Erste Informationen zu Generation 2 und 3 der schwedischen Stromautos

Bei seinem "Tech Moment"-Event am gestrigen Mittwoch hat Volvo nicht nur das Volvo Concept Recharge vorgestellt, sondern auch Details zu den künftig genutzten Plattformen verraten. Die Serienversion der Designstudie gehört zur zweiten Generation von Volvo-Elektroautos. Schon diese Autos auf Basis einer dedizierten Elektro-Plattform werden Zellen mit höherer Energiedichte erhalten und kürzere Ladezeiten bieten:

"Die zweite Generation der Volvo-Elektroautos, darunter das erste SUV auf einer neuen, ausschließlich auf Elektroantrieb ausgelegten Technik-Plattform, fährt bereits mit verbesserten Lithium-Ionen-Batterien vor, die mehr Reichweite und kürzere Ladezeiten bieten." (Volvo)

Die zweite Generation ist aber offenbar nur eine Übergangslösung, denn schon Mitte des Jahrzehnts, also schon in etwa vier Jahren, soll eine dritte Generation starten. Dann wird das Batteriepaket als strukturelles Element im Fahrzeugboden dienen – offenbar im Sinne einer Cell-to-Chassis-Strategie. Dieser CTC-Ansatz wird die Reichweite weiter erhöhen, weil die Batterie tragende Karosserieteile ersetzt.

Wie kürzlich bekannt gegeben, arbeitet Volvo künftig mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt zusammen. Das Joint Venture soll bis 2030 Batterien mit sehr hoher volumetrischer Energiedichte entwickeln:

Die Kooperation setzt sich zum Ziel, "bereits in naher Zukunft die Energiedichte in den Batteriezellen im Vergleich zu den aktuell auf dem Markt angebotenen Akkus um bis zu 50 Prozent zu erhöhen. Noch in diesem Jahrzehnt will Volvo Cars außerdem den Meilenstein von 1.000 Wattstunden pro Liter (Wh/l) Energiedichte knacken, um reale Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern zu ermöglichen. Die momentanen Ladezeiten sollen bis Mitte des Jahrzehnts dank besserer Batterietechnik und kontinuierlicher Verbesserungen an Software und Schnellladetechnik nahezu halbiert werden."

Der Volvo C40 Pure Electric bietet 150 kW Ladeleistung; man soll ihn in etwa 40 Minuten zu 80 Prozent aufladen können. Eine Halbierung der Ladezeiten würde bedeuten, dass man den Akku in 20 Minuten aufladen kann. Das wäre eine Ladegeschwindigkeit ähnlich wie beim Hyundai Ioniq 5 mit seinen 350 kW Ladeleistung, den man in 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringen soll.

Vermutlich wird dazu ein 800-Volt-System benötigt. Diese Technik bietet die SEA-Plattform von Volvos Konzernmutter Geely. Für diese hat Geely ebenfalls bis zu 1.000 km Reichweite angekündigt. Doch ob wirklich diese Plattform eingesetzt wird, verrät Volvo nicht.

Das Volvo-Northvolt-Joint-Venture soll die Akkus wie berichtet auch produzieren. Die Produktion der Batteriezellen soll mit Ökostrom erfolgen. Auch bei den Batterien, die Volvo von anderen Akku-Produzenten erhält, soll das bis 2025 erreicht werden.

Außerdem prüft Volvo derzeit Second-Life-Anwendungen der gebrauchten Akkus, beispielsweise in der stationären Energiespeicherung. Danach sollen die Batterien "bei autorisierten Fachunternehmen recycelt werden" – anders als etwa VW will Volvo also nicht selbst in das Recycling einsteigen. sondern will wohl ähnlich wie Renault mit Spezialfirmen kooperieren. Ein nahe liegender Kooperationspartner ist Northvolt, auf deren etabliertes Recycling-Verfahren Volvo zurückgreifen kann.

Die Serienversion des Volvo Concept Recharge soll auch die Fähigkeit zum bidirektionalen Laden verfügen: So lässt sich Strom aus der Fahrzeugbatterie ins heimische Stromnetz einspeisen, um ihn nutzen zu können, wenn die Strompreise im öffentlichen Netz gerade hoch sind.

Die Elektrifizierungsstrategie von Volvo Cars sieht die interne Entwicklung und Produktion von Batterien, Elektromotoren und relevanter Software in Zusammenarbeit mit strategischen Partnern vor, so Volvo. Offenbar will der schwedische Hersteller also die vertikale Integration erhöhen, womit die Wertschöpfung im eigenen Haus (oder zumindest in einem Joint Venture) verbleibt – während sie bisher meist nach Asien geht, wo die meisten Autohersteller ihre Akkus kaufen.  

Fassen wir zusammen:

  • Volvo führt demnächst mit der Serienversion des Recharge Concept eine zweite Generation von Elektroautos ein. Die Zellen sollen eine höhere Energiedichte haben und sich schneller laden lassen.
  • Schon 2025 folgt dann Generation drei mit Cell-to-Chassis-Technik und nochmals verbesserter Reichweite. Die Akkus sollen sich zudem doppelt so schnell aufladen lassen wie derzeit. Wahrscheinlich brauchen sie dafür 800-Volt-Technik und vermutlich werden spätestens diese Fahrzeuge Geelys SEA-Plattform nutzen.

Volvo veröffentlichte zudem zwei interessante Videos. Bei dem ersten ist klar, dass es sich um das Recharge Concept handelt, wie die Silhouette beweist. Gut zu sehen im Video sind die siebzehn Batteriemodule – acht Paare und ein einzelnes Modul vorne. Ebenfalls gut erkennbar sind die in den Modulen enthaltenen, prismatischen Zellen. Interessant ist auch, dass die Monitore für die Kamera-Rückspiegel enthalten sind. Demnach werden diese wohl auch in die Serie übernommen. Unklar bleibt, wozu der gewaltige, schwarz dargestellte Mitteltunnel dient:

Das zweite Video dürfte ebenfalls das Recharge Concept zeigen, wobei wir uns hier nicht ganz so sicher sind, da es das Fahrzeug ganz in Weiß zeigt. Aber auch hier sind die siebzehn Module erkennbar und in einer Einstellung ist rechts die Silhouette der Designstudie zu sehen. Sicher ist dagegen, dass es sich um das gleiche Auto, das uns Volvo kürzlich als rein elektrischen Nachfolger des XC60 angekündigt hat.

Wenn man die Videos kennt, sind die Bilder besser verständlich, die Volvo mit seiner Pressemitteilung veröffentlicht. Vermutlich handelt es sich einfach um Screenshots aus den obigen Animationen:

Bildergalerie: Volvo Tech Moment: Bilder zu künftigen Elektro-Generationen