht reagiert, so Volvo:

"Die Kombination aus fortschrittlicher Hardware und der Software von Volvo, Zenseact und Luminar knüpft ein engmaschiges Sicherheitsnetz. Dadurch lassen sich noch mehr Kollisionen vermeiden, was die Zahl der Verkehrstoten und -unfälle weiter reduziert. Mit der Zeit kann das Fahrzeug dank seiner Soft- und Hardware sogar selbstständig eingreifen, wenn der Fahrer in lebensbedrohlichen Situationen nach wiederholten Warnungen nicht reagiert. Die Systeme funktionieren wie ein zusätzliches Paar Augen und ein zweites Gehirn – der Fahrer behält dabei aber immer die volle Kontrolle." (Volvo-Pressemitteilung)

Um sicherzustellen, dass der Fahrer die Situation überwacht, wird es ein neues Fahrer-Überwachungssystem geben, das aus einem kapazitiven Lenkrad und gleich zwei Kameras basiert:

Volvos Zukunftstechnik (2021)

Die Lidar-Technik wird die bisher in vielen Autos schon vorhandenen Sensoren (Kameras, Radar und Ultraschall) ergänzen und damit die Verkehrssicherheit verbessern. Der Lidar-Sensor wird am oberen Rand der Frontscheibe auf dem Dach sitzen. Die Reichweite bei der Erkennung von Hindernissen hängt von den Reflexionseigenschaften des Objekts ab. Bei einem entgegenkommenden Auto liegt sie bei rund 230 bis 300 Metern, so Zenseact-Chefin Ödgärd Andersson bei dem Event.

Zu den Vorteilen der Technik gehört das hohe räumliche Auflösungsvermögen. Das horizontale und vertikale Winkel-Auflösungsvermögen gab Andersson mit 0,1 Grad an. Der Lidar sorgt damit dafür, dass sich das autonome Fahrsystem ein gutes 3D-Bild von der Umgebung des Fahrzeugs machen kann.

Lidar kommt auch mit schlechten Sichtverhältnissen zurecht, in denen Kameras wenig Nutzen bringen. Im Vergleich zum Radar kann die Technik komplexe Verkehrssituationen (zum Beispiel in Tunnels) besser erkennen. Anders als Tesla glaubt Volvo, dass Lidar-Technik zu den Voraussetzungen des autonomen Fahrens gehört.

Bildergalerie: Volvos Sicherheitstechnik mit Lidar (2021)

Die Software für das autonome Fahren soll über Over-the-Air-Updates aktualisiert werden. Dabei soll die Technik offenbar Schritt für Schritt dem autonomen Fahren näher kommen – abhängig davon, ob es die lokalen Vorschriften erlauben. Dabei beginnt Volvo mit Autobahnen, wo es zum Beispiel keine entgegenkommende Autos und keinen Fußgängerverkehr gibt.

Außerdem sollen Daten von den Kunden in die Verbesserungen eingehen, wenn diese zustimmen: "Mit Hilfe von Echtzeitdaten können wir unsere Entwicklungsprozesse beschleunigen und den Zeitraum von Jahren auf Tage verkürzen", erklärt Ödgärd Andersson von Zenseact. Die gesammelten Kundendaten werden durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet.